Fischerbach Brandenkopfhalle wird zur Mailänder Scala

Das Jugendorchester Hausach-Fischerbach eröffnete das Konzert in der Brandenkopfhalle. Foto: Dorn Foto: Schwarzwälder Bote

Langanhaltender Applaus ist am Samstag in der Brandenkopfhalle erklungen: Mit einem Konzert voller Jubelklänge verabschiedete die Musik- und Trachtenkapelle Fischerbach ihr langjähriges Mitglied Fritz Maier in den musikalischen Ruhestand.

Fischerbach. Das Jugendorchester Hausach-Fischerbach eröffnete den Reigen der Jubelarien mit Höhepunkten aus dem Film "La La Land", orientalischen Postkarten aus dem Orient-Express, dem Marsch "The Fairest of the Fair" und einem Medley der schönsten Songs der Rockgruppe Queen. Bei der Musik ihrer Eltern war den 29 Jugendlichen der Spielspaß förmlich anzusehen: "We will rock you", "Bohemian Rhapsody" und "We are the champions" wurden meisterhaft interpretiert.

Den Pathos großer Melodien der 70er-Jahre übernahm Dirigent Bernhard Münchbach mit der Hauptkapelle gerne, galt es doch, den Reigen der Jubelklänge nicht abreißen zu lassen. Korngolds "Kings row fanfare" intonierten die Posaunen kraftvoll.

Deutlich ruhiger ging es im "Andante" des schwedischen Komponisten Lindberg zu, das Bernhard Münchbach für Oboe und Blasorchester neu arrangiert hatte. Glockenspiel und das feine Oboen-Solo von Nora Schmider verschmolzen zu einer neuen Orgel-Architektur.

Für den Abend der Jubelklänge hatte Bernhard Münchbach Edward Elgars Krönungsmarsch "Pomp and circumstance" mit dem Arrangement des Niederländers Henk van Lijnschooten aufpoliert. Heraus kam ein gleichermaßen wuchtiges wie melodisches Meisterstück symphonischer Blasmusik – an vielleicht neun von zehn Jahreskonzerten der Höhepunkt, aber dafür hatten sich die Musiker noch zwei andere Stücke auserkoren.

Christine Hoffmann singt Puccinis "O mio babbino caro"

Nach der Pause wartete auf die Musiker das wohl schwerste Stück des Abends. Moderatorin Edith Roth wusste nicht nur für ihr Posaunenregister von ständigen Tonart, Takt- und Tempowechseln zu berichten: Die vier Sätze der "St. Paul’s Suite" hatten in den Proben Dirigent und Kapelle manchen Kraftakt abgefordert. Nach "Jig", "Ostinato" und einem halbwegs erholsamen "Intermezzo" verhieß die Zielgerade für alle Register Akkordarbeit. Als die Holzbläser atemtechnisch bereits auf dem sprichwörtlich letzten Loch angelangt waren, übernahm die treue Tuba das Melodiethema – besser kann ein Komponist das Mannschaftsspiel im Blasorchester nicht in Szene setzen.

Im Stück "Perlen" konnte sich die Kapelle bis auf drei Trompeter (einer davon am Dirigentenstab) ein wenig erholen. Niklas Summ und Martin Schmieder reduzierten die Gattung Polka auf ihre zwei Solotrompeten. Dirigent Münchbach, selbst aktiver Trompeter, leitete die beiden perfekt an und das Publikum sparte nicht mit Beifall für die schöne Solo-Leistung.

Die schönsten Konzertminuten hatte sich die Trachtenkapelle für den Abschied ihres Posaunisten Fritz Maier aufgespart: Mit der Arie "O mio babbino caro" (O mein lieber Papa) aus der 1918 uraufgeführten Puccini-Oper "Gianni Schicchi" versüßte Christine Hoffmann in reinstem Sopran ihrem Vater Fritz nach 24 Jahren in der Fischerbacher Kapelle den Eintritt in den musikalischen Ruhestand. Gestik, Mimik und natürlich ihr Gesang waren einer wahren Operndiva würdig, für kurze Zeit fühlte man sich aus der Brandenkopfhalle in die Mailänder Scala versetzt.

Mit dem Schlussstück "West Side Story" blieb die Trachtenkapelle zu Ehren des 100. Geburtstags des großen Leonard Bernstein gleich auf Augenhöhe mit den großen Musical- und Opernbühnen der Welt. Mit dem Klassiker "I want to be in America" und vielleicht noch mehr den enervierenden Schlagzeugsoli am Ende bewiesen die MMusiker nach dem langen Konzertabend noch ein bewundernswerte musikalisches Stehvermögen.

Mit lang anhaltendem Applaus forderten die Zuhörer zwei Zugaben ein, die mit dem japanischen Marsch "Chagu chagu" und dem Weihnachtslied "Cantique de Noel" auch gerne gewährt wurden.

Für den  "Cantique" wechselten Hornist Martin Schmieder, Trompeter Eric Bubolz und die beiden Klarinettistinnen Melanie Lehmann und Lena Faisst zum Gesang und erfüllten sich den Traum, einmal mit einer Operndiva gemeinsam am Mikrofon zu stehen.

Noch ganz am Anfang ihrer Musikkarriere in der Trachtenkapelle stehen Tabea Isenmann, Johanna Walter (beide Klarinette) und Marianne Schöner (Querflöte). Die drei spielten ihr erstes Jahreskonzert. Siegfried Kwiatkowski (Posaune) bestritt für seine neue Kapelle ebenfalls sein erstes Jahreskonzert.