Ettenheim Musiksommer: Improvisationen am Hammerklavier

Ausdrucksstark und spontan: Jermaine Sprosse spielte beim Musiksommer auch Eigenkompositionen am Hammerflügel und ging immer wieder auf das Publikum ein. Foto: Decoux-Kone

Ettenheim - Auch wenn einige Stühle im Bürgersaal unbesetzt blieben, erwartete die Zuhörer ein besonderer Konzertgenuss. Im Rahmen des Ettenheimer Musiksommers begeisterte Jermaine Sprosse am Hammerflügel.

Jermaine Sprosse spielte nicht nur Werke von Joseph Haydn und Friedrich Wilhelm Rust, sondern auch eine eigene Sonate. Darüber hinaus begeisterte er sein Publikum mit Improvisationen nach spontanen Gästewünschen.

Als Zeitgenosse Haydns ist der einstige Dessauer Hofmusikdirektor Friedrich Wilhelm Rust heutzutage nicht mehr übermäßig bekannt. Auch nicht seine "Claviersonata in G-Moll".

Mit ganzem Körper taucht er in die Musik ein

Genau die brachte Sprosse mit Dynamik in den Bürgersaal zurück. Schon das Allegro Brillante von Rust fordert nicht nur hohe Virtuosität am Hammerklavier als Vorläufer moderner Konzertflügel, sondern auch besondere Ausdrucksstärke. Quirligem Einstieg mit zwischendurch kurzen, verhalteneren Akzenten folgte ein zartes, filigranes Adagio sostenuto. Das lebhafte Alegretto wiederum begeisterte mit verspielten musikalischen Überraschungen – von Sprosse nicht minder souverän und überzeugend interpretiert.

Der 36-Jährige energiegeladene "Tastenakrobat" stellte mit anschließend vom Publikum geäußerten "Affektwünschen" sein großes Improvisationstalent unter Beweis. Dafür ist er in der Konzertszene besonders bekannt. So ließ Sprosse "Extempore" (aus dem Stegreif) stichwort-aufnehmend etwa einen "Sturm auf Haiti" losbrechen oder setzte "Frühling und Herbst" klassisch-musikalisch um.

Erste Bravo- Rufe waren die verdiente Konsequenz. Auch bei Joseph Haydns Sonate "Divertimento" in D-Dur war es eine Lust, dem Künstler zuzuhören. An seiner ausdruckstarken Körpersprache und Mimik ließ sich ablesen, wie stark er in die Musik eintaucht. Nach dem verspielten Moderato stieg Sprosse in das vielfach variierte flinke Presto ein.

Nach der Pause kam Wilhelm Friedemann Bach zu Gehör, einstiger Kompositions- und Klavierlehrer Rusts. Auch in dessen eher zarte Polonaise in E-Moll fühlte sich Sprosse mit großer Emotion ein – und setzte noch eins drauf: mit einer seiner eigenen Sonaten. "Tre Sonate per il Cembalo o Fortepiano", der Sonata 1 in C-Dur, begeisterte die Konzertbesucher. Schon im Allegro schlug Sprosse klassische Spannungsbögen. Schließlich ein wirbelndes Rondo mit Tempi-Effekten vom Feinsten, samt klassischen Schluss.

Zwischen unvermeidlichen Zugaben entwickelte sich im Anschluss noch ein originelles Gespräch mit den Zuhörern. Auch da erwies sich Sprosse als spontaner, ungekünstelter und mit Humor gesegneter Vollblutmusiker.

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