Ettenheim Schützenswerte Wunder der Natur

56 Wanderer sind am Denkmaltag mit Stadtrat und Nabu-Mann Thomas Ullrich durch Hohlwege gewandert. Dabei lernten sie viel Wissenswertes über diese schützenswerten Naturphänomene.

Ettenheim. Ullrich ist ein ausgewiesener Fachmann auf dem Gebiet und damit prädestiniert für eine solche Führung. Schon vor Jahren hat er einen viel beachteten bebilderten Aufsatz über "Hohlwege in der Ettenheimer Vorbergzone" in der Lahrer Schriftenreihe "Geroldsecker Land" veröffentlicht.

Schon zum Einstieg fiel den "Besuchern" auf, dass in Hohlwegen mit ihren steilen und mehrere Meter hohen Wänden ein besonderes Kleinklima herrscht – nämlich angenehm feuchtkühl. Dieser spezielle Weg ist wahrscheinlich schon vor fast 2000 Jahren zur Römerzeit als Verbindung nach Herbolzheim über den Kahlenberg genutzt worden.

Wichtiger Lebensraum für Flora und Fauna

Dass sich im Laufe von Jahrhunderten die Hohlwege bei viel Fuhrwerksverkehr immer tiefer in die Hänge eingraben konnten, liegt an dort vorzufindenden Lössböden. Die entstanden, weil staubfein zermahlenes Alpengestein als Eiszeit-Produkt in der Rheinebene gelandet und von dort aus dann mit stetigem Südwestwind in die Vorbergzone geblasen worden war. So türmten sich bis zu 30 Meter hohe Ablagerungsschichten auf. Weil Löss sandig-porös ist, sorgten im hügeligen Gelände vor allem Wasser-Erosionen dafür, dass sich durch den zunehmenden Verkehr die Wegsohlen immer tiefer eingruben.

Dass Hohlwege wichtiger Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten sind, demonstrierte Ullrich vor Ort eindrücklich, auch in der anschließend durchwanderten Weilerberggasse. Ob selten werdende Insekten, etwa Solitärbienen oder Grabwespen, aber auch Vögel: In Hohlwegen finden sie noch einen Rückzugsraum. Von der speziellen Flora ganz zu schweigen, etwa dem auf der Roten Liste stehenden schatten- und feuchtigkeitsliebenden "Dornigen Schildfarn".

Wanderführer Thomas Ullrich machte klar, dass die noch verbliebenen, gefährdeten tiefen Hohlgassen noch besser geschützt werden müssten. Da gebe es Lücken im Gesetz. Wie dringend diese geschlossen werden müssen, zeigte sich in der Kahlenberggasse. Dort hatte wohl kürzlich ein Anlieger nicht nur den Pflanzenbewuchs an der Grenze zu seinem Grundstück entfernt, sondern die obere Kante gleich noch mit einem Bagger "abgerundet". Ullrich hat dafür kein Verständnis. Abgesehen vom unbedachten und folgenreichen Eingriff: Damit habe sich der Anlieger selbst bestraft, denn an dieser Stelle würde es künftig Erosionen geben. So ein Schaden sei nur schwer zu reparieren. Das, so Ullrich, zeige sich auch an einem anderen Ettenheimer Hohlweg, wo eigenmächtig eine Verbreiterung vorgenommen und später zurückgebaut wurde. Das Problem: Eine originale Lössboden-Struktur lasse sich nicht einfach rekonstruieren. Deshalb wünscht sich Ullrich, dass die Stadt noch mehr Augenmerk auf die Erhaltung ihrer Hohlwege legt als ohnehin schon. Die Notwendigkeit dafür hätten vor einigen Wochen schon zahlreiche Ortenauer Bürgermeister und Kreisräte samt Landrat Frank Scherer bei einer Wanderung vor Ort gesehen.

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