Fischerbach Vertrauen ist auf beiden Seiten groß

Kaufmann Meinrad Volk (links) und Praktikant Sami Shammo Hassan. Foto: Dorn

Fischerbach - Seit September letzten Jahres beschäftigt der Fischerbacher Kaufmann Meinrad Volk den 24-jährigen Iraker Sami Shammo Hassan in seinem Lädele als Praktikanten. "Es passt bisher alles", meint Volk.

Sami lebt seit 2016 in Fischerbach, hat an den Beruflichen Schulen in Wolfach im vergangenen Jahr seinen Hauptschulabschluss geschafft und hatte in einem einwöchigen Schulpraktikum bei Meinrad Volk schon einmal in den Beruf des Verkäufers im Lebensmitteleinzelhandel hineingeschnuppert. Gleich in die reguläre Berufsausbildung zu starten, schien Ausbilder und Auszubildendem zu riskant und so wurde in Gesprächen mit dem Job-Center und dem Integrationsmanager aus Wolfach das Modell "Praktisches Jahr" geboren.

In diesem arbeitet Sami drei Tage pro Woche im Laden und besucht an den übrigen zwei Tagen die kaufmännische Berufsschule im Schulzentrum Hausach. In Volk hat Sami einen verständnisvollen Arbeitgeber gefunden, der Rücksicht nimmt auf die vielen Pflichten, die sein Praktikant als Sprachmittler in Behördengängen und Arztbesuchen für seine Frau, seine beiden Kinder und seine Eltern leisten muss. Aber die acht Stunden Arbeit pro Tag müssen natürlich geleistet werden. Das achtköpfige Team ist auf die Mitarbeit des jungen Mannes angewiesen. Das Vertrauen in die Vertrauensarbeitszeit ist auf beiden Seiten groß.

Ob bei der Warenannahme, der Kundenberatung im Markt oder dem Transport schwerer Getränkekisten bis zum Auto der Kunden wird Sami in alle Tätigkeiten eingelernt. Natürlich gibt es mit manchen Warenbezeichnungen noch Schwierigkeiten, aber mit viel täglichem Rechnen, Lesen und Schreiben im Rahmen seiner Arbeit wird der Anteil unbekannter Worte immer weniger. Bei der Inventur an einem Samstag hatten Chef und Praktikant dazu einmal ungestört einen ganzen Tag Zeit, an dem Einzelhändler-Wortschatz zu arbeiten.

Das Schreiben ist für den angehenden Lehrling momentan noch das größte Problem. Im Irak hat der kurdischsprachige Sami ein arabischsprachiges Gymnasium besucht und damit das Schreiben von rechts nach links gelernt. Hier in Deutschland musste er anfänglich jedes neue deutsche Wort nicht nur lesen und seine Bedeutung erfassen, sondern sich danach auch noch darauf konzentrieren, dieses Wort mit dem fremden Buchstaben verkehrt herum zu schreiben – eine Integrationsleistung, deren Komplexität oft nur gering gewürdigt wird.

Kurz vor den Abiturprüfungen kamen die Kämpfer des Islamischen Staats (IS) in Samis Heimatstadt und der junge Jeside musste aus Furcht vor gnadenlosen Repressionen von heute auf morgen seine Heimat verlassen. Über die Umstände seiner Flucht und der seiner Frau mit dem damals nur wenige Monate alten Kind möchte Sami nicht reden. Die wenigen Stichworte, die Meinrad Volk dazu gibt, reichen aus, um sich die Grauen dieser Reisen vorzustellen.

Sami Shammo Hassan möchte viel lieber nach vorne schauen und sich ein Leben im Kinzigtal für sich und seine Familie aufbauen. Auch neben der Arbeit tut der junge Iraker vieles, um sich im Fischerbacher Dorfleben zu integrieren. Unter anderem spielt er in der zweiten Mannschaft des FC Fischerbach und trifft sich freitags mit anderen Geflüchteten und einigen Deutschen zum zwanglosen Tischtennisspielen.

Seit mehr als zehn Jahren versorgen Meinrad und Walburga Volk Fischerbach mit ihrem Lebensmittelladen. Am 1. Oktober 2006 übernahmen sie die damalige Edeka-Filiale in der Gemeinde. Ein Jahr später eröffneten sie am neuen Standort das Lädele "Ihr Kaufmann". Es sichert die Nahversorgung für die Fischerbacher, die sonst zum Einkaufen in die umliegenden Gemeinden fahren müssten.