Ettenheim Nicht nur die anderen machen lassen

Rückblick, Vorschau – und ein Plädoyer für ein breiteres Engagement in der und für die Stadt: Das waren die Hauptzutaten, die Bürgermeister Bruno Metz für seine Rede beim Ettenheimer Neujahrsempfang der gewählt hatte. Ein stimmiges Rezept.

Ettenheim. "Lass doch mal die anderen machen." Diesem Satz begegne er unterm Jahr häufig, berichtete der Rathauschef am Dreikönigstag den rund 400 Besuchern in der gut gefüllten Stadthalle. Leider, fügte Metz an. Seine Frage, ob es nicht reiche, "wenn einige in Gremien, Verwaltung oder im Vorstand etwas tun", war selbstredend rhetorischer Natur. Die Haltung, das Handeln anderen zu überlassen, spiegele sich wider in "zurückgehender Engagementbereitschaft im Ehrenamt und in der nachlassenden Beteiligung an demokratischen Vorgängen", so der Bürgermeister. Dabei sei die Chance, den eigenen Beitrag sichtbar werden zu lassen, gerade auf der Ebene von Städten und Gemeinden groß. In Ettenheim hätten dies viele begriffen, obschon Metz betonte: "Gemeinwohl ist mehr als das bunte Zusammenfügen einzelner Partikularinteressen."

Ein Statement, für das es Zwischenapplaus vom Publikum gab. Den (gefühlt) längsten während der rund 45-minütigen Rede, in der Metz unter anderem auf folgende weitere Themen einging. Verwaltung ins Volksbank-Gebäude: Das Vorhaben der Stadt, unmittelbar nach dem Auszug der Volksbank im Gebäude in der Friedrichstraße eine Mediathek einzurichten (wir berichteten), lässt sich nicht umsetzen. Grund: das sanierungsbedürftige Palais Rohan. Deshalb lautet der Plan "seit wenigen Wochen" (Metz), die städtischen Mitarbeiter – unter anderem der Finanzverwaltung – von dort zunächst ins ehemalige Voba-Gebäude ziehen zu lassen, das Palais herzurichten und anschließend mit dem Bau der Bücherei zu beginnen. Metz rechnet für die Palais-Sanierung mit Kosten "zwischen zwei und drei Millionen Euro", wie er am Rande des Empfangs gegenüber der LZ erklärte. Nach dem Auszug der Volksbank Ende 2021 sollen die Arbeiten starten.

Mehr Steuern, mehr Kinder: Das vergangene Jahr wird laut Metz mit einem Rekord bei der Gewerbesteuer abschließen: 4,8 Millionen Euro fließen in das Stadtsäckel. Grund, die Beine hochzulegen, sieht der Bürgermeister aber nicht: Die Pro-Kopf-Steuereinnahmen liegen in Ettenheim bei 885 Euro, 400 unter dem Kreis-Durchschnitt. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten kletterte erstmals aus mehr als 3000 – auch das "zu wenig für eine Stadt mit 13 500 Einwohnern, aber deutlich besser als noch vor wenigen Jahren", so Metz. Ebenfalls lange unerreicht: ein (leichter) Geburtenüberschuss. 2019 kamen drei Kinder mehr zur Welt, als Menschen in Ettenheim starben. Abhilfe auf dem Wohnungsmarkt: Um der Wohnungsnot in Ettenheim zu begegnen, wurde im vergangenen Jahr der Eigenbetrieb Stadtbau gegründet. Bislang sind laut Metz 44 preisgünstige Wohnungen entstanden. Mittelfristiges Ziel seien 100. Weitere Wohnungen sollen in der Kernstadt ("Supperten") und in Altdorf ("Steinröhre") entstehen. Metz rief grundsätzlich zu mehr Verständnis bei der Ausweisung von Bauflächen auf, indem er den Wert der Neubürger für die Gesellschaft herausstellte: "Gehen Sie mal Ihren Bekanntenkreis durch. Wer würde fehlen, wenn es nicht ein Wohn- oder Arbeitsplatzangebot hier gegeben hätte?" Bei Touristen beliebt: Nicht nur bei Dauerwohnern, auch bei Urlaubern steht Ettenheim hoch im Kurs. Mit durchschnittlich 2,7 Verweiltagen liege die Stadt über dem im Kreis Üblichen (2,1 Tage), so Metz. Ein Grund dürfte die gute Luft in Ettenheim sein: Eine Überprüfung durch die Landesanstalt für Umweltschutz hat ergeben, dass die Innenstadt "an Reinluftgebiete herankommt".

Unter Strom: Die sieben Windräder  des Bürgerwindparks Südliche Ortenau (vier auf Ettenheimer Gemarkung) haben im ersten Jahr, in dem sie im Regelbetrieb liefen, 43 Millionen Kilowattstunden Energie erzeugt, drei mehr als prognostiziert. "Eine bemerkenswerte Zahl", wenn man bedenke, dass der jährliche Energiebedarf der Gesamtstadt bei 59 Millionen Kilowattstunden liege, sagte Metz. Neue, modernere Anlagen sollen bekanntlich folgen. Zukunft fürs Krankenhaus: Trotz der drohenden Schließung sieht Metz "positive Signale" für die Ettenheimer Klinik – in Form des geplanten und vom Kreistag bewilligten OP-Neubaus. "Wir brauchen diesen OP, um bis 2030 operieren zu können und auch danach Eingriffe in der neuen Struktur vornehmen zu können." Jüngst wurde in Ettenheim ein personeller "Schönheitsfehler" (Metz) behoben: Die Leiterin der Fußchirurgie, Charlotte Hase, wurde zur ersten Chefärztin des Ortenau-Klinikums befördert.

Rudolf Zimmermann hat nach jahrzehntelangem Engagement in Vereinen und Politik im Dezember sein letztes Ehrenamt, den Vorsitz des Lehrbrüdervereins, abgegeben. Für sein "herausragendes Wirken" verlieh Bürgermeister Bruno Metz dem 83-Jährigen im Namen des Gemeinderats die Verdienstmedaille der Stadt.

Dominik Oswald ist sportlich ganz oben: Nach zehn deutschen Meistertiteln wurde der 24-Jährige vergangenes Jahr in China Weltmeister im Trialfahren. Dafür wurde er nun vor großem Publikum geehrt. Bemerkenswert: Anders als seine Konkurrenten ist der Münch­weierer kein Vollprofi, arbeitet halbtags bei Herrenknecht.

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