Ettenheimer Musiksommer Musikalische Sehnsucht nach dem Süden

Michael Masson
Die Kammer-Solisten Zug begeisterten mit verschiedenen Interpretationen zu Goethes Gedicht "Kennst du das Land, wo die Zitronen blüh‘n". Quelle: Unbekannt

Die schweizerischen "Kammer-Solisten Zug" haben den mittlerweile 14. Musiksommer der Ettenheimer Musikfreunde eröffnet.

Mahlberg (mm). Die schweizerischen "Kammer-Solisten Zug" sind in der Barockstadt längst keine Unbekannten mehr. Nun eröffneten sie dort den mittlerweile 14. Musiksommer der Ettenheimer Musikfreunde im Rathaus-Bürgersaal. Ihr neues Thema: "Kennst du das Land, wo die Zitronen blüh‘n".

Das berühmte Goethe‘sche Gedicht von 1797 hatte – auch unter dem Titel "Mignon" – zahlreiche Komponisten zu Vertonungen gereizt. Doch zuvor präsentierte sich die Gruppe der renommierten Schweizer mit dem Quartett Nummer drei von Luigi Boccherini aus dem 18. Jahrhundert. Der gebürtige Italiener wusste natürlich am besten, dass im sonnigen Süden alles besser ist – und das im klassischen Musikstil auszudrücken. Schon dort brillierten Isabelle Schnöller (Querflöte), Etele Dósa (Klarinette, Jean Francois Taillard (Horn) und Stefan Buri (Fagott). Letzterer ist auch künstlerischer Leiter des professionellen Zuger Gesamtensembles.

Später folgte Boccherinis temperamentvolles, teils quirlig-schnelles dreisätzige Quartett in F-Dur – ebenfalls im perfekten Zusammenspiel. Dazu hatte Stefan Buri zuvor einige Erläuterungen gegeben, samt ausgewählten Beispiel-Passagen, wie auch bei den folgenden Klassikern.

Auch Ludwig van Beethoven höchstselbst hatte die drei Strophen des Goeth’schen Gedichtes vertont.

Allerdings konnte Beethoven noch nicht ahnen, dass sich zum neuen Arrangement der Zuger auch noch Anne-Maria Hölscher am Akkordeon gesellte – eine spannende und gelungene Bereicherung – ebenso wie bei den folgenden Stücken "An Mignon" und "Mignon" des frühen Romantikers Franz Schubert. Dieser hatte sogar noch zu Lebzeiten seine Kompositionen dem Dichterfürsten Goethe zugesendet – allerdings von diesem nie eine Antwort bekommen. Schade, denn Schuberts teils schwermütig-melancholische Zitronen-Impressionen bleiben ausdrucksstark im Gedächtnis. Sehnsucht nach dem Süden eben! Auch dort begeisterte das zum Quintett erweiterte Ensemble. Schließlich setzte das Quintett mit Johann Strauss II (dem Sohn des Walzerkönigs) noch einen weiteren Genuss-Höhepunkt drauf. Auch der hatte Goethes Gedicht später vertont – im unterhaltsamen Dreivierteltakt mit gelegentlichen Anklängen an Ländler-Musik.

Das begeisterte Musiksommer-Publikum erklatschte sich dann noch eine gerne gegebene Zugabe: einen beschwingten Alpen-Walzer zum Heimgehen – mit klassischem Horn als prächtigem Alphorn-Ersatz.

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