Ettenheimmünster Betreiber von Wetterstation: Jahreszeit ist nicht zu heiß

Auch am Kaiserberg knallte die Sonne in den vergangenen Wochen vom Himmel. Doch anders als es viele vermuten, ist der aktuelle Sommer keineswegs ein Hitzesommer. Nur wenige Tage hatten mehr als 35 Grad. Foto: Decoux-Kone

Ettenheimmünster - Die Sommer-Gluthitze nimmt kein Ende: Nur moderat sollen die Temperaturen fallen. Für Stefan Ohnemus, der seit mehr als drei Jahrzehnten mit seiner Station in Ettenheimmünster das Wetter in Zahlen fasst, steht jedoch fest: Auch wenn es viele Hitzegeplagte meinen, dieser Sommer ist bislang nicht mit dem Jahrhundert-Sommer 2003 vergleichbar. Im Interview erklärt er, warum.

 

Herr Ohnemus, haben Sie heute Morgen schon einen Blick auf Ihren Thermometer geworfen?

Ja, da schaue ich jeden Morgen drauf. Wir hatten überhaupt noch keine tropische Nacht mit über 20 Grad in Ettenheimmünster in diesem Jahr. Die Temperaturen waren noch sehr angenehm heute morgen mit 17 Grad.

Die Hitze, die im Laufe des Tages aber entsteht, empfinden viele als zu heiß. Wie schätzen Sie die Temperaturen ein?

Er ist zu warm, aber nicht zu heiß. Wir haben bis jetzt keinen Hitzesommer. Wenn es aber so weitergeht, kratzen wir, was die Sonnentage anbelangt, am Jahrhundert-Sommer 2003. Bei den Hitzetagen gibt es aber keine Chance, dass wir an den Rekord von 2003 herankommen.

Wo man sich umhört, es gibt im Moment wohl niemanden, der nicht über die Gluthitze klagt.

Die Leute meinen nur, dass es so heiß ist. Die Zahlen geben ein anderes Bild ab. Vergleichbar ist der aktuelle Sommer mit dem Jahrhundert-Sommer nur, wenn man die Sommertage mit mindestens 25 Grad anschaut. Das waren 2003 genau 101 Tage in Ettenheimmünster. 2018 sind es bis zum 9. August 74 Sommertage. Wenn der August und September noch sonnig werden ist es realistisch, dass wir an den Jahrhundert-Sommer herankommen.

Bei den Hitzetagen kommen wir aber bestimmt an den Jahrhundert-Sommer von 2003 heran.

Das sieht ganz so aus. Ein Hitzetag hat mindestens 30 Grad. Davon habe ich an meiner Wetterstation dieses Jahr bisher 21 aufgezeichnet, während es 2003 ganze 37 gewesen sind. Dieser Sommer ist nicht so extrem. Auch der Sommer 2015 war heißer mit 37 Hitzetagen. An einen Jahrhundert-Sommer kommen wir hier in Süddeutschland bei Weitem nicht heran.

Dann ist das aktuell bestehende Klima also eher typisch für unsere Region?

Ja, es ist definitiv für den Süden Deutschlands ein typischer Sommer: Zu warm, aber nicht zu heiß.

Sie messen auch die Pegelstände von Lauten- und Brettenbach. Hat die Trockenheit schon Auswirkungen gezeigt?

Falls es in den nächsten Wochen nicht groß regnet, können wir an die Pegelstände von 2003 herankommen.

Wie wird sich das Wetter in den kommenenden Wochen entwickeln?

Es wird zwar etwas kühler, aber mit etwa 30 Grad werden die Temperaturen auf hohem Nievau bleiben.

Wie zuverlässig sind Vorhersagen, die so weit im Voraus gemacht werden?

Das kommt auf die Großwetterlage an. Wenn es ein riesengroßes Hochdruckgebiet über Europa gibt, so wie aktuell, kann man das Wetter auch ein bis zwei Wochen im Voraus vorhersagen. Ansonsten sind Vorhersagen für drei bis sechs Tage sehr zuverlässig.

Wie wahrscheinlich ist es, dass es in den nächsten Wochen zu Gewittern und Unwettern kommt?

Das ist schwer zu sagen, weil Unwetter sehr regionale Wetterereignisse sind. Den einen trifft’s, den anderen nicht. Sicher ist aber, dass in den vergangenen Jahren die extremen Wetterereignisse zugenommen haben und es sieht nicht danach aus, dass sich das in Zukunft ändert. Für Ettenheimmünster sind für dieses Jahr bis jetzt schon beachtliche 32 Gewitter dokumentiert. Im Rekordjahr 1994 waren es 41 über das gesamte Jahr verteilt.

Heißt das auch, dass dieses Jahr die Niederschlagsmengen deutlich größer geworden sind?

Nein, das kann man so nicht sagen, Niederschläge kommen ja nicht nur von Gewittern. Bis zum 31. Juli dieses Jahres habe ich 513 Milimeter Regenwasser pro Quadratmeter gemessen. Wenn man den Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre nimmt, dann sind das gute 60 Liter pro Quadratmeter weniger. Aber auch hier gibt es starke Unterschiede. Schon wenige Kilometer weiter kann es viel mehr oder viel weniger geregnet haben.

Wird es in Zukunft häufiger Sommer geben, die zu warm oder zu heiß sind?

Ich kann es mir nicht vorstellen, dass wir jedes Jahr einen zu warmen oder zu heißen Sommer haben. Mit endgültiger Sicherheit kann man seriöse Vorhersagen so weit im Voraus aber auf keinen Fall treffen.   Die Fragen stellte Alexander Kauffmann

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