Ettenheim "Unterstützen jeden, der klagt"

Laut Gutachten ist das neu am Marienplatz verlegte Pflaster zu laut.Foto: Bender Foto: Lahrer Zeitung

Die BI Altstadt sieht sich in ihren Befürchtungen bestätigt: Ein von ihnen in Auftrag gegebenes Gutachten sagt, dass das neu verlegte Pflaster am Marienplatz zu laut ist. Der Stadt wirft die Initiative vor, die Situation bewusst falsch dargestellt zu haben.

Ettenheim. Weder der BI-Vorsitzende Günter Krieg noch die beiden Beisitzer Dietrich Wagner und Jürgen Krieg nahmen beim Pressegespräch gestern ein Blatt vor den Mund: Um im Gemeinderat das von ihr präferierte Natursteinpflaster durchzuboxen, habe die Verwaltung "geschlampt", "manipuliert" und "gelogen". Belegen würde das ein Gutachten des Sachverständigen Franz Breuer aus Langenfeld, den die BI die Lärmsituation rund um den Marienplatz hat untersuchen lassen – und der "gravierende Fehler" im Gutachten der Stadtverwaltung aufdecken würde. Das Papier des Büros für Schallschutz Dr. Jans, das die Entscheidung pro Natursteinpflaster und gegen das von BI-Vertretern geforderte Betonpflaster maßgeblich beeinflusst hatte, leide vor allem unter einem Mangel: "unplausibel niedrigen Verkehrszahlen".

So gehe Jans in seinen Berechnungen von 1248 Kraftfahrzeugen aus, die tagsüber durch die Friedrichstraße rollten. "Wir sind bei unseren Zählungen auf 3825 gekommen", erklärte Wagner, "also das Dreifache." Um diese Daten zu erhalten, hätten zwölf BI-Mitglieder Aufnahmen einer Kamera ausgewertet, die an dreieinhalb Tagen – einmal im Frühjahr, einmal im Herbst – jede Sekunde ein Foto vom Marienplatz gemacht habe. Von dort seien die Zufahrten in alle relevanten Straßen einsehbar. "Insgesamt waren es 287 000 Einzelfotos", berichtete Günter Krieg.

Die Differenz zwischen den Verkehrszahlen der Stadt und der Bürgerinitiative habe entscheidenden Einfluss auf die Frage, ob die zulässigen Grenzwerte bei der Lärmbelastung eingehalten würden oder nicht. So gebe es beim städtischen Gutachten "gerade so Punktlandungen", während die BI-Untersuchung zu dem Schluss kommt, dass an drei von fünf untersuchten Gebäuden "Ansprüche auf Schallschutz" bestünden. Der von der Bürgerinitiative beauftragte Experte ist sich sicher, dass auch Jans Berechnungsmodell zu ähnlichen Ergebnissen geführt hätte, hätte ihm dasselbe Zahlenmaterial zugrunde gelegen.

BI will Petition formulieren

Dass dem nicht so war, sagt die BI, sei die Schuld der Verwaltung. Zum einen habe man ihr stets alle erhobenen Daten zur Verfügung gestellt, zum anderen habe sie in der Vergangenheit selbst Material gesammelt, das die "lächerlich kleine Zahl" von 1250 Fahrzeugen ad absurdum führen würde. "Als es darum ging, in der Innenstadt einen verkehrsberuhigten Bereich einzurichten, hieß es, das sei zu gefährlich, weil mehr als 3000 Autos durch die Straßen fahren", erklärte Jürgen Krieg. "Das passt nicht zusammen." Im Ergebnis stünden "deutliche Grenzwertüberschreitungen im Innenstadtbereich bis von bis zu neun Dezibel".

Und was macht die BI mit ihren Erkenntnissen? "Wir werden auf jeden Fall eine Petition formulieren", sagt Günter Krieg. Und: "Wir unterstützen jeden Anwohner, der klagen will – nicht nur finanziell." Vor Gericht, da ist sich der Vorsitzende sicher, könnten die Ergebnisse seiner BI zu "weitreichenden Konsequenzen mit erheblichen Kosten für die Allgemeinheit führen". Es sei nicht auszuschließen, dass es am Ende hieße "Pflaster raus, Beton rein". Auch wenn die Verantwortlichen betonen, "dass es uns darum nicht vordergründig geht". In erster Linie wolle man Sicherheit und Ruhe für die Altstadtbewohner: "Wichtig ist, dass die gesetzlichen Grenzwerte künftig eingehalten werden", sagt Jürgen Krieg. Dabei seien auch jene Vorschläge des Arbeitskreises Verkehr, die der Gemeinderat einst abgelehnt hatte, "nach wie vor aktuell". Schrittgeschwindigkeit innerhalb der drei Stadttore zum Beispiel oder Tempomessungen in der Nacht. "Es gibt viele Möglichkeiten, aber es muss etwas passieren."

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