Ettenheim Kein Fleisch, kein Plastik, keine Ballons

Die Heimschüler haben’s probiert: Lasagne schmeckt auch ohne Fleisch. Foto: Schule Foto: Lahrer Zeitung

Ettenheim (red/fx). Ein Schritt zu mehr Klima- und Umweltschutz: Seit Anfang des Monats gibt es in der Mensa der Ettenheimer Heimschule St. Lan­dolin an einem Tag in der Woche ausschließlich vegetarische Speisen.

"Was hat mein Schnitzel mit dem Klimawandel zu tun?" Unter dieser Leitfrage informierten sich alle Klassen an einem Aktionstag über die Bedeutung von Fleischproduktion und -konsum für den Klimawandel. Bereits auf dem Weg ins Klassenzimmer nahmen die meisten Schüler wahr, dass an diesem Tag etwas anders war: Ein Globus in der Mensa, dazu verschiedene Stellwände zum Thema Klimaschutz. Im Unterricht lieferten dann Infovideos und Texte wichtige Fakten, etwa welche Folgen die Brandrodung von Wäldern zur Gewinnung von Weideland hat und es gab Raum sich darüber auszutauschen.

Ziel des Aktionstags war es, für die Gründe zu sensibilisieren, aus denen ab nun das Mensaangebot einmal in der Woche – an wechselnden Wochentagen – fleischfrei sein wird, so die Schule. An diesem Tag wurden zum Beispiel Rührei-Brötchen und Veggie-Burger anstelle von Fleischkäse und Schnitzel-Brötchen als Pausensnacks angeboten. Zum Mittagessen hatte das Küchenteam rund um Küchenleiter Uwe Zimmermann Gemüselasagne und Champignon-Risotto mit Gemüse und Trüffelsauce auf den Speiseplan gesetzt.

Die Änderung war ein zen­trales Gesprächsthema des Tages und natürlich stellte sich auch einigen Schülern die typische Frage beim Abschied von lieb gewonnenen Gewohnheiten: "Muss das wirklich sein?" Ihnen konnte gesagt werden, dass tatsächlich die ganze Schulgemeinschaft an dieser Entscheidung mitgewirkt hatte. Die erste Idee entstand im vergangenen Schuljahr in der damaligen G 6d. Angeregt von der "Fridays for Future"-Bewegung diskutierte die Klasse mit ihrem Englischlehrer Carsten Ernst über Möglichkeiten, selbst etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen.

Maßnahmen werden kontrovers diskutiert

Mit ihrer Idee eines fleischfreien Tages in der Mensa wandten sie sich an die "Welt-fair-Änderer"-AG um Eugenia Escobar und Jens Müller – gemeinsam formulierten sie einen Antrag für die Schulkonferenz. Dort stellten die damaligen Sechstklässler ihr Konzept vor und gewannen die Vertreter der SMV, des Elternbeirats, der Lehrerschaft und die Schulleitung für ihr Anliegen. Auch Küchenchef Zimmermann steht hinter der Innovation und freut sich darauf, gemeinsam mit seinem Team die junge Kundschaft seiner Mensa nach und nach mit leckerer vegetarischer Küche vertraut zu machen.

Weiter Änderungen: In der Mensa wird auf Plastikverpackungen und Einwegbecher am Kaffee-Automaten verzichtet, Massenstarts von Luftballons zu besonderen Ereignissen werden durch andere gemeinschaftsstiftende Aktionen ersetzt und einwöchige Klassen- und Studienfahrten werden nicht länger mit dem Flugzeug unternommen.

Über viele Maßnahmen wurde laut Schule kontrovers diskutiert, letztlich aber habe sich immer die Ansicht durchgesetzt, dass es an der Zeit sei, selbst aktiv für den Klimaschutz zu werden und Zeichen der Veränderung zu setzen. Da füge es sich ins Gesamtbild, dass derzeit das bestehende Heizkraftwerk auf dem Schulgelände, das die Heimschule und das benachbarte "Quartier am Ettenbach" mit Wärme versorgt und schon bisher vornehmlich mit Holzhackschnitzeln betrieben wird, um eine Solarthermieanlage erweitert wird, um den Anteil der zur Spitzenlastabdeckung notwendigen Heizölkessel auf zwei bis drei Prozent zu verringern. So könnten 225 Tonnen Kohlenstoffdioxid pro Jahr eingespart werden.

Schulleiter Eberhard Pfister: "Ich meine, dass wir mit all diesen Maßnahmen sicherlich nicht die ganze Welt retten, aber unsere Hauptaufgabe als Schule – die Erziehung unserer Schüler – wahrnehmen, indem wir ihnen Vorbild für einen reflektierten Umgang mit der Schöpfung sind."

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