Ettenheim Noch fehlt ein fünfstelliger Betrag

Die Fassade der Altdorfer Kunsthalle wird saniert. Den Großteil der Kosten in Höhe von 75 000 Euro steuern die Denkmalstiftung und die Stadt Ettenheim bei. Für den Rest – rund 20 000 Euro – hofft der Förderverein auf weitere Unterstützer.

Altdorf. Sie war Gefangenenlager, Lagerhalle, pharmazeutischer Betrieb und Ablaugerei, bis sie vor 20 Jahren zur Kunsthalle wurde: die ehemalige Synagoge in Altdorf. 1998 hat das Künstlerehepaar Isolde Wawrin und Yoshiyuki Kakedo das Gebäude gekauft, um es liebevoll und umsichtig von den vielen Blessuren der früheren Nutzungen zu befreien. Alles selbst finanziert, vieles in Eigenleistung erbracht, manchmal mit Hilfe der Familie und Freunden. Einzig für einen neuen Boden im Ausstellungsraum gab es Mittel aus der öffentlichen Hand. Nun kommt wieder Hilfe von außerhalb.

Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg schießt 30 000 Euro für die Sanierung der heruntergekommenen Fassade zu. Am Mittwoch wurde dem erst im Mai gegründeten Förderverein der entsprechende Zuwendungsvertrag übergeben. "Mit einem neuen Putz wird auch das äußere Erscheinungsbild der öffentlichen Rolle dieses Kulturhauses für Altdorf gerecht", ist sich Rainer Prewo, Vorstandsvorsitzender der Stiftung, sicher. Der Förderverein, der sich dem sensiblen Thema der Erinnerungsarbeit annimmt, kann auch auf die Unterstützung des Ettenheimer Gemeinderats bauen. Es sei "keine Frage gewesen, dass auch wir das Projekt unterstützen", sagt Bürgermeister Bruno Metz. 25 000 Euro hat die Stadt für die Sanierung der Fassade locker gemacht, außerplanmäßig und ohne Diskussion.

Das Geld von Stiftung und Stadt hilft weiter, reicht aber nicht aus, wie die stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins weiß. "Die Sanierung wird rund 75000 Euro kosten", sagt Dagmar Abt, die die Baumaßnahme als Architektin begleiten wird. Deshalb hofft der derzeit 60 Mitglieder starke Verein auf weitere Unterstützung aus der Bevölkerung, sei es durch eine Spende oder einen Beitritt (Jahresbeitrag von zwölf Euro). Damit es bald nicht mehr heißt: Von innen hui, von außen pfui.

Ein Anfang ist getan: Abts Firma, die Werkgruppe Lahr, übernimmt ihre Arbeitsleistung mit einem Gegenwert von etwa 4000 Euro. Verbleiben 16 000 Euro, die es nun zu akquirieren gilt – und zwar so schnell wie möglich. Abt: "Wir können die Aufträge nicht vergeben, bevor wir nicht das Geld zusammen haben." Wer helfen will, kann sich an die Altdorfer Ortsverwaltung oder seine Spende direkt überweisen (Volksbank Lahr, IBAN: DE05 6829 0000 0010 4255 06).

Öffentlichkeit ist willkommen

Auch der Rathauschef hofft auf Solidarität, am liebsten über die Stadtgrenzen hinaus: "Die schrecklichen Geschehnisse des Dritten Reichs sind Teil unserer Orts- und Regionalgeschichte. Wir müssen nicht ständig das Büßerhemd tragen, aber wir haben eine Verantwortung, die Erinnerung wachzuhalten."

Der Förderverein will dieser Aufgabe unter anderem mit "verschiedenen Aktionen" (Abt) in der ehemaligen Synagoge gerecht werden. Dass er das darf, war Voraussetzung der Zuwendung durch die Denkmalstiftung. Formal wandert das Geld zunächst an den Förderverein, der es dann an die Familie Wawrin/Kakedo weitergibt.

Im Gegenzug haben sich die Eigentümer der Kunsthalle verpflichtet, ihr Gebäude für jährlich acht öffentliche Veranstaltungen mietfrei zur Verfügung zu stellen – je vier von Stadt und Förderverein. "Ein rein formaler Akt", erklärt Abt. Bekanntlich lebten die Inhaber schon immer eine Kultur der offenen Tür – für Ausstellungen, Weihnachtsmärkte, Konzerte, Vorträge und Führungen, aber auch für die Altdorfer Neujahrsempfänge. "Das lief immer unbürokratischen und freiwillig ab", sagt Abt – und soll es auch weiterhin: "Die Entwicklungen der jüngsten Vergangenheit haben gezeigt, dass wir vielleicht dringender denn je junge Menschen erreichen müssen, damit sich die Geschichte nicht wiederholt."

Die Altdorfer Synagoge wurde 1867/68 erbaut und beim Novemberpo­grom 1938 verwüstet. Die Mitglieder der jüdischen Gemeinde verließen den Ort, wanderten aus oder wurden im KZ ermordet. 1941 kaufte die Gemeinde das Gebäude, nutzte es als Gefangenenlager und Lagerhalle und vermietete es nach dem Umbau 1952/53 an eine Chemie-Fabrik. 1970 folgte der Verkauf an einen örtlichen Gewerbebetrieb, der ihn 1998 an das Künstlerehepaar Yoshiyuki Kakedo und Isolde Wawrin veräußerte.

Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg fördert nach ihrem Motto "Bürger retten Denkmale" vor allem private Initiativen und gemeinnützige Bürgeraktionen, die sich für den Erhalt von Kulturdenkmalen engagieren. 33 Projekte hat die Stiftung nach eigenen Angaben allein 2017 unterstützt, mehr als 1400 seit ihrer Gründung 1985. 60 Prozent davon waren Anträge von Privatleuten, Fördervereinen und Bürgerinitiativen. Möglich machen dies neben Erträgen aus dem Stiftungskapital Gelder der Lotterie Glücksspirale

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