Ettenheim Werden Sozialbauten auf Eis gelegt?

Der Siegerentwurf für das Bauprojekt in den Supperten: Geht es nach der Ettenheimer Verwaltung wird er erst einmal nicht umgesetzt.Illustration: WWG-Architekten Foto: Lahrer Zeitung

Anders als geplant sollen im Baugebiet Supperten I zumindest vorerst keine Wohnungen für sozial schwache Menschen entstehen. Die Ettenheimer Verwaltung will einen entsprechenden Beschluss des Gemeinderats aufheben. Ein Grund: Corona.

Ettenheim. Das ausgemachte Ziel der Stadt, den sozialen Wohnungsbau in Ettenheim voranzubringen, erfährt wohl einen herben Dämpfer. Nachdem die eigens gegründete Stadtbau-Gesellschaft beim Sportplatz in Ettenheimweiler bereits ein erstes Projekt umgesetzt hat, sollte es nun ein weiteres im Quartier Supperten geben. Dazu hatte die Stadt im vergangenen Jahr einen Planungswettbewerb ausgerufen. Von 56 Bewerbern aus ganz Europa setzte sich das Büro WWG-Architekten aus Biberach, unterstützt von Isenmann-Ingenieure aus Haslach und dem Hausacher Ingenieurbüro Lehmann, durch. Indes scheint es nun so, als seien die Mühen und bisherigen Planungen umsonst gewesen.

"Trotz der großen Unterstützung des 1. Preisträgers konnte die zum Ziel gesetzte Wirtschaftlichkeit eines sozialen Wohnungsbaus nicht erreicht werden", heißt es aus dem Rathaus – ohne, dass genaue Zahlen genannt werden. Angesichts der finanziell schwierigen (Corona-)Zeiten hält die Verwaltung eine Realisierung unter diesen Umständen "nicht für vertretbar, weshalb vorgeschlagen wird, die Investition in der bisher vorgesehenen Form nicht zu tätigen und somit das Verfahren aufzuheben".

Im Westen der Stadt, nördlich des neuen Kindergartens, sollten neben Wohnungen für Familien auch kleinere Apartments für junge Singles und alleinstehende Senioren unter 50 Quadratmetern entstehen, allesamt barrierefrei und zu bezahlbaren Mieten. Dazu hat der Gemeinderat im vergangenen Jahr extra den Bebauungsplan für das rund 1,34 Hektar große Baugebiet Supperten I geändert. Dieser ließ bis dato lediglich Mehrfamilienhäuser zu. Der Siegerentwurf des Büros WWG sah zwei Baukörper mit einem Grünbereich im Innern als Begegnungsort vor.

Bisherige Kosten liegen bei 65 000 Euro

Ob das Vorhaben zu einem späteren Zeitpunkt wiederbelebt wird, teilt die Verwaltung nicht mit. "Für den Preisträger besteht kein Anspruch auf Durchführung der Baumaßnahme", heißt es nur. Bislang hat die Stadt für Verfahrenskosten und ausgezahlte Preisgelder insgesamt 65 000 Euro investiert.

Die Rathausspitze hatte angesichts explodierender Immobilien- und Mietpreise stets die Bedeutung von Wohnungen für den dünnen Geldbeutel betont. Vor allem Ältere, so Bürgermeister Bruno Metz einst in diesem Zusammenhang, hätten nach dem Tod des Partners das Bedürfnis nach kleineren Wohneinheiten. Dem wolle man in den Supperten nachkommen.

Der Ettenheimer Gemeinderat befasst sich bei seiner Sitzung am kommenden Dienstag, 30. Juni, ab 19 Uhr in der Stadthalle mit dem Thema.

Die Urheber des Siegerentwurfs zum Sozialbau in den "Supperten I" sind keine Unbekannten in Ettenheim. WWG-Architekten setzten sich bereits beim Planungswettbewerb zur Erweiterung des Städtischen Gymnasiums durch. 2015 baute die Stadt die Mensa und einen zu­sätzlichen naturwissenschaftlichen Unterrichtsbereich auf Grundlage der Planungen des Biberacher Büros.

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