Ettenheim Reise in die Theater-Vergangenheit

Ulrike Hiller
Freuen sich über den Rückblick auf 40 Jahre "Kleine Bühne Ettenheim" (von links): Bürgermeister Bruno Metz, der frühere Darsteller Gerhard Jäger, Ehrenvorsitzender Wilfried Holzmann und die neue Vorsitzende Milena Harney Foto: Hiller

Mit einer Fotoausstellung hat die "Kleine Bühne Ettenheim" ihr 40-jähriges Bestehen gefeiert. Die Besucher im Bürgersaal des Rathauses erlebten eine Reise durch die Geschichte des Theaters.

Ettenheim. Plakate mit mehreren Fotos aus den jeweiligen Aufführungen und Listen mit den Darstellern waren am Samstagabend im Bürgersaal des Ettenheimer Rathauses an Stellwänden zu sehen. Besonders spannend: Der Hauptdarsteller der allerersten Aufführung vor 40 Jahren mit dem Titel "Diener zweier Herren", Gerhard Jäger aus Ettenheim, war mit der gesamten Familie anwesend und erzählte gerne von seiner Hauptrolle als Truffaldino in dem Theaterstück von Carlo Goldini.

Von den Anfängen berichtete Wilfried Holzmann, der bis vor Kurzem die "Kleine Bühne" 40 Jahre lang leitete und als Vorsitzender, Autor, Regisseur und Darsteller tätig war. Am 29. August 1981, beim ersten Ettenheimer Bärenbrunnenfest, ertönte erstmals die Aufführungsmelodie der Komödiantengruppe, die Carlo Goldinis "Diener zweier Herren" auf die Bühne brachte. Der Initiator des Bärenbrunnenfestes, Peter Frey, hatte sich zur Bereicherung des Festes ein kulturelles Projekt gewünscht und kam auf Holzmann zu, der bis dahin an der Heimschule und am Städtischen Gymnasium Theater-Arbeitsgemeinschaften geleitet hatte.

Die ersten Darsteller waren hauptsächlich Lehrer, mit Ausnahme von Jäger, der durch sein Engagement bei der Kolpingsfamilie eine bekannte Persönlichkeit in der Stadt war. Sein Talent zum Theaterspielen war offensichtlich, doch anfänglich hatte er beim Textlernen Hilfe von seiner Familie. Nach einem gemeinsamen Urlaub kannten seine Töchter die Rolle besser als er, erzählt Jäger schmunzelnd.

1984 wurde ein eigener Verein gegründet

Es folgten viele weitere Aufführungen der kleinen Bühne, wie "Dantons Tod" mit 72 Mitwirkenden. Beim zweiten Bärenbrunnenfest wurde mit dem "Sommernachtstraum" wieder eine Komödie gespielt. Es sollte ein eigener Verein gegründet werden und so kam es am 18. Januar 1984 zu Institutionalisierung der Schauspielgruppe mit dem Verein "Kleine Bühne Ettenheim". 1993 erhielt dieser den Kulturpreis der Stadt.

Bürgermeister Bruno Metz begrüßte unter den Anwesenden der Ausstellungseröffnung besonders die neue Vorsitzende Milena Harney, den Ehrenvorsitzenden Holzmann und Mitwirkende der kleinen Bühne. Der Verein habe sich zu einem bedeutenden Träger kulturellen Lebens in der Stadt entwickelt, betonte der Rathauschef. Kunst und Kultur mache die Lebensqualität einer Gemeinde aus, so Metz. Besonders der Umstand, dass in den Aufführungen ein Stück Stadtgeschichte aufgegriffen wurde, sei das Besondere. Er dankte allen, die in 40 Jahren für den Erfolg der kleinen Bühne gearbeitet haben. Der "Kleinen Bühne" wünschte er auch für die Zukunft viel Freude am kulturellen Schaffen und immer genügend begeisterte Mitmacher.

Harney stellte sich als neue Vorsitzende der kleinen Bühne vor und versprach, das erfolgreiche Werk fortzusetzen. Sie wurde am 11. Oktober dieses Jahres zur ersten Vorsitzenden gewählt. Holzmann wurde dort zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Beim Rundgang durch die Ausstellung sahen die Besucher viele der Mitwirkenden in jungen Jahren. Spannend war die Vielfalt der Themen und der Autoren. Im Jahr 2010 wurde das von Wolfgang Holzmann und Joachim Schwab geschriebene Stück "Steine erzählen" im Rahmen eines Stadtfestes als Freilichtspiel im Historischen Rohanhof unter der Regie von Wilfried Holzmann aufgeführt. Es beinhaltet ein Stück der Ettenheimer Geschichte zur Zeit des Kardinals. Unter den 35 Mitwirkenden befand sich auch Bürgermeister Metz, der das damalige Ettenheimer Stadtoberhaupt mimte.

Im Jahr 2019 fand mit Jean Paul Sartres "Die Troerinnen des Euripides" die vorerst letzte Aufführung statt. 2020 mussten alle öffentlichen Veranstaltungen der kleinen Bühne abgesagt werden. Umso größer war die Freude über die Ausstellung im Bürgersaal unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Metz.

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