Freiburg Diebesgut im Wert von über einer Millionen Euro sichergestellt

Freiburg - Die Freiburger Polizei hat drei Profi-Einbrecher geschnappt und Diebesgut im Wert von 1,1 Millionen Euro sichergestellt. Die Täter sitzen in U-Haft und streiten alles ab. Und die Ermittler suchen nun mit einem etwas außergewöhnlichen „Flohmarkt“ in den Räumen der Kripo Freiburg nach den Besitzern von einigen Tausend Uhren, Schmuckstücken und Geldbündeln. Herrenlose Plastikkulis und Karussell-Fahrchips sind auch zu finden: „Die Räuber haben alles mitgenommen und vom Verkauf der Beute in Saus und Braus gelebt, große Partys geschmissen und opulent im Hotel gelebt“, so Kriminalhauptkommissar Peter Göbel.

Göbel ist das, was man einen alten Fuchs nennt: In knapp 45 Jahren bei der Polizei hat er viel  gesehen. Er kann sich aber nur an drei Fälle in seiner Karriere erinnern, in denen er und seine Kollegen Diebesgut in solch einer Dimension sichern konnten. Alles begann im vergangenen November mit dem Hinweis eines Garagenbesitzers in Freiburg-Lehen, der das Licht in einer seiner Miet-Garagen ausschalten wollte und dabei auf einen riesigen, chaotischen Berg von Fahrradteilen, Diebesgut, Dokumenten, Einbruchwerkzeug und Waffen stieß. Er alarmierte die Polizei. Und bei den Ermittlern schrillten umgehend die Alarmglocken, als sie feststellten, dass der Mieter der Garage ein gerade frisch aus der Haft entlassener, 30 Jahre alter deutscher Seriendieb und Einbrecher war, der, wie sich später herausstellen sollte, sogar seinen Freigang aus der Haft für seine Raubzüge nutzte.

Der Mann kam am 3. November 2017 in U-Haft, musste kurz darauf aufgrund fehlender Beweise vorerst wieder freigesetzt werden und konnte dann im Februar bei einem Beutezug in Gundelfingen/Breisgau-Hochschwarzwald auf frischer Tat erwischt werden. Er sitzt nun zusammen mit zwei Komplizen im Gefängnis: Man habe den Männern die Beteiligung an rund 20 Einbrüchen überwiegend in Wohnungen in Mehrfamilienhäusern nachweisen können, so Göbel. Insgesamt gehe man von 60 bis 70 Raubzügen zwischen August 2017 und Februar 2018 aus, bei denen es neben der Millionenbeute auch Sachschäden in Höhe von 70.000 Euro gab.

Bei den Komplizen handelt es sich um einen 29 Jahre alten Syrer und eine 19-jährigen Deutschen. Der Syrer sei der Kopf der Bande, so Göbel. Gegen ihn und den älteren der beiden Deutschen wurde bereits Anklage erhoben, ihnen blühen nun mehrjährige Gefängnisstrafen. Die Anklage gegen den 19-jährigen sei in Vorbereitung, so der Ermittler, der in den vergangenen Monaten zusammen mit seinem Team in der „Ermittlungsgruppe Garage (EG)“ der Freiburger Polizei jede Menge zu tun hatte: etwa 40 Prozent der Beute, die in der Garage entdeckt wurde, konnten an insgesamt 48 Einbruchsopfer zurückgegeben werden. Die Bandbreite der Gegenstände reichte von der 80.000 Euro Uhr bis zum Modeschmuck mit einem Preisschild in Höhe von 2,50 Euro.

In der Folge des Garagenfunds mit 12.000 Gegenständen wurden aber auch in der Wohnung und einem versteckten Kellerabteil beim Haupttäter der Einbruchsserie rund 3000 weitere, teils wertvolle Fundstücke entdeckt, für die man bisher noch keinen Besitzer ausfindig gemacht hat, berichtet Göbel und präsentiert als Beispiel eine Rolex-Uhr im Wert von 12.000 Euro und eine seltene, antike Taschenuhr. Dass die Rolex ihren Träger wiederfindet, gilt als nicht unwahrscheinlich, da Besitzer solcher Uhren meist ein Zertifikat des teuren Stücks daheim haben. Andere Gegenstände ohne “Individualkennzeichen” zuzuordnen sei dagegen schwerer, so der Leiter der EG: Bis zum kommenden Samstag hat die „EG Garage“ daher in einem Besprechungsraum bei der Freiburger Kripo einen großen „Flohmarkt“ aufgebaut.

Hier können Einbruchsopfer – möglicherweise – ihre Schätze wiederfinden: „Wenn wir für eine Perlenkette vier mögliche Besitzer haben, die Ansprüche stellen, können wir sie natürlich nicht aushändigen“, sagt Peter Göbel. Wenn aber die genaue Zuordnung von Diebesgut anhand von Beschreibungen der Opfer oder passenden Aussagen zu Tatzeit und Tatort gelingt, dann kann die Ware ausgehändigt werden: Die Taten der Gruppe ereigneten sich in Freiburg, im Kreis Emmendingen, am Kaiserstuhl und im Markgräflerland. „Was keinen Besitzer mehr findet, wird am Ende vom Zoll versteigert, und der Erlös fließt dann dem Staat zu“, so Göbel.

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