Friesenheim Auch beim Handball halten sie zusammen

Nach der Sommerpause beginnt auch für den TV Friesenheim die neue Runde. Mit dabei: die vier Tafa-Schwestern Adelina, Rinora, Donika und Arlinda. Die Lahrerinnen spielen seit einem Jahr im selben Team – und teilen auch abseits des Felds fast alles.

Es ist Dienstagabend in Friesenheim, die Landesliga-Handballerinnen des TV trainieren fleißig. Trainer Ralf Mättler lässt sein Team in Zweiergruppen laufen und dabei passen. Und auch eine Dreiergruppe ist dabei, sonst würde es nicht aufgehen. Soweit nichts Besonderes.

Schaut man sich jedoch die Dreiergruppe, die am Ende die Übung macht, genauer an, findet man die Besonderheit. Die Dreiergruppe besteht aus Adelina, Rinora und Arlinda Tafa, allesamt Schwestern. Und als wäre das nicht genug, sitzt auf der Bank am Rand noch die Vierte im Bunde, Donika Tafa. Allerdings ist sie verletzt und kann in diesem Training nicht mitwirken. Dafür kann sie schon mal erzählen. "Es ist ein cooles Gefühl, wenn man im Spiel nach links und rechts schaut und die eigenen Schwestern sieht", sagt sie über das Familienteam im Team. "Ich könnte auch gar nicht mehr ohne die anderen spielen", erzählt sie weiter. Mittlerweile haben sich auch die anderen drei dazugesellt und nicken zustimmend.

"Wir machen eigentlich immer alles zusammen", bestätigt auch Adelina Tafa, mit 27 Jahren die älteste der Schwestern. Handballerisch hat sie es am weitesten gebracht, spielte in Ottenheim Oberliga und bei der HSG Freiburg in der damaligen Regionalliga (heute 3. Liga). Adelina ist im Prinzip auch der Grund, warum die vier Handball spielen. "Ich bin einfach mittags in die Sulzberghalle gelaufen und habe geschaut, was da so ist", lacht sie. Und weil damals gerade der TV Lahr Handballtraining hatte, war die Entscheidung getroffen. Nach und nach kamen dann auch Donika, Rinora und Arlinda mit ins Training und fanden Gefallen am Handball. Zu viert in einer Mannschaft spielten sie jedoch damals noch nicht: In der Jugend waren die Altersunterschiede zu groß, und alle legten dann und wann mal eine Pause ein.

Bewegung in die Sache kam dann erst vor knapp zwei Jahren, erzählt die 24-jährige Donika: "Unsere heutige Teamkollegin Julia Meier hat mich überredet, nach meiner Babypause mit nach Friesenheim zu kommen." Kurze Zeit später waren dann auch Arlinda und Adelina beim TV und wurden gemeinsam Meister. Rinora, mit 20 Jahren das Küken der vier Handballerinnen, spielte damals noch in der zweiten Mannschaft der HSG Ortenau Süd und traf mit dieser auf ihre drei Schwestern. "Das war schon witzig auf dem Feld", erinnert sie sich. "Sie wusste aber, dass sie verliert", lacht Donika, die sich im Gespräch als so etwas wie die Wortführerin hervortut. Und als dann der Friesenheimer Aufstieg eingetütet wurde, war auch Rinora "gezwungen", zum TVF zu kommen.

Am 23. September 2018 war es dann soweit: Die vier Tafa-Schwestern standen erstmals alle gemeinsam – und für das gleiche Team – gegen die SG Freudenstadt/Baiersbronn auf der Platte. Im ersten Spiel gewann der Aufsteiger, den damals wohl noch keiner so wirklich auf dem Zettel hatte, mit 24:14. Es war der Grundstein für eine Saison, die "übererwartet" gut lief, wie es die 27-jährige Adelina Tafa ausdrückt. In der Endabrechnung stand bekanntermaßen Platz drei zu Buche. Schwierigkeiten hatten die vier nicht, sich auf die neue Situation einzustellen. Und auch die Mannschaftskolleginnen fanden es gut. "Julia Meier hat nach rechts und links geschaut und gesagt: ›Geil, jetzt hab ich euch alle um mich‹", erzählt Donika lachend vom ersten Saisonspiel.

Doch es ist keinesfalls so, dass sich die vier charakterlich stark ähneln – auch wenn ihr Trainer Ralf Mättler sie dann und wann verwechselt. Warum, das fragen sich seine Spielerinnen auch manchmal. "Wir sind total unterschiedlich und haben auch im Handball ganz unterschiedliche Stärken", sagt Adelina. Dem intensiven Verhältnis, das die Schwestern haben, scheint das aber keinen Abbruch zu tun. Im Gegenteil. Bis auf Donika wohnen alle Tafas noch zusammen. Gemeinsam übrigens mit drei weiteren Schwestern und ihren Eltern. "Unserem Vater geht’s gut damit", lacht Donika, die mit ihrer Tochter und ihrem Mann in der gleichen Straße wohnt und ihre Schwestern noch jeden Tag sieht.

"Wir haben zusammen viel erlebt, auch viel Schlechtes", sagt sie. Vater und Mutter – damals schwanger mit Adelina – flüchteten 1992 vor dem Krieg aus dem Kosovo nach Deutschland, wo die vier Handballerinnen zur Welt kamen. Zehn Jahre später wurde die Familie dann abgeschoben, kehrte aber bald wieder zurück. "Wahrscheinlich sind wir auch deshalb so eng miteinander", mutmaßen die vier, die zwar in Deutschland geboren sind, jedoch nie die kosovarische Staatsbürgerschaft abgegeben haben und auch noch diese Sprache sprechen.

Diese nutzen sie dann auch teilweise auf dem Handballfeld. "Dann wissen unsere Mitspielerinnen, dass wir was vorhaben, das sie nicht betrifft", lacht Donika und steckt die anderen damit an. Denn auch wenn nicht alle der vier Schwestern so gerne reden wie Donika, alle lachen viel. Vor allem Arlinda Tafa, die übrigens mit dem Bruder von Donikas Mann verheiratet ist, lässt beim Reden gerne den anderen den Vorzug.

"Aber auf dem Spielfeld ist sie ganz anders", sagt Linkshänderin Rinora über ihre Schwester. Und das stimmt. Als Arlinda, die in der Jugend im Tor stand und dann umschulte, während des Topspiels gegen Schutterwald im März eingewechselt wurde, war’s vorbei mit der Ruhe. Voller Elan und Motivation hielt die 22-Jährige einen Wurf des Tabellenführers nach dem anderen und peitschte ihr Team nach vorne.

Das sei wiederum etwas, was alle gemeinsam haben. "Wir sind alle ehrgeizig und haben so viele Emotionen", sagt Donika. Und selbst mit ihrem Vater auf der Tribüne würden diese manchmal durchgehen. "Die Tafas leben den Handball, Ausreden gibt’s da nicht", bestätigt auch Ralf Mättler die ehrgeizige Einstellung der vier, die sich überraschenderweise recht wenig in die Haare kriegen. Nur einmal während des Gesprächs kommt es zu einer Art Diskussion. Es geht um den Spielverlauf einer Partie in der Hinrunde. Und da bei den vier immer eine Recht haben muss, bekommt das am Ende Adelina als Älteste. Schon ist wieder alles in bester Ordnung. Denn: "Ich bin so froh, meine Schwestern zu haben", sagt Donika. Die anderen drei nicken und sind wieder einig.

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