Herbolzheim Markenstreit T1tan: "Wenn es sein muss, bis zum BGH"

"T1tan"-Geschäftsführer Matthias Leibitz Foto: Seeger/Eisenhuth

Herbolzheim/München - Im kuriosen Namensstreit zwischen Oliver Kahn und dem Torwarthandschuh-Hersteller "T1tan" bahnt sich eine Einigung an. Dass das Herbolzheimer Unternehmen klein beigibt, darauf sollte der Ex-Nationalkeeper und heutige TV-Experte aber nicht hoffen.

Nein, der große Kahn war am Dienstag nicht persönlich aufgetaucht, um der Verhandlung im Münchener Landgericht beizuwohnen. Wie zu erwarten, hatte der Kläger einen Abgesandten geschickt. Der dürfte nach knapp drei Stunden ein Unentschieden vermeldet haben. Der amüsante, mitunter absurd anmutende Rechtsstreit geht, um im Bild zu bleiben, in die Verlängerung.

Die Geschichte dahinter sorgte im Vorfeld des Gerichtstermins für Schlagzeilen, füllte gleichermaßen die Spalten von Sportmagazinen und Klatschblättern. Kahn hatte von dem Herbolzheimer Startup "T1tan" gefordert, sich umzubenennen und ihm 250 000 Euro Schadenersatz zu bezahlen. Der 49-Jährige besitzt nach seiner und der Ansicht seiner Anwälte ältere Rechte an dem Namen Titan, den ihm einst der Boulevard wegen seiner herausragenden Paraden im Bayern- und DFB-Tor verpasst hatte. Die Gegenseite in Person von Geschäftsführer Matthias Leibitz sieht das freilich ganz anders: Als er sein Unternehmen 2013 so genannt habe, sei Kahn schon längst in Fußballerrente gewesen, Titanen zwischen den Pfosten habe es davor und danach viele gegeben.

Verhandlungen auf dem Gerichtsflur

Wer sich am Ende als Sieger wähnen darf, sollte es einen solchen in dem bizarren Zwist überhaupt geben können, wird sich zeigen. Am Dienstag wurde die Verhandlung auf Vorschlag der Vorsitzenden Richterin kurzerhand unterbrochen, der Kampf der Titanen auf den Fluren des Gerichtsgebäudes fortgesetzt. Man strebe eine gütliche Einigung an, ließen die Parteien nach viel Pendeldiplomatie wissen. Frei aus dem Juristendeutsch übersetzt, heißt das: Der Namensstreit geht weiter, allerdings (vorerst) nicht mehr unter den Augen von Justitia.

Der genaue Zwischenstand ist am Tag nach dem ersten Schlagabtausch nicht zu ermitteln. Kahns Seite behält den Maulkorb, den sie sich seit der Klageerhebung im April selbst angezogen hat, an. Die negative Publicity rund um den Prozess kann dem Mann, dem Ambitionen – und gute Chancen – auf ein hohes Amt beim FC Bayern nachgesagt werden, nicht schmecken.

Leibitz hatte im Vorfeld mächtig für sein "Baby" getrommelt, muss nun aber auch den Pegel runterfahren. Über die Inhalte des jüngsten Austauschs sei Stillschweigen vereinbart worden, erklärte er auf Nachfrage der Lahrer Zeitung, ohne unzufrieden mit dem Arrangement zu klingen.

Komplett lässt sich der 35-Jährige den Mund aber nicht verbieten. Über die sozialen Netzwerke wandte sich der Ringsheimer am Dienstag an seine Kunden: Ein "erster Schritt, damit euch ›T1tan‹ erhalten bleibt", sei gemacht.

Ergebnis soll im März verkündet werden

Die Kahn-Anwälte hätten "eine außergerichtliche Einigung thematisiert". Leibitz und sein Team seien "faire Sportsmänner und "immer gesprächsbereit". Nun hieße es abwarten, was die Gegenseite vorschlägt, "der Ball liegt jetzt bei Kahn".

Sollte er sauber zurückgespielt werden, gut. Wenn nicht, will Leibitz weiterkämpfen für seine Marke, "wenn es sein muss, bis zum BGH". Soweit ist es freilich noch nicht, die Verlängerung hat ja gerade erst begonnen. Deren Ergebnis will das Gericht Anfang März verkünden.

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