Ettenheim Vom Wrack zum Traumsegler

Altdorf - Um den "Janus" wieder flugfähig zu bekommen, hatte nahezu jedes Mitglied der Fliegergruppe Altdorf-Wallburg mitgeholfen. Nach insgesamt 2500 Arbeitsstunden sieht der Segler wieder aus wie neu und wartet auf seine erneute Zulassung.

Außenlandungen – also Landungen außerhalb eines Flugplatzes – kommen bei Segelfliegern immer wieder einmal vor. Denn die Flugzeuge sind ohne Motor unterwegs und somit sind die Wetterverhältnisse und taktischen Überlegungen des Piloten entscheidend, um das Flugzeug in der Luft zu halten.

Im Falle des "Janus" ging eine solche Außenlandung nicht gut aus: Der Pilot war gezwungen, den Segler zwischen Gebüsch und Bäumen zu landen – der Schaden war dementsprechend hoch. Den hinteren Teil des Rumpfes hatte es dem Segler abgedreht, das Leitwerk zerlegt und die Tragflächen durchlöchert. Die Fliegergruppe Altdorf-Wallburg hatte den "Janus" dann im Herbst 2018 günstig gekauft und sich an die Reparatur gemacht.

Eigentlich zählt die Restauration verunglückter Flugzeuge nicht zur typischen Vereinsarbeit einer Segelsportgruppe. Meistens beschränkt sich das Werkstatt-Team auf die Wartung der Flugzeuge. In Altdorf ist jedoch ein Flugzeugbauer aus der Nähe von Schramberg Mitglied, unter dessen Anleitung und Expertise interessierte Vereinsmitglieder mit viel Zeit verunglückte Segelflugzeuge wieder herstellen können.

Nun, gut anderthalb Jahre später, ist das Flugzeug wieder einsatzfähig und wartet nach seinem erfolgreichen Werkstattflug auf seine erneute Zulassung – "und sieht aus, als ob es eine neue Maschine wäre", freut sich Dominc Pieles, der zusammen mit seinem Bruder Christian und dem stellvertretenden Vorsitzenden der Fliegergruppe Kristopher Kurz das Flugzeug federführend repariert hatte.

Insgesamt sei aber jede helfende Hand willkommen gewesen. Vom Anfänger bis zum Vollprofi habe es kaum ein Mitglied gegeben, das nicht Hand angelegt habe, um den Segler wieder flott zu bekommen, berichten die Drei. Insgesamt seien sicherlich mehr als 2500 Arbeitsstunden in das Flugzeug hineingeflossen. An der Technik interessiert sind die Flieger ohnehin. Denn sie ist auch ein Bestandteil der Fliegerausbildung.

Segler hat fast den Wert eines neuen Flugzeugs

Die Reparatur hat sich für Fliegergruppe aber nicht nur aus ideeller Sicht gelohnt: Denn die Flugzeuge verlieren mit der Zeit kaum an Wert, da ihre Materialien wie Glas- und Kohlefaser sich nicht entscheidend abnutzen, erklärt David Frohnmüller, Vorsitzender des Fördervereins der Fliegergruppe im Pressegespräch.

Ein altes, wiederhergestelltes Flugzeug hat folglich fast den Preis eines neuen. So hatte der Verein 26 000 Euro in den Janus und die Reparatur investiert. Der fertige Segler, der übrigens als Zweisitzer auch für Schulungsflüge eingesetzt werden kann, hat nun aber einen Wert von 70.000 Euro. Auch das Cockpit wurde komplett überholt und mit neuester Technik ausgestattet – etwa mit einem Navi, einem Anti-Kollisions- und einem Funkgerät. "Man hat das Gefühl, man säße in einem Neuflugzeug", schwärmt Frohnmüller.

Ein so großes Projekt, wie den "Janus" wieder flugfähig zu bekommen, das sei das erste Mal für die Fliegergruppe gewesen – "aber sicher nicht das letzte Mal", erklärt Christian Pieles. Denn in der Werkstatt warten schon weitere kaputte Segler darauf, wieder hergerichtet zu werden.

Info

Der Janus wurde von 1974 bis 1996 gefertigt – und galt in diesen 22 Jahren als Dauerbrenner. Von seinem Hersteller Schempp-Hirth wurde er als "das erste in Serie gebaute doppelsitzige Hochleistungssegelflugzeug überhaupt" bezeichnet. Die Spannweite seiner Tragflächen beträgt je nach Variante zwischen 18 und 20 Metern. Der Segler hat ein Leergewicht zwischen 370 und 400 Kilogramm und kann eine Höchstgeschwindkeit von bis zu 250 Stundenkilometern erreichen. Auch heutzutage setzen ihn noch viele Vereine zur Streckenflugschulung ein.

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