Friesenheim 1000 Jahre Geschichte auf einer Bühne

Von Christine Bohnert-Seidel

Bei dem Festbankett am Freitagabend haben zwei Gemeinden auf eine 1000-jährige Geschichte zurückgeblickt. Rund 500 geladene Gäste sahen in der Sternenberghalle ein vielfältiges Programm.

Friesenheim. "Großartig", "sensationell", "stilvoll", "mit einem besonderen Niveau" – so beschrieben einige der rund 500 Gäste das Festbankett anlässlich der 1000-Jahr-Feier von Friesenheim und Heiligenzell. Die Kunst, 1000 Jahre Geschichte in einem akzentuierten und von personeller Präsenz geprägten Programm mit Musik und Theater auf die Bühne zu bringen, war den Protagonisten geglückt.

Die Gäste und Darsteller verneigten sich vor ihrer Geschichte in Demut, Respekt und offener Selbstkritik. Es herrschte eine unnachahmliche Lebendigkeit auf der Bühne, ein Dialog von Sprache und Bild im harmonischem Spiel mit der Musik. Es schien, als hätten sich die Veranstalter den höchsten Maßstab einer Festgala gesetzt – und diesen auch erreicht.

Dankbar waren die beiden Vorsitzenden des Fördervereins Charlotte Schubnell und Gerold Eichhorn für die professionelle Unterstützung. Organisation und Regie des Festabends wussten sie bestens in den Händen von Marco Hertenstein und Uwe Baumann. Hertenstein, Komponist und Musiker, berührte mit seinem Engagement, das er in Gedenken an seinen verstorbenen Vater Hans Hertenstein stellte.

"Herzlich willkommen auf der Sternenbergkonferenz", verkündeten Uwe Baumann und "Fräulein Hannelore" (Nicole Kopp), die den Friesenheimer Dialekt bediente und den Blick durchs Schlüsselloch mit ihren offenen Kommentaren und Zusammenfassungen wagte. Große und kleine Momentaufnahmen eines 1000-jährigen Daseins skizzierten eine Reise zu den Wurzeln der Geschichte zweier Orte.

Mit der Schenkungsurkunde von Heinrich II. und seiner Gattin, Kaiserin Kunigunde, begann eine Zeitreise der Geschichte, die in ihrem Unterhaltungscharakter keine Wünsche offen ließ. Die Moderatoren katapultierten ihr fasziniertes und oftmals sprachloses Publikum quer durch die Geschichte. Vom Bauernkrieg über den Dreißigjährigen Krieg bis zum großen Brand von Friesenheim wurde dieser Akt mit einem sensiblen Gitarrensolo von Marcus Busam in Szene gesetzt.

Dann sprangen die Darsteller zu Napoleon (Johannes Gißler) und Markgraf von Baden (Eike Bergner). In der Folge drang die Heckergruppe aus dem Foyer auf die Bühne. Mittendrin in der Badischen Revolution glitt das Publikum mit dem Basssolisten Gerold Kadenbach über zum "Badner Lied", gefolgt von einem grandiosen Klaviersolo von Melanie Bähr. Sascha Armbruster erinnerte mit seinem Saxofonspiel an die beiden Weltkriege.

Dann läuteten die Darsteller die ausgelassene Zeit des Charleston ein und wurden von Ralph Kiefer am Klavier begleitet, der diese Zeit ausgelassen mit seinem Fingerspiel intonierte. Vom Brückenbau erzählten im Gesang Maddy Eichhorn und Eddy Haid sowie Georg Eichhorn am Flügel. Heiter fiel der Blick in die Zukunft von Gerold Eichhorn, Charlotte Schubnell und Bürgermeister Erik Weide aus: 2050 wird wohl ein weiteres Gutachten für die Zusammenlegung der Feuerwehren vorliegen. Vereine werden wohl vom Aussterben bedroht sein. Die Ortsmitte dürfte langsam angenommen werden, noch immer wird über den Bahntrassenverlauf diskutiert, und es wird eine Päpstin geben.

Außerdem wird es in Friesenheim 2050 erstmals ein gemeinsames Ortswappen geben. Bis dahin dürfte der eigens von Marco Hertenstein geschriebene Titel "Celebrate" bereits zu den bekannten Klassikern der Musikgeschichte zählen.

Weitere Fotos unter: www.lahrer-zeitung.de/bilder

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