Pläne für den Martinshof Große Schlüssel für große Pläne

Charlotte Reinhard

Wiederbelebung: Neue Besitzer des Fischerbacher Martinshofs haben viele Ideen für dessen Nutzung

Ein 900 Jahre alter Hof und tausend Ideen: Nachdem die Gemeinde Fischerbach den Martinshof den Besitzer gewechselt hat, haben die neuen Eigentümer viele Visionen, was aus dem geschichtswürdigen Gebäude alles werden könnte.

Fischerbach - Der Martinshof ist 900 Jahre alt und war mehrere Jahre in Gemeindebesitz. Fischerbach wollte ihn an jemanden verkaufen, der dessen langer Geschichte würdigen und aus ihm etwas machen wollte, das den Fischerbachern zugute käme.

Das sind die neuen Besitzer:

Mit Regine und Michael Reimold scheint die Gemeinde so jemanden gefunden zu haben. Während Michael Reimold ursprünglich aus Schenkenzell kommt, stammt Regina Reimold aus Karlsruhe. Momentan leben beide noch in Schenkenzell. Sie sind Inhaber der Firma GFT Prisma in Schenkenzell. Diese macht unter anderem Seo-Optimierung, erstellt Podcasts und Betriebsanleitungen. Sie haben bereits einen ähnlichen, aber kleineren Hof hergerichtet. "Aber einen solchen Hof habe ich noch nie gemacht", gibt Michael Reimold zu.

Darum haben die Beiden den Martinshof gekauft:

Das Paar ist seit dem 1. September der Besitzer des Martinshofs. Anfang Oktober war die offizielle Schlüsselübergabe von Fischerbachs Bürgermeister Thomas Schneider. Und das ist wörtlich zu nehmen. Die Reimolds bekamen einen riesigen Bund mit für heutige Verhältnissen überdimensionalen Schlüsseln. Aber so sahen die Schlüssel früher eben aus, weiß Michael Reimold, und es passe zu dem Gebäude. "Ich hatte immer im Kopf, so einen Hof zu kaufen", sagt Michael Reimold. Er sein ein freiheitsliebender Mensch und auch wenn er sich im Klaren sei, dass ein solcher Hof eine Verpflichtung darstelle, könne er andererseits mit ihm Dinge ausleben und ausprobieren, die er sonst niemals möglich wären. Das alte Gebäude sehe er außerdem als Herausforderung. Seine Frau Regina erklärt, sie habe bereits beim ersten Besuch gespürt "das ist Michaels Ding. Und wenn er das will, mache ich das mit", sagt sie. Da sie gelernte Grafikerin ist und von Bauarbeiten nicht viel verstehe, sehe sie ihre Rolle als die einer Unterstützerin, die sich überall da, wo es ihr möglich ist, mit einbringt. Aber auch sie habe gemerkt, dass der Hof sie emotional berühre. Oder, wie ihr Mann es ausdrückt: "Sie hat sich in den Martinshof verliebt." "Das stimmt. Dieses Ensemble, dieser stimmige Eindruck – das ist einfach etwas Besonderes", schwärmt Regina Reimold.

Das sind ihre Ideen für den Martinshof:

Regina Reimold könnte sich gut vorstellen, die Hofgeschichte in irgendeiner Form aufzubereiten. "Ich will die Schwarzwaldgeschichte rüberbringen", sagt sie. Sie könne sich zum Beispiel einen Informationspfad ums Haus vorstellen. Damit will sie der Gemeinde Fischerbach etwas zurückgeben. Das will das Paar auch in Bezug auf die zum Martinshof gehörigen Kapelle. Auch sie soll der Bevölkerung wieder zur Verfügung gestellt werden, zum Beispiel für Hochzeiten. Viele Fischerbacher hätten da schon Interesse bekundet. "Die Kapelle haben wir vollkommen unterschätzt", gibt Michael Reimold zu. Auch die Mühle des Martinshofs soll restauriert und das fehlende Mühlrad ersetzt werden. Die Mühle soll keine Privatangelegenheit werden. "Wir könnten aus ihr eine Schaumühle machen und bei einem Mühlentag einmal pro Jahr besucht werden", überlegt Michael Reimold. Insgesamt wollen die Reimolds den Martinshof nahbar machen. Auch für touristische Zwecke soll der Hof verwendet werden. Michael Reimold spricht von kleinen Übernachtungseinheiten, "Schwarzwald-Charlets". Aber: "Wir wollen keinen übertriebenen Tourismus", betont Regina Reimold. Der bestehende Pferdestall soll bestehen bleiben, aber ein wenig vom Haus weg versetzt werden. Auch die Tiere könnten zum Wohl des Hofs und der Allgemeinheit verwendet werden. Michael Reimold schwebt da zum Beispiel pferdegestütztes Coaching, vielleicht für Führungskräfte, vor. Im März des kommenden Jahres sollen alle Ideen, die sie haben, zusammengetragen werden.

Die Fischerbacher sind sehr interessiert an dem Vorhaben:

"Da wir im Außenbereich liegen, brauchen wir für alles die Zustimmung des Regierungspräsidiums. Die Zusammenarbeit mit diesem gestalte sich bisher gut; auch vom Fischerbacher Gemeinderat bekommt das Paar 100-prozentige Zustimmung für die Entwicklung des Martinhofs. Aufgrund der guten Anbindung gebe es zwar viel Verkehr am Hof vorbei, aber andererseits würden viele Leute auch einfach anhalten und sich nach dem, was die Reimolds vorhaben, erkundigen. "Es gibt immer noch Nachfahren der letzten Bewohner im Dorf", weiß Regina Reimold. Auch wenn die Reimolds Hilfe brauchen, sind die Fischerbacher nur zu gern bereit zu helfen.

Momentan sind sie dabei, den Bestand zu sichern: Aufgrund ihrer Erfahrungen mit dem bereits hergerichtetem Hof haben die Reimolds bereits einen bewährten Handwerkertrupp an der Hand. Denn im Alleingang können und wollen die beiden nicht machen. "Da, wo wir unterstützen können, machen wir es", betont Regina Reimold und ihr Mann ergänzt: "Ich kann schon einiges. Meine Begabung aber ist es, Wissen zu vermitteln. Ich sehe mich als eine Art Mentor." Momentan sind sie dabei, den Bestand des Hofs zu sichern. Das Dach soll aus diesem Grund als erstes hergerichtet werden. Dann gibt es auf dem weitläufigen Hof und in den vielen Zimmern noch einiges zu entdecken. Wer weiß, welche Überraschungen er noch bereit hält und was sich mit ihnen anfangen lässt.

Da Regina und Michael Reimold die Geschichte des Hofs aufarbeiten wollen, suchen sich noch Quellen. Wer solche hat, kann sich bei den Reimolds melden. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.martinshof-einbach.de.

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