Ettenheim Santiago wieder ein Stückchen näher

Erschöpft, aber glücklich: Die Ettenheimer Schülerinnen sammelten auf ihrem Weg viele Eindrücke, die sie so schnell nicht vergessen dürften. Foto: Schule Foto: Lahrer Zeitung

Und wieder ist Santiago de Compostela ein Stückchen näher gerückt: In diesem Jahr bewältigten 14 Schülerinnen des August-Ruf-Bildungszentrums 60 Kilometer auf dem Jakobsweg.

Ettenheim (red/fx). Die Mädchen starteten dort, wo das Wanderprojekt "Wir gehen unseren Weg!" im vergangenen Jahr geendet hatte – in Breisach. Vier Tage später erreichten sie den Bahnhof Merxheim in der Nähe des elsässischen Städtchens Guebwiller, um mit dem Zug nach Ettenheim zurückzukehren. Im Reisegepäck hatten die Schülerinnen neben Blasen an den Füßen, Rückenschmerzen und Muskelkater vor allem eins: unvergessliche Erlebnisse und die Gewissheit, weit mehr schaffen zu können, als sie von sich erwartet hätten.

Die Wandergruppe war bunt gemischt: Die Teilnehmerinnen stammen aus verschiedenen Klassenstufen und sind international. "Besonders schön ist es, dass auch Schülerinnen dabei waren, die erst kurze Zeit in Deutschland leben", so Schulleiterin Beate Ritter. Die Kosten wurde bewusst niedrig gehalten, übernachtet wurde mit Isomatte und Schlafsack. Einige Mädchen waren bereits im vergangenen Jahr auf der Tour dabei und hatten sich schon auf die nächste Etappe gefreut.

Mädchen wecken das Interesse der Lokalpresse

Stück für Stück soll so in den nächsten Jahren der Jakobsweg erwandert werden, das Ziel Santiago immer vor Augen. "Je weiter wir kommen, desto länger wird natürlich die Anreise. Wir werden auf Sponsoren angewiesen sein, die die Schule und die Schülerinnen bei den Reisekosten unterstützen. Dennoch halten wir am Jakobsweg fest. Es ist für die Mädchen sehr inspirierend, dass dieser Weg von vielen Menschen im Laufe der Jahrhunderte gewandert wurde", so Ritter. Nicht mit dabei auf der Wanderung sind die Handys der Mädchen, das ist für die Organisatorinnen, Schulsozialarbeiterin Dortje Treiber und Andrea Eichner, pädagogischer Assistentin in der Sekundarstufe eine wichtige Teilnahmebedingung.

Die Übernachtung im Kloster Saint Marc in Gueberschwihr war ein besonderes Erlebnis. Völlig erschöpft erreichte die Gruppe abends das hoch am Berg gelegene Nonnenkloster im Elsass. Nach einer kurzen Ruhepause fanden die Mädchen aber wieder Kraft und genossen die Unterhaltung mit einer der Schwestern. Zum ersten Mal setzten sie sich mit dem Sinn eines Klosters und dem Leben der Nonnen auseinander.

Am darauffolgenden Abend erreichte die Gruppe das Städtchen Guebwiller. Die Tagesstrecke war lang, heiß und anstrengend gewesen. Die steinigen Waldpfade hatten die Gruppe zwar mit wunderschönen Aussichten über die Rheinebene belohnt, waren aber mit den Leiterwagen nur unter größter Anstrengung zu bewältigen. Umso größer war die Freude über gekühlte Getränke, selbst gemachten Kuchen und leckere Salate, die die Kirchengemeinde für die Wanderinnen bereitgestellt hatte. "Für die Schülerinnen war es überraschend, dass diese Menschen ihnen so viel Interesse und Anerkennung entgegenbrachten, ohne sie persönlich zu kennen. Sogar die Lokalpresse war eingeladen und führte Interviews mit ihnen. Wir wurden von einigen aus der Gemeinde eingeladen, um uns in ihren Häusern duschen zu können", berichtet Eichner. Es habe viele persönliche Gespräche bis tief in die Nacht gegeben und als der Ettenheimer Tross am nächsten Morgen aufbrach, sei es ein emotionaler und sehr herzlicher Abschied gewesen – "ein toller Abschluss der diesjährigen Tour".

"Wir gehen unseren Weg!" richtet sich an alle Schülerinnen der Klassenstufen sechs bis neun und wurde bereits zum dritten Mal von Dortje Treiber und Andrea Eichner organisiert. "Entlang des Jakobswegs lernen die Mädchen ihre eigenen Grenzen kennen und stellen fest, dass in ihnen viel mehr Kraft steckt, als sie sich zutrauen. Sie bewältigen diese Herausforderung in Teamarbeit. Es ist keine leichte Aufgabe durchzuhalten und Konflikte friedlich zu lösen, wenn alle erschöpft und müde sind, aber es gelingt", so Treiber. "Außerdem", fügt Eichner hinzu, "finden auf der Tour wunderbare Begegnungen mit anderen Menschen statt. Wir haben in einem Kloster übernachtet, eine Pfarrgemeinde hat uns überwältigend herzlich empfangen und bekocht – diese Begegnungen nehmen die Schülerinnen mit nach Hause."

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