"Es war eine sehr schöne Zeit" Café Roman ist geschlossen

Helga Maurer an ihrem Lieblingsplatz in ihrem Café Roman: am Stammtisch. Foto: Bohnert-Seidel

Wirtschaft: Writin Helga Maurer hört nach 53 Jahren auf

Friesenheim - Das Café Roman in der Heiligenzeller Straße ist geschlossen. Nach 53 Jahren hört die Wirtin Helga Maurer hauptsächlich aus Altersgründen auf. Als weitere Erklärung fügt sie hinzu: "Die Pandemie hat was mit uns gemacht." Die 86-Jährige hat seit vielen Jahren vor allem Unterstützung von Tochter Susanne erfahren. Obwohl die Tochter das Café gut selbst betreiben könnte, sei an ein Weitermachen in der nächsten Generation nicht zu denken. Zu hoch seien die Auflagen und die damit verbundenen Investitionen. Das sei ein Risiko, das niemand mehr in der heutige Situation eingehen wolle.

Etliche Familienfeste wurden gefeiert

Familiär, freundschaftlich zugewandt, zeichnete das Flair und die Atmosphäre im Café Roman aus. Jahrzehntelang haben sich einmal im Monat die pensionierten Postler getroffen, am Freitagsstammtisch wurden gar zwei Schichten eingerichtet. Seufzend gibt Maurer zu: "Es tut schon weh." Prompt finden sich auch ein paar Tränen in den Augen.

Am 15. Oktober 1968 hat Helga Maurer ihr Café Roman eröffnet. Ursprünglich war es als Café gedacht, weil es im Oberdorf schlicht und ergreifend kein Café gegeben habe. 1900 hat der Opa von Helga Maurer, Jakob Erb, im Haus eine Bäckerei gegründet. Um 1920 musste die Bäckerei geschlossen werden, weil kein Kind die Bäckerei weiterführen konnte. Aus der Backstube wurden in den 1930er bis 1960er Jahre Wohnräume. Der Name Roman geht zurück auf einen Übernamen und Vorfahren der Familie. Im Grunde war es immer der Wunsch von Helga Maurers Mutter Anna, dass aus der alten Bäckerei ein Café wird. Für Helga Maurer, die zwischenzeitlich die Töchter Birgit und Susanne geboren hatte, war der Betrieb eines Cafés eine gute Form der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Aber irgendwie wurde das Café im Oberdorf nicht so angenommen wie erwartet, erinnert sie sich. Nachbarn und Berufstätige kamen viel lieber zum Feierabendbier vorbei. Der Übergang von einem Café in ein kleine Gastwirtschaftsstube war fließend und sollte bis heute Bestand haben.

Etliche Familienfeste wie Kommunionen und Konfirmationen wurden darin gefeiert. Vereine hielten hier ihre Versammlungen. Köchin am Herd war Helga Maurer. Ehemann Horst Maurer war bis zu seinem Tod im Jahr 2003 der Mann am Zapfhahn und hinter der Theke. "Es war eine sehr schöne Zeit", resümiert sie und ist dankbar für die vielen Begegnungen über Generationen, wenn auf die Väter die Söhne am Stammtisch folgten.

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