Ettenheim Weltmeister mit ungewohnt viel Freizeit

So spät wie nie startet für den Trial-Fahrer Dominik Oswald die verkürzte Saison. Nur drei Wettkämpfe sind derzeit geplant. Da auch die Weltmeisterschaft ausfällt, bleibt der 23-Jährige vom MSC Münstertal ein weiteres Jahr Titelverteidiger.

Der Sommer ist für viele die Zeit der Entspannung. Im Urlaub lässt man die Seele baumeln und tankt Kraft. Die Pläne von Dominik Oswald sehen für diese Jahreszeit normalerweise anders aus. Der Fahrrad-Trialer fährt dann von Wettkampf zu Wettkampf, Urlaube müssen genau geplant werden. In diesem Jahr jedoch ist alles anders, Oswald hat Zeit. "Es ist fast ein bisschen zu entspannt und ungewohnt ohne Wettkämpfe", sagt der Fahrer vom MSC Münstertal. "Ich bin seit 13 oder 14 Jahren im Sommer immer unterwegs."

Trikot noch im Schrank

Dabei hätte diese Wettkampfsaison für den Münchweierer, der als Semiprofi unterwegs ist und parallel zum Sport bei der Firma Herrenknecht arbeitet, eigentlich eine ganz besondere werden sollen. Im November wurde er in China Weltmeister in seiner Klasse (20 Zoll) und darf seitdem das begehrte Regenbogentrikot sein Eigen nennen. Als Titelträger hätte er dieses Trikot bei jedem Wettkampf tragen dürfen. Bislang jedoch hängt es die meiste Zeit über im Schrank, nur einmal bei einem Trainingswettkampf schlüpfte Oswald ins Regenbogendress.

Keine WM in diesem Jahr

Und richtig viele Gelegenheiten wird der 23-Jährige, der in Ettenheim wohnt, in diesem Jahr auch nicht mehr bekommen. Fast alle Wettkämpfe sind aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt. Im September stehen derzeit zwei Weltcups im Trial-Kalender, zudem soll Ende September die Deutsche Meisterschaft in Schönborn (Brandenburg) stattfinden. Alles andere ist jedoch gecancelt, darunter auch die Welt- und Europameisterschaft. Bei beiden Wettbewerben wäre Oswald als Titelverteidiger angetreten.

Saisonstart im September

Beide Titel behält er also ein weiteres Jahr. "Ich würde aber viel lieber den Wettkampf bestreiten", sagt Oswald. Bis er sich mit seinen Kontrahenten messen kann, muss er sich jedoch noch knapp einen Monat gedulden. Erst Anfang September startet die eher improvisierte Saison, die für den Weltmeister eher eine "Trainingssaison" ist. Denn ohne Trainingswettkämpfe fehlt den Fahrern bei den Weltcups die Praxis. "Und man hat die Konkurrenten nur in Videos gesehen."

Viel auf dem Mountainbike

Hier war auch Oswald nicht untätig, auf seinem Instagram-Kanal ließ er seine Fans immer wieder am Training teilhaben. Eine Kampfansage an die internationale Konkurrenz war das aber nicht. "Es war absolut nichts krasses dabei", sagt er lachend. Stattdessen berichtete er oft von Mountainbiketouren und Krafttraining. "Ich war viermal so oft wie sonst auf dem Mountainbike", rechnet er.

"Nicht alles schlechtreden"

Im August dürfte nun auch wieder die Vorbereitung auf die wenigen Wettkämpfe im September mehr Gewicht auf seinem Instagram-Kanal bekommen. Doch auch Urlaubsbilder könnten seine Follower demnächst zu sehen bekommen. Mit seiner Freundin plant Oswald derzeit den Sommerurlaub. Wohin es geht ist noch nicht klar, man wolle flexibel sein. Auch wenn diese Flexibilität nur deshalb vorhanden ist, weil die Wettkämpfe ausfallen, will Oswald sich nicht beklagen. "Ich will nicht alles schlechtreden. Man kann den Sommer so ganz anders erleben – ich mache das Beste aus der Situation", sagt er. Und wenn dann im September die kurze Saison losgeht, ist Oswald ganz entspannt und darf bei Wettkämpfen in sein Regenbogentrikot schlüpfen.

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