Ettenheim "Ich schlag’ den Star – im Rollstuhl" - Ettenheimer fordert Promis heraus

Alexander Subat vor der Herbolzheimer Disco Atlantis. Dort arbeitete er fast 20 Jahre lang als Türsteher. Jetzt will er seine körperliche Fitness nutzen, um im Fernsehen einen Promi herauszufordern. Foto: Archivfoto: Decoux-Kone

Ettenheim - Alexander Subat will, was viele wollen – im Fernsehen Geld verdienen. Was ihn von den meisten unterscheidet: Er will es nicht nur für sich tun, sondern für eine große Gruppe von Menschen. Der Ettenheimer sitzt seit seiner Kindheit im Rollstuhl.

Bisher kein Rollstuhlfahrer in der TV-Show

"Schlag den Star, schlag diesen, schlag jenen. Alles bekannt", sagt Alexander Subat. "Doch ich habe dabei eines noch nie gesehen: einen Rollstuhlfahrer. Warum eigentlich nicht?" Die Frage richtet der 48-jährige Ettenheimer seit Dienstagnachmittag an seine (virtuellen) Freunde.

Subat hat bei Facebook ein Video gepostet, das ihm helfen soll zu schaffen, was ihm auf konventionellem Weg bislang verwehrt blieb.

Aussicht auf großen Gewinn

Spielshows boomen. Spätestens seit Stefan Raab samstagabendlich vor einem Millionenpublikum Kraft, Geschicklichkeit und Wissen mit "Normalos" gemessen hat – und diese im Falle eines Triumphs einen stattlichen Gewinn einstrichen.

Die Original-Show läuft zwar seit einer Weile nicht mehr, doch die Ableger sind ungezählt. "Ich habe mich schon oft um eine Teilnahme in einer Sendung beworben, aber immer nur Absagen erhalten." Subat sagt nicht, dass es an seiner "besonderen Situation" liegt, dass man ihn noch nicht über die Mattscheibe hat flimmern sehen. "Ich hatte halt bislang kein Glück. Aber es wäre schon ein Signal, wenn man mich mal einladen würde."

Kämpfer mit Humor

Als er ein Jahr alt war, sei ihm eine Spritze falsch gesetzt worden, sagt Subat, mit fatalen Folgen: Querschnittssyndrom. Weitere Schicksalsschläge folgten. Wegen Infektionen musste ihm 1999 ein Bein abgenommen werden, 2014 verlor er das zweite.

Seinen Humor hat er behalten: "Ich musste mich immer durchs Leben kämpfen", sagt Subat lachend, "das sind doch die besten Voraussetzungen, um einen Promi im Fernsehen herauszufordern."

Hälfte der Prämie spenden

Dass es bei den einschlägigen TV-Formaten Geld zu gewinnen gibt, sei "ein schöner Nebeneffekt", sagt der Vater einer kleinen Tochter. "Ich habe gerade ein Haus gebaut, ich könnte eine kleine finanzielle Hilfe gebrauchen."

Für sich behalten würde er aber nur die Hälfte der Siegprämie, erklärt Subat, den Rest für einen guten Zweck spenden. "Wichtiger als die Kohle ist für mich, dass das Wort Inklusion dann endlich mal mit Leben gefüllt würde", sagt er im Gespräch mit der LZ.

Nach Worten auch Taten folgen lassen

Reden ist Subat nicht genug. Seit vielen Jahren engagiert er sich beim TC Lahr in der Abteilung Rollstuhltennis. Im vergangenen Jahr verpasste er bei den Kommunalwahlen knapp den Sprung von der CDU-Liste in den Ettenheimer Gemeinderat.

"Es ist mir ein großes Bedürfnis, mich für Behinderte einzusetzen, auch und gerade hier bei uns zu Hause."

Fast 20 Jahre Personenschützer

Der gebürtige Ettenheimer ging schon immer den etwas anderen Weg. Trotz seines Handicaps arbeitete er fast 20 Jahre als Türsteher in der Herbolzheimer Kult-Disco Atlantis. "Ich bin von Haus aus Personenschützer, das war immer schon mein Ding."

