Ettenheim Mehr als nur die kleine Schwester

Die neue Breisgauer Weinprinzessin Claudia Vetter wird ein Jahr lang Weine, Winzer und die Region repräsentieren. Dabei kann sie auf die Erfahrung ihrer Schwester Isabella zurückgreifen, will aber kein Abklatsch der einstigen Weinkönigin sein.

Herbolzheim. Es ist ganz einfach, mit der frisch gekürten Hoheit ins Gespräch zu kommen. Man konnte sie in den Tagen nach ihrer Krönung am 17. August täglich auf dem Breisgauer Weinfest in der Emmendinger Innenstadt treffen. Am Stand ihrer Heimatgenossenschaft, der Bleichheimer Winzer etwa. Aufgeschlossen erklärt Claudia Vetter, dass sie erst vor acht Wochen den Entschluss fasste, um das Amt der Breisgauer Weinprinzessin zu kandidieren. Seit ihre große Schwester Isabella das Amt innehatte, sind immerhin vier Jahre vergangen.

Die 19-Jährige hatte gezögert, weil sie nicht nur als kleine Schwester wahrgenommen werden möchte. Als sie ihren Entschluss in der Familie verkündete, habe es ihre Mutter Rosemarie erst für einen Scherz gehalten, wurde aber schnell eines Besseren belehrt, als Claudia ernsthaft an die Vorbereitung ging. Mit dem Arbeitgeber, der katholische Gesamtkirchengemeinde Freiburg, musste die Kauffrau für Büromanagement zunächst Einvernehmen erzielen. Auf dem Arbeitszeitkonto hat sie nach und nach ein Guthaben angespart. Der Arbeitgeber freue sich mit ihr, sagt Claudia Vetter, und werde sie bei ihren rund 80 Terminen unterstützen.

Die Stunden in den Reben der Familie, die so manches Mal das Schwimmbad als Alternative doch viel attraktiver erscheinen ließen, kommen ihr nun zugute. Und natürlich war die Unterstützung der großen Schwester bei der Vorbereitung auf die Fragen der neunköpfigen Jury, sehr willkommen. Eine halbe Stunde lang musste sie Fragen aus Theorie und Praxis der Weinwirtschaft beantworten und sich selbst präsentieren. Einen ihr unbekannten Wein galt es zu beschreiben und zu bestimmen. Am Ende setzte sie sich mit knappem Vorsprung gegen eine Mitbewerberin aus dem südlichen Breisgau durch – und Claudia Vetter durfte das Breisgauer Weinfest als Weinprinzessin eröffnen.

Neue Trends stehen im Fokus ihrer Arbeit

Die neue Regentin, die in ihrer Freizeit in der Winzerkapelle in Köndringen das Eufonium spielt ("eine kleine Tuba"), ist merklich stolz und voller Vorfreude auf die Aufgabe. Der Start in die Prinzessinnen-Zeit war während der Weinfesttage voll mit guten Wünschen bekannter und unbekannter Menschen, die sie tief berührt haben. Voller Elan und Engagement möchte sie in den kommenden 360 Tagen für die Breisgauer Winzer und ihre Weine eintreten, sagt die Hoheit. Vor allem junge Leute möchte sie für den Breisgauer Wein gewinnen. Der überzeuge mit seiner Qualität und Vielfalt Weingenießer und solche, die es noch werden können, ist sich Claudia Vetter sicher. "Weingenuss ist Bestandteil der badischen Lebensart oft und gern im Kreis von guten Freunden."

In ihrer Amtszeit werde sie auch besonders auf neue Trends eingehen. Viele Veranstaltungen und Weinevents zeigten ein modernes Bild der Breisgauer Weine. So beispielsweise im Weingut Weber, bei "Wein-Kult" und "Weißweinparty" oder im Kenzinger Weingut Jägle bei "Wein und Gin", wie Claudia Vetter hervorhebt. Auch die Winzergenossenschaften erzeugten Weine in sehr guten und prämierten Qualitäten.

Am Breisgau schätzt Claudia Vetter besonders die sich bei "Spaziergängen erschließende wunderbare Landschaft mit atemberaubender Aussicht in die Rheinebene oder bis in den Elsass" – Gelegenheit für ein Picknick mit Freunden bei einem Glas Breisgauer Wein. Ihr Lieblingswein ist ein Muskateller, lieblich ausgebaut. Für Liebhaber trockener Weine empfiehlt sie einen Grauburgunder aus dem Bleichtal, der sich durch ein tiefes Aroma auszeichne.

Ob sie im nächsten Jahr als badische Weinkönigin kandidieren wird und damit ihrer Schwester, die das Amt 2016/17 inne hatte, nacheifert, sei aktuell noch offen, sagt Claudia Vetter. Die 19-Jährige möchte sich in diesem Jahr voll und ganz dem Breisgauer Wein widmen und sich dann entscheiden, ob sie nach Höherem strebt.

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