Friesenheim Beste Chancen auf Spitzenweine

Frank Erb zeigt eine exemplarische Anlage mit Trockenstress für Rebstock und Trauben. Foto: Bohnert-Seidel

Friesenheim - Am Mittwoch versammeln sich die Winzergenossenschaften Friesenheim und Oberschopfheim zu ihrem Herbstreffen. Dabei werden die Einzelheiten der anstehenden Weinlese besprochen. Sie beginnt in der zweiten Hälfte der ersten Septemberwoche.

 

Einige trockene Traubenblätter deuten auf Trockenstress im Weinberg hin. Jungreben haben in diesem Jahr eine gründliche Wasserversorgung durch den Winzer verlangt. In jungen Rebanlagen, in denen keine Versorgung stattgefunden hat und stattdessen auf Regen gesetzt wurde, bleibt nur zu hoffen, dass neben dem schlechten Ertrag nicht auch noch die Stöcke dauerhaft zerstört sind.

Extreme Bedingungen erlebte Frank Erb, der Vorsitzende der Winzergenossenschaft Oberschopfheim, im Gewann "Im Dirental". Vierjährige Rebstöcke der Spätburgundertrauben tragen vereinzelt Früchte, die eher Rosinen als Weintrauben gleichen. Die Wurzeln greifen nicht weit genug in den Boden, um noch an eigene Wasserquellen zu stoßen, erklärt Erb. Rundherum habe er die Erde aufgelockert und hin und wieder Wasser ausgebracht. So viel zu bewässern, wie die Pflanze eigentlich über einen Sommerregen gebraucht hätte, sei nicht möglich gewesen.

"In zehn Tagen müssen die Trauben geholt werden", so Erb. Obwohl die Spätburgundertraube die letzte Sorte ist, die gelesen wird, kommt er um die frühe Ernte in der jungen Anlage nicht her­um. Sind die Trauben geerntet, nehme dies dem Stock die Aufgabe der Versorgung. Damit erhöhe sich die Wahrscheinlichkeit, dass die Anlage nicht kaputt geht, um ein Vielfaches. Mit hoher Ausbeute sei aber nicht zu rechnen, zumal sich der Wassergehalt in der Traube so gut wie halbiert habe.

Jammern will Frank Erb trotzdem nicht. 2018 verspricht trotz der Trockenheit ein sehr guter Jahrgang zu werden. "So gut wie alle Anlagen sind gesund." Gewitterfronten oder Schlagregen kann im Weinberg jetzt jedoch niemand mehr gebrauchen. "Die Rebstöcke haben auf jeden Fall Stress", gibt Herbert Agradetti, Kellermeister der Orte­n­auer Weinkellerei, zu. Wenn es nach ihm ginge, dürfte der jetzt anstehende Regen aber allenfalls noch als leichter Sommerregen niedergehen. Eigentlich seien die alten Anlagen sogar noch relativ gut versorgt.

Trotz Trockenheit fast optimale Bedingungen

Er ist bereits die Weinberge der Friesenheimer Winzergenossenschaft mit deren Vorsitzendem Richard Kopf abgefahren. "Keine Krankheiten, alles gesund", lautet sein Kommentar. Er freut sich auf den Jahrgang 2018, der vergleichbar sein dürfte mit dem aus dem Jahr 2003 mit dem "Jahrhundertsommer". "Nur mit dem Unterschied, dass 2003 die Trockenheit noch einmal deutlich größer war." Der Genossenschaft habe er damals exquisite Weine mit einem hohen Alkoholgehalt beschert. "2018 gibt es wieder eine tolle Quantität und Qualität", fügt er begeistert hinzu. Bei den Spätburgundertrauben rechnet er mit mehr als 100 Öchsle. Gegen hohen Alkoholgehalt hat Agradetti nichts einzuwenden. Wieder erinnert er sich gern: "2003 war der beste Jahrgang aller Zeiten." Wenn das Wetter so bleibe und nicht zu viel Regen niederschlägt, sei er allerbester Zuversicht.

In der ersten Septemberwoche werden lediglich kleine Chargen Müller Thurgau geholt. Allerdings wird mit diesen Mengen die neue Anlage der Ortenauweinkellerei getestet. Richtig los geht es erst um den 6. September. Dann rollen die Traktoren, beladen mit riesigen Bottichen von Friesenheim nach Offenburg oder von der Winzergenossenschaft Oberschopfheim Richtung Winzerkeller Breisach. Ende September dürfte der "heiße Herbst", hinsichtlich der Weinlese, dann beendet sein.

  • Bewertung
    0