Den passenden Oberkörper, breite Schultern, kräftige Arme, bringt Subat mit. Die Folge eines Lebens ohne Beine – und noch etwas, das ihn für die Teilnahme an einer Spielshow prädestiniert.

"Ich spiele Tennis, fahre Gokart und von mir aus auch den Streitberg im Rollstuhl hoch, ich bin für alles bereit", sagt der Ettenheimer, dem bei seiner Bewerbung auch die Unterstützung seiner Heimatstadt willkommen wäre. "Wer weiß, vielleicht steigt auch der Europa-Park ein, Know-how und In­frastruktur wären da."

Kein Mitleid, sondern Respekt

Subat will kein Mitleid, sondern ernst genommen werden. "Überall bekommt man ein freundliches Lächeln, wenn man von seinen Plänen erzählt, aber oft bleibt das Gefühl zurück, dass die wenigsten wirklich an einen glauben." Vor einiger Zeit hat er ein eigenes Label erfunden, das er auch auf seiner Kleidung trägt: RFO, Rollstuhlfreunde Ortenau.

Eigenes Label erfunden

"Es wäre super, wenn sich daraus eine richtige Gemeinschaft entwickeln würde." Bedarf sieht er: "Es gibt viele, die nicht wissen, wo es barrierefreie Restaurants gibt oder wo sie eine behindertengerechte Küche herbekommen. Denen könnte in der Grupe geholfen werden." Für ihn persönlich, sagt Subat, stehe fest: Die Zeit als "Quoten-Rollstuhlfahrer" soll vorbei sein: "Ich will eine echte Chance."

Facebook-Post bekommt große Aufmerksamkeit

Geht es nach den Facebook-Nutzern, bekommt er sie. Innerhalb von nicht einmal 24 Stunden wurde Subats knapp siebenminütiges "Bewerbungsvideo" mehr als 400 Mal geteilt – eine stolze Zahl. Viele haben gleich die großen TV-Sender wie RTL, Sat. 1 und ProSieben verlinkt.

Genau darauf hat es der 48-Jährige angelegt: "Ich muss den Weg an die Öffentlichkeit, in die Offensive gehen." Die Reaktionen sind bislang ausnahmslos positiv (siehe Info). Jetzt muss nur noch die richtige Stelle auf den Ettenheimer aufmerksam werden.

Einladung ist noch kein Sieg

Subat weiß, dass er – sollte er tatsächlich ins Fernsehen eingeladen werden – noch nicht gewonnen hat. "Wenn ich verliere, ist es eben so. Aber ich werde trainieren wie ein Ochse. Wenn es sein muss, ziehe ich auch ein Auto hinter mit her."

Eins könne er versprechen, sagt Subat: Wer ihn besiegen will, muss hart dafür kämpfen. "Ich schlag’ den Star – auch im Rollstuhl."

Das sind die Reaktionen aus dem Netz

  • "Soooo eine geile Idee – dein Lebensmut und dein Elan begeistern mich immer wieder." "Gebt dem Guten eine Chance und er wird beweisen, dass auch im Rollstuhl vieles klappt."
  • "Geteilt auf allen Kanälen. Hau rein!"
  • "Ich drück’ dir beide Daumen, dass es klappt. Und dann noch gewinnst, ich gönn’ es dir."
  • "Na da hast du aber mal einen rausgehauen ... Chapeau! Drück’ dir die Daumen."
  • "Wünsche dir viel Kraft. Du schaffst das."
  • "Hallo Herr Subat, wir kennen uns persönlich nicht, ich habe ihren Post geteilt."
  • "Also, das wäre doch super und für jeden Sender interessant."
  • "Wenn es dann geklappt hat, lass es uns bitte hier wissen. Denn sicher wollen dir viele Menschen zusehen. Und endlich wäre es dann mal wieder spannend, ›Schlag den Star‹ zu schauen."
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