Friesenheim Bauernverband fordert Ausgleichszahlungen

Die Hitze macht den Landwirten auch in der Region zu schaffen. Karl Silberer, Landwirtschaftsmeister in Friesenheim und Vizepräsident des Badischen Landwirtschaft­lichen Hauptverbands, fordert Ausgleichszahlungen vom Landesminister.

 

Friesenheim. In seinen Händen hält Karl Silberer einen Maiskolben. Er füllt noch nicht einmal die Fläche aus. "Eigentlich müsste dieser Kolben mehr als doppelt so groß sein", stellt der Landwirt als Vizepräsident des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands fest. Von der Größe der Maiskolben lässt sich ganz generell auf die Verluste der Landwirte schließen. Immer lauter wird der Ruf nach finanziellen Soforthilfen als Ausgleich für den entstandenen Schaden. "Wir fordern mindestens 50 Prozent des Verlustausgleichs", erklärt Karl Silberer gegenüber der Lahrer Zeitung.

In Zahlen bedeutet das laut Silberer: 20 000 Euro sind da nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Diese Summe investiert ein Landwirt bereits in Saatgut und Düngung. Manche Fläche bilanziere in diesem Jahr noch nicht einmal mit einer schwarzen Null. Kein anderer Berufszweig sei momentan so stark vom Klima und der Witterung abhängig und sorge gleichzeitig so sehr für die Gemeinschaft und das Leben, wie die Landwirtschaft.

"Im Schwarzwald gibt es kein Futter für die Nutztiere mehr", berichtet Silberer aus seinem Verbandsgebiet. Normalerweise wird zwei Mal im Jahr gemäht. In diesem Jahr fiel jedoch bereits die erste Mahd sehr dürftig aus. Jetzt gilt es, die ökologischen Vorrangflächen abzuernten. Obwohl die Forderung nach 50 Prozent Verlustausgleich auf dem Tisch liege, appelliert Silberer an alle Beteiligten, ei­nen kühlen Kopf zu bewahren. Denn eines stehe heute schon fest: "Die Landwirte werden in diesem Jahr keine Steuern bezahlen."

Bei einem Gespräch mit Peter Hauk, dem Landesminister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, hat Silberer die Position des Bauernverbands bereits deutlich gemacht. Bei einem Treffen mit Verbänden für Weinbau, Gartenbau, Bauern und Zentralgenossenschaften wollte sich der Minister ein Stimmungsbild einholen. Dieses fällt so düster aus wie schon lange nicht mehr. "Von ganz schlecht bis – im Vergleich – nur weniger betroffen", lauteten die Klagen durchgängig. Einzelne Maisfelder sind bereits abgeerntet und haben den direkten Weg in die Biogasanlage genommen.

Mais ist viel zu schade für die Biogasanlage

Und das, obwohl Mais normalerweise für die Futtermittelindustrie ein kostbares Gut ist. Silberer spricht für den südbadischen Raum von 30 bis mehr als 50 Prozent Ernteausfällen bei einigen Betrieben. Im Gegensatz zu den norddeutschen Bauernverbänden hatten die süddeutschen Bauern bei der Weizenernte 2018 noch relatives Glück. Frühe Wärme und gute Witterungsbedingungen ohne Schlagregen im Frühjahr ließen den Weizen sehr ordentlich gedeihen. Normalerweise schauen eher die süddeutschen Bauern nach einem feuchtkalten Frühjahr ins Leere, weil die Boden- und Witterungsbedingungen für Mais im südlichen Raum besser sind als für Weizen, wurde auch verstärkt auf Mais in der wirtschaftlichen Leistung gesetzt.

Der Vizepräsident des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands wird nicht müde, den ökologischen Vorteil von Mais anzupreisen: "Mais kann bis zu zwei Meter tiefe Wurzeln schlagen und sein Sauerstoffgehalt ist besser als beim Buchenwald." Wenn er aber abgeerntet ist und, wie in diesem Sommer, die Ernte früher angesetzt wird, geht auch dem Mais die Puste aus.

Seit mehr als 70 Jahren ist der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband (BLHV) die Interessenvertretung der Land- und Forstwirte, Winzer und Obstbauern in Südbaden. Er vertritt deren Interessen ge­genüber Politik, Verwaltung und Wirtschaft. Südbaden zählt 16  000 Bau­ern. Dem Kreisverband gehören 611 Mitglieder an. Die Großgemeinde Friesenheim zählt 52 Landwirte.

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