Ettenheim Wenn Schäuble spricht, hören alle zu

Die Heimschule St. Landolin in Ettenheim feiert 2020 ihr 100-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass hat am Freitag der Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble die Schule besucht, einen Vortrag zum Mauerfall gehalten und Fragen beantwortet.

Ettenheim. Die Aufregung an der Heimschule St. Landolin vor dem Besuch des Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble war am Freitag so groß, dass die Schüler Greta Leser und Louis Schaudt vor dem geplanten Podiumsgespräch vorab einen Probedurchlauf machen wollten. Gemeinsam mit ihren Lehrern Holger Gißler und Anne Kunzweiler spielten sie Frage für Frage durch, um wenige Minuten später bestmöglich vorbereitet zu sein.

Dann war es soweit: Schäuble kam in seiner Limousine an die Aula herangefahren, eskortiert von einem weiteren Fahrzeug mit Blaulicht. Mittendrin gut hundert aufgeregte Ettenheimer Schüler, die sich rasch um die beiden Autos verteilten. Zahlreiche von ihnen stellten sich auf Treppen oder auf die Wiese, um aus einer noch besseren Position heraus etwas zu erspähen. Der Anlass des hohen Besuchs: 2020 feiert St. Landolin 100-jähriges Bestehen. Dafür hatte Rektorin Nicola Heckner eine Persönlichkeit gesucht, die als Zeitzeuge ihren Schülern Einblicke in die Geschichte geben sollte. Gemeinsam mit Ettenheims Bürgermeister Bruno Metz ging sie auf Schäuble zu, der den Mauerfall selbst erlebt hatte und seine Eindrücke an die jüngere Generation vermitteln sollte. Und der sagte prompt zu.

Eintrag ins Goldene Buch

Doch wie beeindruckt man junge Menschen mit einem Ereignis, das 30 Jahre zurückliegt? Diese Frage stellte sich der Bundestagspräsident in seinen Begrüßungsworten in der Aula selbst und fand umgehend die passende Antwort: Locker und entspannt plauderte er aus dem Nähkästchen – und alle hörten gebannt zu. Schäuble ging auf den eigentlichen Mauerfall ein, aber auch auf die beiden Weltkriege, auf die Rivalität zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten und er beantworte auch die Fragen der Schüler Louis und Greta – und natürlich auch die aus dem Plenum.

Sie wollten etwa wissen, wie Schäuble die aktuelle politische Situation in Deutschland und Europa einschätzt und ob er sich vor dem Weltuntergang fürchtet. "Weltuntergangs-Stimmung zu schüren, ist Blödsinn. Es braucht Krisen, um Veränderung zu schaffen", erklärte Schäuble. Er legte zudem besonders auf eins Wert: "Kümmert euch um die Zukunft, ihr habt alle Möglichkeiten, aber jault nicht, wenn ihr es nicht gemacht habt."

Den Schlusspunkt des Besuchs setzte Schäubles Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Ettenheim.

Das 100-jährige Bestehen der Heimschule St. Landolin wird kommendes Jahr unter anderem mit einem Festakt am 11. Mai gefeiert.

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