Ettenheimmünster Die Klangfülle kommt zur Geltung

Zum achten Konzert hatte die Kirchengemeinde Ettenheim im Rahmen des 250. Geburtstag der Silbermann-Orgel geladen. Die Besucher bekamen dabei barocke Lebensfreude und italienischen Schwung in der St. Landelin-Kirche geboten.

Ettenheimmünster. Auch strömender Regen konnte etwa 260 Zuhörer nicht davon abhalten, die vielen Bänke der Wallfahrtskirche St. Landelin komplett zu belegen. Angelockt hatte sie ein Konzert von Bernhard Kratzer und Organist Paul Theis im Rahmen des laufenden Jahresprogramms zur Geburtstagsfeier der hiesigen Silbermann-Orgel. Die ist nun 250 Jahre alt geworden, und deshalb hatte die Katholische Kirchengemeinde Ettenheim zum mittlerweile achten Konzert eingeladen.

Theis kennt die berühmte Orgel längst von früheren Konzerten mit seinem Trompeten-Partner Kratzer, immer wieder treten sie gerne auch hier auf. Zum Einstieg präsentierten sie das von ihnen für die beiden Instrumente bearbeitete Konzert D-Dur von Heinrich Stölzel. Der hatte zu Johann Sebastian Bachs Lebenszeit einen hervorragenden Ruf als Barockkomponist.

Schon hier brillierte Kratzer mit dem Kammermusik- Stück in höfischem Schwung, besonders bei zwei temporeichen Allegros mit virtuoser, makelloser Klangreinheit. Theis, nicht minder überzeugend, hatte zur kraftvollen Begleitung manche Register zu ziehen.

Duo harmoniert prächtig zusammen

Damit kam die Klangfülle der Silbermann-Orgel ebenfalls prächtig zur Wirkung, etwa zwischen feierlichem Prélude und dreistimmigem Tierce en Taille. Mozarts berühmt getragenes Gotteslob "Laudate Dominum" hatten Kratzer und Theis für Corna da caccia (Waldhorn) und Orgel bearbeitet und ergreifend dargeboten. Dass Mozarts höchst beschwingtes Klavierkonzert- "Rondo D-Dur" auch per Orgel munter und quirlig klingt, samt hohem Tempo, stellte Theis trefflich unter Beweis. Silbermann hätte sich mit Sicherheit sehr gewundert, was aus seiner großen Orgel mit hoher Virtuosität an klassischer Lebensfreude herauszuholen ist.

Das Duo präsentierte eine überarbeitete Fassung der Heldenmusik von Georg Friedrich Telemanns, in ausgewählten fünf Sätzen, von Würde über Großmut bis zu Tapferkeit und Freude. Majestätisch würdevoll bis zu barockem Triumph: Auch da harmonierten Kratzer und Theis prächtig. Seit 1997 konzertieren der Trompeter des Stuttgarter Staatsorchesters und der ebenso renommierte freischaffende Organist, Dirigent und Oratoriensänger gemeinsam auf Musikbühnen.

Mit Henry Purcells barocker "Suite für Trompete und Orgel" setzte das Duo noch ein Fünfsatz-Meisterwerk des Zusammenspiels drauf, feierlich kurzem Entree, fröhlichem Marche, gemessenem Menuet et Sicilienne, sodann höfischem Prélude und quirlig-barocker Ronde. Auch hier überzeugte Kratzer mit makelloser Technik samt Ausdruckskraft, Theis nicht minder.

Zuvor hatte der noch ein "Versetti per il Gloria" des einstigen Orgelvirtuosen Vincenco Antonio Petrali präsentiert, unverkennbar vom italienischen Opern-Belcanto geprägt, wie sein freikämpferischer Zeitgenosse Giuseppe Verdi. Munterer ging es nicht mehr auf der Silbermann-Orgel. Auch darüber hätte deren einstiger Erbauer höchst gestaunt. Auch die Zuhörerschaft staunte in der ehrwürdigen St-Landelins-Kirche.

Nach langem Schlussapplaus wurde am Ende auch eine Zugabe fällig, bevor sich das gut unterhaltene Publikum auf die Ausgangssuche nach seinen Regenschirmen begab.

Am Sonntag, 22. September, findet um 9.30 Uhr in Ettenheimmünster ein Festgottesdienst zum Patrozinium des heiligen St. Landelin samt Chören und Silbermannorgel statt. Auch da wird die Reliquien-Büste des irischen Missionars abermals öffentlich gezeigt. Ebenso findet am 20. Oktober im Rahmen des Silbermann-Jubiläumsjahres mit dem erzbischöflichen Freiburger Musikdirektor Bernhard Klär an der berühmten Orgel ein Konzert statt.

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