Ettenheim Nachholbedarf bei der Sozialarbeit

Michael Masson
Direktor Eberhard Pfister freute sich über die Gelegenheit, Staatssekretärin Sandra Boser Anregungen mitzugeben. Foto: Heimschule

Bei einem Besuch in der Ettenheimer Heimschule St. Landolin hat Sandra Boser, Staatssekretärin im Bildungsministerium, kritische Anregungen mitgenommen. Direktor Eberhard Pfister bemängelte vor allen zu wenig Initiative bei der Sozialarbeit.

Ettenheim. Neben ihren gewohnten Besuchen im Wahlkreis Lahr arbeitet die grüne Landtagsabgeordnete Sandra Boser zahlreiche weitere Termine ab. So war sie auch bei der Ettenheimer Heimschule St. Landolin zu Gast. Zum Einstieg ihres Besuchs hatte Boser ein Gespräch mit Eberhard Pfister, Direktor des Gymnasiums an der Heimschule geführt. Dieser sprach die Staatssekretärin darauf an, was ihn besonders drückt.

Breiten Gesprächsraum nahm die schulische Sozialpädagogik ein. Deren Etablierung habe in manchen Landkreisen anfänglich etwas gedauert, räumte Boser ein. Sie nahm dazu die Anregung Pfisters mit, die "noch sehr antiquierte Vorstellungen" über die Breite schulische Sozialarbeit zu überdenken. Das sei nicht nur Sache von separaten Spezialkräften, sondern müsse auch in die künftige Lehrerausbildung eingehen, samt späterer Unterstützung der fertigen Pädagogen bis hin zu Klassenlehrern. Die Ettenheimer Heimschule habe da samt ihrem Realschulzweig schon Manches in sozialpädagogischer Richtung vorgemacht. Denn, so Pfister: "Wir sind zwar privat, aber deshalb keine teure Elite-Bildungseinrichtung wie etwa das britische Eton." Dafür sprächen schon die kirchlich festgelegt äußerst moderaten Schulgebühren.

Boser schilderte ansonsten, dass generell derzeit große Schwierigkeiten bestehen, neue Lehrkräfte vor allem in Baden-Württembergs ländliche Regionen zu bringen. Man arbeite in Stuttgart weiter daran.

Pfister kritisierte, dass das aktuelle Landes-Förderprogramm "Lernen mit Rückenwind" zur Abhilfe von coronabedingten Schüler-Lerndefiziten bislang nur unzulänglich kommuniziert werde. Überdies blieben immer neue Ministeriums-Verlautbarungen spätestens beim Freiburger Regierungspräsidium hängen. Pandemie-Dienstanordnungen habe man sich schließlich kurzerhand aus dem Internet besorgen müssen, bevor sie über Ankündigungen hinaus endlich auch offiziell im Schulsekretariat ankamen.

Mehr Übersicht bei Dienstanweisungen

Boser versprach auch bei diesem Thema ministerielle Besserung und überdies, bei den nahezu wöchentlich herausgegebenen Corona-Dienstanweisungen für wesentlich mehr Übersichtlichkeit und bislang schmerzlich vermisste klar aufgezeigte Handlungsmöglichkeiten zu sorgen. Denn, so Pfister: "Bei sich dauernd ändernder Pandemie-Lage müssen wir unsere Schüler, Eltern und Lehrer zeitnah über neue Maßnahmen informieren können!" Gesundheitsämter, Ärzte und örtliche Ordnungsämter seien damit meist überfordert. "Alle Anregungen nehme ich sehr gerne ins Ministerium mit", sagte Boser. Sie sei stets dankbar für solch kritische Rückmeldungen.

Verbessert haben sich, da waren sich Staatssekretärin Sandra Boser und Direktor Eberhard Pfister einig, die Landesförderungen für privat getragene Schulen. Man begrüße in Stuttgart die Vielfalt der Bildungslandschafts und betrachte dabei die "Privaten" mit zehn Prozent Schüleranteil in Baden-Württemberg längst nicht mehr als Konkurrenz der öffentlich getragenen Bildungseinrichtungen, so Boser.

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