Fischerbach Gremium ist gegen Kaltwärme-Netz

Nachdem einst die Schlingnatter den Fortschritt des Baugebiets Oberer Wiesenrain bedrohte, soll ein Kaltwärmenetz für keine weitere zeitliche Verzögerung sorgen. Foto: Dorn Foto: Schwarzwälder Bote

Soll für das Baugebiet "Oberer Wiesenrain" ein Nahwärmekonzept entwickelt werden und – wenn ja – welche Technik soll zum Zuge kommen? Mehr als zweieinhalb Stunden debattierte der Fischerbacher Rat am Montagabend zu diesen beiden Fragen.

Fischerbach. "Kalte Nahwärme für die Sonnenterrasse" hätte die schöne Schlagzeile lauten können und gleich zwei Anbieter stellten dazu in der Sitzung ihre Konzepte vor.

Der erste Denkanstoß in der Sitzung kam aber aus den Reihen der Zuhörer. Eckhard Schmieder nutzte das Rederecht in der Frageviertelstunde, um für die Variante einer Nahwärme-Versorgung über eine Hackschnitzel-Anlage nachzudenken. "Wir ersticken im Abfallholz", so Schmieder. Der Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen aus dem Fischerbacher Wald solle zumindest für die Nahwärmeversorgung der öffentlichen Gebäude in der Ortsmitte in Betracht gezogen werden.

Hackschnitzel sind nicht wirtschaftlich

Ingenieur Stefan Schlachter von der Energiedienst Hochrhein hatte diese Planungsvariante vorbereitet, musste die Hoffnungen der Waldbesitzer aber schnell enttäuschen. Ein Nahwärme-Konzept basierend auf Hackschnitzel-Verfeuerung allein für die öffentlichen Gebäude könne trotz der geringen Leitungslänge derzeit technisch nicht wirtschaftlich betrieben werden, hier müssten schon weitere Hausanschlüsse mit dazu genommen werden. Schlachter hatte drei Varianten durchgerechnet. Diese unterschieden sich in den Jahreskosten um etwa 200 Euro – ein Differenzbetrag, der zu vernachlässigen sei. Entscheidend sei das Konzept oder die Vision, die die Verwaltung für Fischerbach entwickeln wolle.

Ein Kaltwärme-Netz sei für die Lage des "Obereren Wiesenrain" die optimale Lösung, allerdings sollte die Verwaltung darauf drängen, den Großteil der Baukosten für das Netz als Baukostenzuschuss in die Erschließungskosten mit einzurechnen. Dies erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass die Bauherren dann den Hausanschluss auch nutzen würden und die Gemeinde wäre finanziell auf der sicheren Seite. Für diesen "bequemen" Fall müsse der Betrieb des Kalt-Wärme-Netzes aber ausgeschrieben werden, was sicherlich zu einem weiteren Zeitverzug von einem halben Jahr führe.

Den Zeitaspekt im Blick hatten auch die beiden Geschäftsführer der Stadtwerke Bühl, die ihr bereits in Gutach-Bleibach im Elztal erprobtes Konzept eines Kaltwärme-Netzes mit Eisspeicher bewarben. Das Netz mit Eisspeicher vereine viele Vorteile in einem innovativen Konzept. Auf den Umstand, dass die Leistung der Errichtung und des Betriebs eines solchen Netzes ausgeschrieben werden müsste, gingen die Referenten nur insofern ein, als keine Baukostenzuschüsse erhoben würden.

Bedenken hinsichtlich der Preisstrukturen

"Wir errichten und betreiben die Anlage", die Gemeinde müsse dann mit privatrechtlichen Verträgen dafür sorgen, dass alle Hausanschlüsse auch weiterverkauft und genutzt werden. "Ihr Wassermeister kann sogar die PE-Rohre selbst verlegen". Die Bühler Geschäftsführer hatten ihre Hausaufgaben gemacht.

Hinsichtlich der Preisstruktur meldete Georg Schmid (CDU) Bedenken an, wird doch auf jegliche Verbrauchsmessungen verzichtet und der Preis richtet sich allein nach der Wohnfläche. "Die Witwe im selbst genutzten Drei-Familienhaus zahlt dann genau so viel wie drei Familien zusammen in einem Objekt derselben Größe?" Dies sei eben dann ein eher genossenschaftlicher Gedanke, so die Antwort der beiden Geschäftsführer.

Tanja Spothelfer (Freie Wähler) berichtete von Interviews mit Hausbesitzern in der Bleibacher Mustersiedlung. Diese hatten deutlich höhere Rechnungsbeträge für die Haustechnik vermeldet und bekannt, dass sie mit dem Wärmekonzept zwar zufrieden seien, sich aber doch für das eigene Haus lieber eine freie Wahl über die Heizungstechnik gewünscht hätten.

Bürgermeister Thomas Schneider sah sich ob dieser und weiterer Wortmeldungen aus der Fraktion der Freien Wähler bemüßigt, noch einmal daran zu erinnern, dass ein "Weiter so wie früher" angesichts des Klimawandels "kein zeitgemäßes Verhalten mehr für einen Gemeinderat" sei.

Die Entscheidung fiel nicht zuletzt wegen einer drohenden weiteren Verzögerung, hatte Norbert Iseler von der mit der Erschließung beauftragten Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) doch auf Nachfrage berichtet, dass die Erschließungstrupps in den Startlöchern stünden. Mit sechs Gegenstimmen und einer Enthaltung wurde der Antrag, für den "Oberen Wiesenrain" ein Kalt-Wärmenetz zu beschließen, abgelehnt.

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