Europa-Park-Chef gratuliert zum 70. "Wolfgang Müller ist eine Marke"

Von Felix Bender

70 Jahre Wolfgang G. Müller: Beim Geburtstagsempfang für den Alt-OB gab’s nicht nur warme Worte, sondern auch allerhand Unterhaltsames. Von einem verspäteten Laudator, einem Zigaretten-Schnorrer – und einem großen Menschenfreund.

Lahr. - 22 Jahre, von 1997 bis 2019, lenkte Wolfgang G. Müller die Geschicke der Stadt Lahr. Seine Geburtstagsfeier geriet zu einem Symbol für seine Amtszeit: Nicht immer lief alles nach Plan, am Ende sollten die Aufs die Abs aber deutlich überwiegen. Und nach dem offiziellen Teil hatte der Jubilar ein beseeltes Dauerlächeln im Gesicht.

Gästeliste: Es wären sicher gerne deutlich mehr gekommen, als Corona es zuließ, um dem einzig lebenden Ehrenbürger der Stadt die Ehre zu erweisen. Knapp 70 Weggefährten, (Mit-)Streiter, Ex-Kollegen und Freunden war es vorbehalten, dem Jubilar am Donnerstagabend im Parktheater eine große Bühne zu bereiten. Natürlich an der Seite des nun 70-Jährigen: seine Frau Elke Oberg und seine Tochter Leandra.

Von OB zu Alt-OB: Müllers Nachfolger an der Rathausspitze, Markus Ibert, hatte im Namen der Stadt zum Empfang eingeladen – und ließ es sich nicht nehmen, seinen Vorgänger zu würdigen: "Von dem Moment an, in dem er beschloss, ihr als Oberbürgermeister zu dienen, sah er sich im Großen wie im Kleinen in der Pflicht, der Stadt Bestes zu suchen. Uns soll das als Vorbild gereichen." Starke Worte von OB zu Alt-OB.

Alte Vertraute: Eberhard Roth, ein noch größeres Lahrer Polit-Urgestein, als Müller selbst, gratulierte dem Geburtstagskind im Namen des Gemeinderats. Dessen Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung sei in der Ära Müller stets so "gut, offen und ehrlich" gewesen, dass daraus Freundschaften entstanden seien. Auch als Botschafter habe sich der Alt-OB profiliert: "Sie haben den Namen Lahr/Schwarzwald positiv in die Welt getragen." Deshalb, so Roth, sei man froh, dass sich der Ehrenbürger in der Stadt "weiterhin gesellschaftlich engagiert".

Verspätete Laudatio: Vor dem Empfang hatte seine Identität für Rätselraten gesorgt, währenddessen brachte der Laudator die Verantwortlichen ins Schwitzen: Roland Mack kam und kam einfach nicht. Aus der Not heraus wurden Reden länger und Musikstücke mehr. Es hatte eine Kommunikationspanne gegeben, sollte sich später herausstellen: Im Kalender des Europa-Park-Chefs war die Geburtstagsfeier um 18 Uhr, statt um 17 Uhr eingetragen. Doch das Warten sollte sich lohnen. Macks Rede auf Müller geriet kurzweilig, aufrichtig, herzlich – und war gespickt mit zahlreichen Anekdoten über gemeinsame Erlebnisse. Müller, erklärte dessen zwei Jahre ältere Weggefährte, hätte "auch der Oberbürgermeister des Europa-Parks sein können", weil er das Mack’sche Motto verkörpere wie kaum ein anderer: "Man muss Menschen mögen." Der ultimative Ritterschlag durch den Erfolgsunternehmer: "Wolfgang Müller ist eine Marke geworden."

Plädoyer des Jubilars:  Sichtlich bewegt, aber ohne ein Fünkchen seiner Schlagfertigkeit eingebüßt zu haben, dankte Müller den Rednern und Gratulanten ("Ich bin froh, glücklich und gerührt"), um gleich darauf zu ein flammendes Plädoyer für die Kommunalpolitik und insbesondere deren Akteure zu halten: Er bedauere sehr, wie "schäbig und abwertend" teilweise über dieses Engagement gesprochen werde, so Müller. Dabei gebe es nichts Nobleres, als den "Einsatz für das Gemeinwohl, weshalb er sich "immer zum Wohle der Stadt einsetzen" werde. "Ich will mich dem Titel des Ehrenbürgers würdig erweisen." Langweilig, berichtete der Jubilar, sei es ihm in seinem immerhin schon zwei Jahre währenden Ruhestand noch nicht geworden, auch dank seiner weiterhin vielfältigen Aufgaben, etwa als Vorsitzender der Bürgerstiftung. "Ich verkläre nicht die guten, alten Zeiten."

Kreative Präsente: Der Gemeinderat hatte für Müller "Wein in der ortsüblichen Menge" mitgebracht – also viel; von der Stadt gab’s einen Zehn-Jahres-Gutschein für das Kulturprogramm der Stadt – also lange; Roland Mack überreichte unter anderem ein goldenes Stehaufmännchen des Künstlers Ottmar Hörl – also wertvoll. Ein Präsent mit einem dicken Augenzwinkern hatte sich OB Ibert einfallen lassen. Es ist kein Geheimnis, dass sich Müller ab und an ein Zigarettchen gönnt – und ebenso wenig, dass sich sein Nachfolger gerne eine von ihm schnorrt. "Deshalb habe ich dir hier ein Päckchen Roth-Händle, um zumindest einen Teil meiner Schulden zu tilgen."

Passender Rahmen: Lehrer der Städtischen Musikschule sorgten für auflockernde Klänge zwischen den Reden und nach dem Empfang. Dabei tat sich besonders Rainer Lenz als Sänger und Pianist hervor. Brillant brachte er Evergreens wie John Lennons "Imagine", die "Roten Rosen" von Hildegard Knef oder den Hit der Toten Hosen "An Tagen wie diesen" zu Gehör. Nach dem offiziellen Teil – bei Leckereien vom Eventhaus Vetter und guten Tropfen des Weinguts Wöhrle – wünschte sich der Jubilar Letzteren übrigens noch einmal: "Passt doch perfekt!"

Info - Zur Person

Wolfgang G. Müller wurde 1951 in Bruchsal geboren. Nach Sudium und Promotion an der Uni Konstanz ging er nach Lateinamerika, war dort unter anderem Wirtschaftsattaché an der deutschen Botschaft in Brasilia. 1997 wurde er im zweiten Wahlgang zum Lahrer OB gewählt, 2005 und 2013 wiedergewählt. 2019 musste er das Amt wegen der damals geltenden Altersgrenze abgeben.

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