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Ettenheim "In der alten Tradition der Laienprediger"

Severine Plöse betreut die Prädikanten im hiesigen Kirchenbezirk. Foto: Dekanat

Ettenheim (red/fx). Vor knapp zwei Jahren hat Pfarrerin Severine Plöse die Nachfolge von Pfarrer Frank Schleifer in Ettenheim angetreten. Nun hat die evangelische Pfarrerin auch dessen Amt als Prädikantenbeauftragte der Badischen Landeskirche für die Region Lahr im Evangelischen Kirchenbezirk Ortenau übernommen. Im Gespräch berichtet Pfarrerin Plöse über ihre Arbeit als Beauftragte für den Prädikantendienst und dessen Stellenwert in der Region.

 

Frau Plöse, wer möchte Prädikant werden?

Die Grundvoraussetzung für den Prädikantendienst ist die Freude an der Weitergabe des christlichen Glaubens und an der Gottesdienstgestaltung. Die Interessenten habe eine hohe Verbindung zur Kirche. In der Region Lahr haben wir momentan 15 Prädikanten, die Pfarrer in Vakanz- und in Urlaubszeiten vertreten. Wir haben Prädikanten aus den verschiedensten Berufsfeldern – unter anderem sind Polizisten, Erzieherinnen oder auch Krankenpfleger dabei.

Welche Voraussetzungen muss man für das Amt erfüllen?

Theoretisch kann jedes Gemeindeglied als Prädikant mit Aufgaben des Predigtamts beauftragt werden. Ich bin die Ansprechpartnerin bei Interesse am Prädikantenamt. Einige besondere Kriterien sollten erfüllt sein, beispielsweise eine christlich geprägte Lebensführung, hinreichende Lebenserfahrung, psychische wie physische Belastbarkeit und auch die Bereitschaft zur regelmäßigen Teilnahme an Fortbildungsangeboten. Prädikanten sind Menschen, die nicht Theologie studiert haben. Sie erhalten deshalb eine fundierte und intensive theoretische und praktische Ausbildung, um Gottesdienste zu halten sowie Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen. Nach erfolgreicher Teilnahme an der Ausbildung erfolgt die befristete Beauftragung für zunächst sechs Jahre durch den Landesbischof.

Was ist der Schwerpunkt ihrer Aufgabe als Prädikantenbeauftragte?

Ich begleite die Prädikanten nicht nur während der Ausbildungszeit, sondern wir treffen uns regelmäßig zum Austausch und Fortbildungen im kleinen Rahmen. Falls Unsicherheiten oder Unklarheiten bei der Gestaltung von Gottesdiensten oder Predigten auftreten, bin ich als Ratgeberin stets ansprechbar.

Welchen Stellenwert hat für Sie das Prädikantenamt?

Einen sehr hohen Stellenwert. Zum einen aus pragmatischer Sicht, denn Prädikanten vertreten die Hauptamtlichen bei Vakanzen, im Urlaub oder an freien Tagen. Zum anderen kommen diese Menschen aus ganz anderen Umfeldern, anderen Lebensumständen als Pfarrer und füllen mit diesem Hintergrund Gottes Wort. Für mich persönlich ist die Arbeit mit Prädikanten sehr bereichernd. Das Prädikantenamt ist dabei keine moderne Erfindung. Es steht in der alten Tradition der Laienprediger und nimmt den Gedanken des Priestertums aller Gläubigen ernst. Dieser war für Martin Luther ein wichtiger Grundsatz und ist Teil des Selbstverständnisses der evangelischen Kirche.

INFO

Zur Person und zum Amt

> Severine Plöse, Jahrgang 1975, wurde in Singen am Hohentwiel geboren. Aufgewachsen ist sie auf der Höri am Bodensee. Sie studierte Theologie in Bethel, Leipzig und Edinburgh, seit 2005 ist sie Pfarrerin und seit 1. September 2015 in Ettenheim tätig. Plöse ist verheiratet und hat drei Kinder.

> Das Prädikantenamt existiert seit 76 Jahren in der Badischen Landeskirche. Rund 500 Prädikanten leiten jährlich mehr als 7700 evangelische Gottesdienste in Baden, das sind etwa 15 Prozent aller Gottesdienste innerhalb der Landeskirche.

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