Friesenheim 365 Tage im Jahr für 500 Schafe da

Schäfer Otto Fehrenbacher war zur Winterweide mit seiner Herde in der Ortenau, darunter auch in Schwanau, Friesenheim und in Neuried unterwegs. Zu Ostern will der gebürtige Ichenheimer wieder in Loßburg zurück sein.

Friesenheim/Ried. Schäfer Otto Fehrenbacher aus Loßburg ist wieder für einige Tage in der Region. Hütehund Samy unterstützt den Schäfer bei seiner Arbeit. Seit mehr als 50 Jahren kommt Fehrenbacher einmal im Jahr in die Ortenau. Unter anderem auf der grünen Wiese neben dem riesigen Fabrikgebäude von Albea im Gewann Bockswinkel in Schuttern finden die knapp 500 Schafe von Fehrenbacher ausreichend Grünfutter. Trotzdem stellt der Schäfer fest: "Es wird weniger." Nicht nur den Umbruch von Grünwiesen bemerkt Fehrenbacher, er stelle mit jedem Jahr ein Stück mehr die Zersiedelung der Landschaft fest.

Am 12. Januar hat sich Fehrenbacher mit seinen Schafen auf den Weg gemacht. Sein Weg führte ihn hinunter über Schenkenzell, Schiltach, geradewegs durchs Kinzigtal ins Schuttertal und von dort in die Rheinebene. Mitte bis Ende März ist Fehrenbacher meist auf den für seine Schafe wichtigen saftigen, grünen Wiesen anzutreffen. Genüsslich nehmen die Paarhufer die Grashalme auf. Prompt durchdringt die Stimme von Fehrenbacher die Ruhe: "Komm, komm, komm", ruft er mit langgezogenem O durch die Stille des Nachmittags. Flugs kommt Bewegung in die Tiere, als wüssten sie sofort, dass sie sich unerlaubt auf andere Pfade begeben haben. Vor allem die Kreisstraße nach Schutterzell birgt eine Gefahr.

In Baden-Württemberg gibt es noch vier Wanderschäfereien

Die Nächte in der Ortenau hätten es noch ganz schön in sich. Angesprochen auf das dicke Wollkleid bemerkt Fehrenbacher: "Das brauchen sie noch lange." Erst Ende April bis Mai werden die Tiere geschoren. Bis dahin wärmt und schützt das Fell in den frostigen Nächten.

In Baden-Württemberg gebe es noch vier Wanderschäfereien von ehemals 25, erklärt Fehrenbacher. Die Nachfolge ist in den wenigsten Schäfereien gesetzt. "Mithelfen wollen viele, daran soll es nicht scheitern", sagt der gebürtige Ichenheimer. Aber letztlich 365 Tage im Jahr in der Verantwortung zu stehen, dürfe wohl nicht unbedingt für das Berufsprofil sprechen.

Für Fehrenbacher hat es nie ein Für oder Wider gegeben. Ihm steht die Liebe zum Beruf und die Naturverbundenheit ins Gesicht geschrieben. Zwischendurch klemmt er sich als kleine Streck- und Dehnübung den Hirtenstab quer über den Rücken. Schon ruft er wieder seine Herde zur Raison: "Komm", durchdringt seine tiefe Stimme den Feierabend. Im Gewerbegebiet hat längst die Spätschicht übernommen. Später zieht Fehrenbacher mit seiner Herde auf eine Nachbarwiese und steckt dort das Terrain mit einem Elektrozaun ab. Am Folgetag zog die Herde Richtung Ichenheim weiter, zu Ostern will Schäfer Fehrenbacher wieder in Loßburg ankommen. Zurück geht es über Zunsweier ins Kinzigtal hinauf nach Loßburg. Dort werden bereits jede Menge Lämmer von ihren Muttertieren groß gezogen, die während der Wanderschaft geboren wurden.

Auf seinen Hirtenstab kurz aufgestützt erzählt Otto Fehrenbach vom größten Feind der Schäfer, dem Wolf. Er selbst habe mit seinen Tieren zwar "glücklicherweise" noch keine Bekanntschaft mit dem Raubtier gemacht, wisse aber von ein paar Kollegen, die schon so manches Tier verloren haben. "Der Wolf könnte verstärkt das Ende der Schäfereien bedeuten", sagt Fehrenbacher.

  • Bewertung
    1