Fischerbach "Trasse ist wie ein Sechser im Lotto"

Planer Roland Gäßler (mit Mütze) erläutert die Probleme der Herrenberg-Trasse im Einmündungsbereich "Gemsbühl". Die Holzstangen markieren die Fahrbahnhöhe der geplanten Straße. Foto: Dorn

Fischerbach - Der Fischerbacher Gemeinderat hat sich nach einem Vor-Ort-Termin in seiner jüngsten Sitzung mit breiter Mehrheit für die "Bildstöckle-Variante" entschieden. Die Herrenberg-Trasse ist damit kein Thema mehr.

Lange galt für die Trassenführung der neuen Gemeindeverbindungsstraße zwischen Fischerbach und Haslach die "Bildstöckle-Trasse" als alternativlos. Mit der vom Straßenbauamt jetzt vorgelegten und im Gelände visualisierten Herrenberg- beziehungsweise Ellengrund-Trasse hatten die Räte in dem seit 2011 laufenden Entscheidungsprozess eine Wahl und mussten dazu verschiedene gesellschaftliche Aspekte abwägen. Die technisch anspruchsvolle alternative Trasse lag dabei nur in durchgeplanter, aber nicht in durchgerechneter Fassung zur Abstimmung vor.

Bei einem Vor-Ort-Termin an mit Absperrbändern visualisierten Startpunkten "Bildstöckle" beziehungsweise "Herrenberg/Ellengrund" der beiden Alternativen beriet der Fischerbacher Gemeinderat am Dienstagabend über die Gemeindeverbindungsstraße zwischen Fischerbach und Haslach.

"Herrenberg" zu schnell ausgeschlossen

Im Mai 2019 hatte die Trassenführung mit einem Kreisverkehr am "Bildstöckle", der Brücke über die Kinzig und einer nahezu kurvenfreien und damit nur wenige Grundstücksbesitzer tangierenden Straße schon einmal entscheidungsreif auf der Tagesordnung gestanden. Seinerzeit hatte Roland Gäßler vom Straßenbauamt die auf einem alten Plan eingezeichnete "Herrenberg-Trasse" nach Meinung der Räte aber zu vorschnell ausgeschlossen.

Für die Sitzung am Dienstag hatte Gäßler deutlich nachgearbeitet und mit der verantwortlichen Projektleiterin Susann Fischer-Dolz die neue Trasse als zwar technisch anspruchsvolle, aber in Erwägung zu ziehende Alternative präsentiert.

Im Vergleich konnte die Bildstöckle-Variante mit einem "harmonischen Kreisverkehr", so Gäßler, als Einstieg in das Brückenbauwerk punkten. Nach kurzer Wanderung zur Geigerhütte über dem Ellengrund lagen dem Rat die Trassenvarianten nebeneinander zur Ansicht parat. "Jeder nicht gebaute Straßenmeter ist ein guter Meter", führte Bürgermeister Thomas Schneider in das Kinzigvorland-Panorama ein. Rechts war als "überraschend kompaktes" Bauwerk, so Gemeinderat Michael Kohmann (FW), die an den Rand des Blickfelds gedrückte Herrenberg-Variante zu sehen, in der Mitte die das Kinzigvorland großflächig zerschneidende Bildstöckle-Variante und ganz links die eigentlich natürliche Variante.

Mit dieser würden zwei von der Kinzig getrennte Wirtschaftswege mit minimalem Flächenverbrauch in gerader Linie verbunden. Auf Nachfrage gab Gäßler bekannt, dass diese Variante nicht mehr möglich sei, da eine Kreisstraße nicht in eine Gewerbegebietsstraße übergehen dürfe.

Auf Nachfrage von Stefan Heizmann (Freie Wähler) bezifferte Gäßler den zeitlichen Vorsprung der bereits durchgeplanten "Bildstöckle-Variante" auf mindestens zwei Jahre. Dazu sei diese Trasse inzwischen im Verkehrswegeplan auch schon durchfinanziert. Fiele man mit der Planung auf Null zurück, sei nicht sicher, dass die Straße mit einer neuen Trasse in dem Finanzierungsplan verbleiben könne. Dazu sei die Brücke als Holzverbund-Brücke über fünf Brückenfelder für die Verantwortlichen zu einem Pilotprojekt geworden, aus dem sich für die Zukunft mögliche Absatzfelder für den Baustoff Holz ergeben könnten.

Holzverbund-Brücke als Pilotprojekt

Für die Herrenberg-Variante sei Holzverbund-Technik nicht möglich. Für Gemeinderat Klaus Schmieder (CDU) war dies in Verbindung mit dem schlechten Zustand der Arche-Brücke Anlass genug, für die "Bildstöckle-Trasse" als den "Sechser im Lotto" zu stimmen. Nach Aussage Gäßlers könne mit dem Bau sogar noch 2022 begonnen werden. Mit etwas Glück wird die neue Straße Ende 2023 fertiggestellt sein.

Georg Schmid und Silvia Faißt (beide CDU) votierten in der Abstimmung als einzige dagegen. Beide hätten sich für die Herrenberg-Variante der besseren Vergleichbarkeit wegen noch Kostenberechnungen gewünscht. Schmid blieb in seinem Statement dabei, dass der Preis des Flächenverbrauchs für diese Variante auch vor dem Hintergrund des Klimawandels zu hoch sei. Faißt äußerte dazu die Befürchtung, dass wenn die Straße erst gebaut sei, zumindest südlich der Straße Haslach zeitnah sein Industriegebiet erweitern würde.

Mit breiter Mehrheit entschieden sich die Räte für die aus vielen Gründen vernünftigere "Bildstöckle-Variante".

Die Kosten für die neue Straße belaufen sich aktuell auf circa elf Millionen Euro. Zu Beginn der Planungen im Jahr 2011 lagen die veranschlagten Kosten bei rund vier Millionen Euro. Für den Radweg-Anteil kommen auf die beiden Gemeinden Haslach und Fischerbach zusammen etwa 360 000 Euro Eigenanteil zu.

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