Friesenheim CDU-Fraktion fordert neue Technik

Christine Bohnert-Seidel
Mehrere Millionen Euro Investitionskosten stehen der Gemeinde Friesenheim für die Erweiterung der Kläranlage bevor. Die CDU fordert dabei die neueste Technik. Foto: Bohnert-Seidel

Abwasser: In Kläranlage soll vierte Reinigungsstufe integriert werden / Bürgermeister: Planungen noch offen

Friesenheim - Die Friesenheimer CDU-Fraktion übt Kritik an der Verwaltung: Bei den bis zu acht Millionen Euro teuren Investitionen, die für die Kläranlage unumgänglich sind, wurde eine vierte Reinigungsstufe nicht bedacht.

Dem Abwasserverband Friesenheim stehen hohe Investitionen ins Haus: Von fünf bis acht Millionen Euro ist die Rede. Aktuell verfügt die Kläranlage vom Landratsamt nur noch über eine Duldung. Bei der Instandsetzung der Anlage wurde bislang eine vierte Reinigungsstufe nicht bedacht.

Das will die CDU-Fraktion im Gemeinderat Friesenheim so nicht stehen lassen. Sie bittet den Bürgermeister öffentlich um mehr Transparenz und Informationsfluss hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung an der Kläranlage.

Am 6. April hat die CDU-Fraktion einen Antrag an die Verwaltung gestellt und diesen jetzt im Amtsblatt veröffentlicht. Darin formuliert sie den Wunsch nach neuester Technik sowie ein Referat von Gereon Andres, Betriebsleiter des Klärwerks in Lahr.

Dort wird mit Erfolg die vierte Reinigungsstufe praktiziert. Die Brisanz des Themas verlange aus ökologischen Gründen mehr Transparenz und Aufklärung, erklärt Roland Herzog, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion.

Förderungen von Bund und Land stehen zur Verfügung

"Bei den hohen Zukunftsinvestitionen müssen alle Gemeinderäte gleichermaßen ins Boot geholt werden", so Herzog – auch Gemeinderäte aus den Mitgliedsgemeinden Neuried und Meißenheim. Sofern dies finanziell vertretbar sei, sollte die Kläranlage mit der neuesten Technik ausgerüstet werden.

Dringend notwendig sei die Berücksichtigung der vierten Reinigungsstufe zur Elimination von Spuren- und Reststoffen wie Kunststoffpartikel, so Herzog. Beispielhaft sei für ihn der Abwasserzweckverband Lahr mit den Umlandgemeinden, der diese vierte Reinigungsstufe bereits umgesetzt hat.

Umfangreiche Zuschussmöglichkeiten von Bund und Land standen und stünden auch heute noch flankierend als Investitionshilfen zur Verfügung. "Beim Wasser geht es ans Eingemachte", sagt Herzog. "Aus der Verwaltung heißt es, die vierte Reinigungsstufe ist nicht notwendig", so Herzog weiter.

"Ich bin weiß Gott kein Grüner, aber wir können nicht alles in die Weltmeere jagen." Herzog spricht von Reinigungsprozessen, die aus geklärtem Wasser wieder "gutes Grundwasser" machen. "Dass im Wald die Quellen geleert sind, müsste wohl kaum einen mehr wundern", so Herzog weiter.

Wasser, was in Lahr dem Schutterentlastungskanal zugeführt wird, sei weitaus besser als geklärtes Wasser, das aus Friesenheim in die Schutter abgeleitet wird, so Herzog. "Der gesunde Kreislauf unseres Wassers muss gesichert bleiben."

Info

Bürgermeister Erik Weide ist Verbandsvorsitzender und erklärt auf Nachfrage der LZ: "Die Planungen für die Kläranlage sind noch nicht so weit fortgeschritten, dass wir eine definitive Aussage treffen können." Letztlich sei der Ausbau der Kläranlage über Gebühren finanziert.

Ob sich über eine vierte Reinigungsstufe Abwassergebühren in Höhe von fünf Euro pro Kubikmeter gegenüber dem Verbraucher darstellen ließen, gelte es abzuwägen. Aktuell liegt die Abwassergebühr bei 1,78 Euro pro Kubikmeter und die Niederschlagswassergebühr bei 27 Cent pro Quadratmeter versiegelter Fläche.

Planungen an der Kläranlage unterlägen ohnehin dem Landratsamt als Genehmigungsbehörde. Mit ihm würden sämtliche Planungen abgestimmt, so der Bürgermeister. Das Gelände selbst verfüge über ausreichend Platz, um auch eine vierte Stufe unterzubringen. Das Land vergibt in diesem Jahr 189 Millionen Euro für Hochwasserschutz, Gewässerökologie und Altlastensanierung. Davon fließen 88 Millionen in die Maßnahmen im Abwasserbereich.