Familienfeier artet zur Brautschau aus "Rheintöchter" begeistern Publikum

Ettenheim - Gleich mit seiner zweiten Aufführung nach langer Corona-Pause hat das Eurodistrikttheater Baal mit "Die Rheintöchter" am Freitag in Ettenheim gastiert. Dem Publikum bot sich ein pfiffiges, geistreiches und sehr humorvolles Bühnenstück.

Die Geschichte selbst orientiert sich sehr frei an der Nibelungensage. So torkelt Schriftsteller Gunther (Benjamin Wendel) geplagt von Eifersucht und voll des Burgunderweins auf dem Bug eines Kreuzfahrtschiffs herum, bis er schließlich in den Rhein plumpst und auf dessen Grund landet – nämlich mitten im Palast des "Vater Rhein" (Guido Schumacher).

Familienfeier artet zur Brautschau aus

Baal-Intendant Edzart Schoppmann hatte das inszeniert, in diesem Falle durch Heraufziehen der Wellen-Kulisse nach oben, um den Blick auf die Unterwasserwelt frei zu geben. Dort bereitet sich noch im Schlafrock der Rhein-König mit barocker Perücke auf seinen rund elf-millionsten Geburtstag vor und ärgert sich nur über den Dampferlärm. Als erste Gäste treffen Tante Weidrun mit lästernd losem Mundwerk und der moorig-stinkende Onkel Lupo ein (beide Camilla Tissier).

Aber Gunther lernt hier auch noch vier äußerst reizende Lieblingskönigstöchter kennen, allen voran die romantisch geprägte Florestina (Yaroslava Gorobey), aber auch die elegant-mondäne Draconia (Camilla Kallfaß), die ansonsten oberirdisch den Drachenfels bewohnt. Nebbia (Oda Bergkemper) schwebt tänzelnd-verträumt ätherisch herum und Noli (Michelle Beubach) bringt als Rotterdamer Punkband-Sängerin eine Nina-Haagen-Note mit ins Spiel. Natürlich buhlen sämtliche Töchter beim folgenden Geburtstagsfest unverzüglich um Gunther als fremden Ehrengast.

Das vom Fotokünstler und Multitalent Tilmann Krieg speziell für das Baal geschriebene Stück, von Regisseurin Diana Zöller perfekt vorbereitet, strotzt komödiantisch nur so von Anspielungen, Spitzen und Merkwürdigkeiten, ohne jedoch in Klamauk zu verfallen. Übrigens wird auch viel – live und gut – gesungen, etwa über ein knalliges Gummiboot im Swimmingpool. Diverse Rhein-Schlager werden verballhornt, bis hin zum Kölner Karneval. Etwa "Ich hab den Vater Rhein in seinem Bett gesehn". Der rechtfertigt sich sogleich prustend: "Ich muss wohl gerade mal eingeschlafen sein!" Schließlich wird auch noch getanzt (Choreografie Yaroslava Gorobey).

Als Dank gibt’s lange anhaltenden Applaus

Turbulent rheinisch-fröhlich geht es im Palast zu, bis hin zum Gratulationskarten-Lesen und Geschenkeauspacken. Etwa vom Bruder Neckar, der behauptet, bei ihm sei das Auto erfunden worden. Von wegen: In Karlsruhe war‘s, wo der Rhein noch blau ist! Ob Jodlergrüße aus der Schweiz mit Atomkraft- Endlager, Fettpäckchen von Joseph Beuys, frischer Chemiegestank oder lyrische Grüße von der Droste-Annette- eine Pointe jagte die nächste.

Schließlich soll sich Gunther für eine der Rhein-Töchter entscheiden. Die bewerben sich nochmals mit ihren jeweiligen Reizen, doch schließlich entscheidet sich Gunther wieder nach oben entschwinden zu wollen, um dort mit seiner "Bruni" einen neuen Liebes-Anlauf zu nehmen. Er darf: Ende gut, alles gut!

Hoch verdienter langer Schlussapplaus belohnte sämtliche Akteure. Ausnahmslos hatten sie das Publikum mit ihren schauspielerischen Leistungen begeistert – überdies auch gesanglich. Besonders Draconia Kallfaß, die allerdings zum Schluss noch hinnehmen musste, dass ihr Spekulanten-Gatte Hagen – quasi zurück zu den Nibelungen – finanzpolizeilich gepfändet worden war.

Viele Monate war das Eurodistrikt-Theater Baal aufgrund der Pandemie gar nicht oder nur sehr begrenzt in der Lage, künstlerisch zu wirken. Corona beeinflusst auch jetzt noch die Aufführungen des Theaters. Die Ettenheimer Freiluft-Vorstellung im Schulhof des städtischen Gymnasiums etwa war ausverkauft, denn sämtliche der 70 zugelassenen Sitzplätze mussten per Vorbestellungen reserviert werden.

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