Fischerbach Mast für Mast: Kontrolle aus der Vogelperspektive

Matthias Böhmann, Leiter der Netzbetriebe (von links), die Piloten Pierre Brehm und Uwe Heins, Thermograf Daniel Isch und Edgar Brucker, Leiter der Bezirksstellen Foto: Reinhard Foto: Schwarzwälder Bote

Fischerbach. Kein Rettungshubschrauber, keiner der Feuerwehr und auch keiner der Polizei: Der Helikopter, der in dieser Woche in der Region zu sehen war, Strommasten bedenklich nahe kam und dort immer wieder sekundenlang in der Luft stand, war im Auftrag des E-Werks Mittelbaden unterwegs. Hintergrund: Das E-Werk lässt alle zwei Jahre von der Firma Helisfair ihre Freileitungen aus der Vogelperspektive überprüfen. Jedes vierte Jahr ist das Hubschrauber-Team im Kinzigtal unterwegs. Der Helikopter hat bei der Kontrolle mehrere Vorteile: Nicht nur, dass Schäden wie beispielsweise durch Blitzschlag nur von oben gesehen werden können. Womit ein Kontrolleur vom Boden mehrere Monate lang beschäftigt wäre, schafft ein Helikopter in ein paar Tagen. 180 Kilometer 200-Volt-Freileitungen in Bad-Rippoldsau-Schapbach, Fischerbach, Friesenheim, Gutach, Hausach, Schiltach, Schenkenzell, Hofstetten, Hohberg, Hornberg-Reichenbach, Lahr, Mühlenbach, Offenburg, Schenkenkzell-Kaltbrunn, Wolfach und Oberwolfach fliegt er in vier Tagen ab.

Die Rolle des Wetters: Statt des Nebels, der am Morgen durch das Kinzigtal gewabert war, gleißte am späten Vormittag die Sinne vom Himmel. Sehr zur Freude des E-Werks, denn die Überprüfung der Leitungen mit einem Helikopter ist auch vom Wetter abhängig. "Bei Regen kann der Hubschrauber fliegen. Bei Nebel nicht", erklärt Anthea Götz von der Unternehmenskommunikation. In den vergangenen Tagen habe das Helikopterteam immer wieder mit dem Nebel zu kämpfen gehabt und musste die Dunstbänke immer wieder umfliegen. Das Team: Die geschulten Augen der beiden Piloten Pierre Brehm und Uwe Heins, der auch Chef der Firma Helisfair ist, erkennen selbst kleinste Schäden an den Leiterseilen, Verbindungsstellen und Isolatoren – im besten Fall noch bevor sie Störungen hervorrufen. Brehm und Heins können nämlich nicht nur fliegen. Sie sind Elektromeister und haben jahrzehntelange Erfahrung darin, jede noch so kleine Schwachstelle an Leitungen zu erkennen und zu dokumentieren. Überall in Deutschland sind sie für Netzbetreiber im Einsatz. Thermograf Daniel Isch komplettiert das eingespielte Team. Er stellt mit seiner Kamera fest, wo in den Leitungen Temperaturschwankungen sind. Sie weisen auf eine Störung hin. "Das Cockpit ist ideal besetzt", fasst Edgar Brucker zusammen. Er ist Leiter der Bezirksstellen und hat die Flugroute zusammengestellt, auf deren Verlauf der Hubschrauber Mast für Mast anfliegt. Ablauf: Sobald der Helikopter abgehoben hat, kontrolliert er der festgelegten Route entsprechend Strommasten und Leitungen. Heins ist für das Fliegen zuständig, Brehm, der ebenfalls Pilot ist, für die Dokumentation der Schäden. Manchmal wechseln sie sich auch ab. Immerhin verbringen die Männer bis zu sechs Stunden in der Luft. Bis auf zwei Meter nähert sich der Heli bei der Kontrolle den Leitungen und Masten. Oft steht er sekundenlang in der Luft, während Heins seinem Kollegen das, was er sieht, beschreibt. Dieser notiert das Gesagte in für den Laien unverständliche Abkürzungen auf ein Formblatt. Hinterher werden diese in Klarschrift übersetzt. So entsteht eine "To-do-Liste", die das E-Werk hinterher abarbeitet.

Schäden: "Pro Flug werden drei bis fünf Schäden entdeckt, die sofort behoben werden müssen", berichtet Matthias Böhmann, Leiter der Netzbetriebe bei den E-Werken Mittelbaden. Bei den meisten Schwachstellen handele es sich aber um solche, die innerhalb eines Monats oder noch später beseitigt werden müssten. Angefaulte Mastzöpfe beispielsweise müssen zwar bald ausgetauscht werden, erfordern aber keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. Noch mehr Zeit können die E-Werke sich mit Bewuchs lassen. "Die Beseitigung von 80 Prozent der entdeckten Schäden dient der Störungsprophylaxe", fasst Heins zusammen.

Hubschrauber: Beim Hubschrauber, der in dieser Woche im Einsatz war, handelt es sich laut Brehm um einen Eurocopter. Nicht jeder Helikopter eigne sich für den hier geforderten Einsatz, betont der Pilot. "Der braucht Power und eine leistungsfähige Turbine, um am Mast zu stehen", so Brehm. Helisfair besitze zwar auch eigene Hubschrauber in verschiedenen Größen und Leistungstypen, chartere aber immer wieder Maschinen. Der Helikopter, der in dieser Woche im Kinzigtal zum Einsatz kam, kommt aus Offenburg, so Brehm.

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