Infoveranstaltung zum Bürgerentscheid in Ettenheim Großer Redebedarf zur Badwiese

Ettenheim - Die Ettenheimer stimmen am 1. August per Bürgerentscheid darüber ab, ob die Badwiese in Ettenheimmünster bebaut werden soll oder nicht. Bei der Infoveranstaltung vorab machten nicht nur die offiziellen Vertreter ihre Positionen deutlich.

120 Gäste hätten teilnehmen können, 72 nutzten die Möglichkeit, sich aus erster Hand über die einzelnen Positionen zur Badwiese zu informieren – das dafür aber umso interessierter, wie es schien. Die Fragerunde geriet mit einem guten Dutzend Beiträgen genauso lang wie der offizielle Teil. So mancher Besucher meldete sich gar mit verschiedenen Fragen oder Erwiderungen auf andere Beiträge leidenschaftlich mehrmals zu Wort.

 Eine halbe Stunde für jede Position: Nachdem Moderator Jürgen Fleckenstein, Professor für Rechts- und Kommunalwissenschaften, an der Hochschule Kehl, den Besuchern die Formalien des Bürgerentscheids erläutert hatte, hatten die beiden Parteien nacheinander jeweils eine halbe Stunde Zeit ihre Positionen zu erläutern, bevor es zu den Fragen ging. Die Stadt schickte dafür mehrere Vertreter ins Rennen, für die Bürgerinitiat sprach Vertrauensperson Michael Anders-Rapp.

Dringender Bedarf an Wohnraum: Die Stadt plant auf der Badwiese einen U-förmigen Bau mit 16 Wohnungen zu errichten, von denen einige nur mit Wohnberechtigungsschein bezogen werden sollen.  Bürgermeister Bruno Metz verwies auf den dringenden Bedarf an Wohnraum, die Nachfrage sei "noch nie so hoch wie jetzt" gewesen. Keine seiner Sprechstunden vergehe, ohne dass das Thema zur Sprache komme, zum Teil steckten "Schicksale, die ans Herz gehen" dahinter. Der Neubau auf der Badwiese sei vielfach beraten worden und werde dringend benötigt.n Zuzug erwünscht: Auch Ortsvorsteherin Rita Ohnemus bestätigte, dass die Wohnungsnot groß sei, besonders in Hinblick auf Ältere, die sich verkleinern wollten. Zudem sei sie der Meinung, dass dem Ort und den Vereinen "Zuzug gut tut".

 Orientierung an umliegender Bebauung: Architekt Bernd Billharz erläuterte, dass sich der geplante Neubau an den benachbarten Gebäuden der Aczepta und der Münstertalstraße orientiere. Die U-Form des Gebäudes spiegle die der Aczepta gegenüber wieder, der Anteil an bebaubauter Fläche und die Firsthöhe seien niedriger als die der umliegenden Grundstücke. Zudem habe man große Freiflächen gelassen und die verbleibende Wiese auf der Rückseite des Gebäudes werde weiterhin der Öffentlichkeit zugänglich bleiben.

 Herzensangelegenheit der Stiftung: Thomas Breyer-Mayländer erklärte den Besuchern in seiner Funktion als Stiftungsleiter der Maria-Furtwängler-Stiftung deren Grund sich für das Projekt zu engagieren: Zum einen brauche man in Zeiten der Null-Zins-Politik ein Investitionsobjekt, zum anderen, sei das Projekt "eine Herzensangelegenheit" des Stiftungsrats, weil es dem Ort zugute komme. Marion Fleig als Vertreterin des Gemeinderats betonte, dass die Räte ihr Möglichstes getan hätten, um Einzelinteressen gegen die Belange der Bevölkerung abzuwiegen.

Historische Bedeutung der  Badwiese: Die Bürgerinitiative sei nicht gegen den sozialen Wohnungsbau, war es der BI-Vertrauensperson Michael Anders-Rapp wichtig zu betonen. Allerdings sei die Badwiese historisch zu bedeutend, um sie zu bebauen. Er betonte, dass sie mit dem Gast- und Badhaus des Klosters eine mehr als 300-jährige Geschichte verbinde. Zusammen mit den Resten der Klosteranlage und der Wallfahrtskirche bilde sie deshalb "das geschichtliche Erbe Ettenheimmünsters" und sei unbedingt schützenswert. Das habe auch das Landesdenkmalamt so gesehen, als es das gesamte Ensemble inklusive Badwiese als "Kulturdenkmal" ausgewiesen habe. Würde die Wiese wieder als Obst- oder Baumgarten hergerichtet, könne er sich vorstellen, dass sie sich zusammen mit den historischen Gebäuden zur Touristenattraktion entwickeln würde.

 Massiver Eingriff ins Ortsbild befürchtet: Was sich rein rechnerisch in die Bebauung einfüge, werde in der Praxis "ein massiver Eingriff ins Ortsbild" sein, befürchtete Anders-Rapp. Das Gebäude werde in seinen Augen auf den Betrachter "abweisend und kalt" wirken. Er sehe in Ettenheimmünster eine Vielzahl anderer Möglichkeiten Wohnprojekte zu verwirklichen. Zudem verwies er darauf, dass der Ort von der Infrastruktur her nicht für eine solche Anzahl an Neubürgern ausgelegt sei – sei es in Sachen Internetanbindung, Nahverkehr, Einkaufsmöglichkeiten oder Kitas.

Projekt für  "Mitte der Gesellschaft": Eine Zuhörerin beklagte, dass mit dem Bau in Ettenheimmünster "Leute billig und einfach ins Abseits gedrängt" würden. Statt schnöder Wohnungen hätte sie sich eher ein Mehrgenerationenhaus vorstellen können. Bürgermeister Metz betonte jedoch, dass es sich zwar um ein "soziales Wohnprojekt" handle, dieses aber das bislang hochwertigste Projekt der städtischen Wohnbau sei und "die Mitte der Gesellschaft" im Blick habe: "51 Prozent der Deutschen haben ein Anrecht auf den Wohnberechtigungsschein", machte er deutlich. Zudem werde nicht nur in Ettenheimmünster, sondern in allen Ortsteilen und auch in der Kernstadt Wohnraum geschaffen, etwa durch Innenraumverdichtung.

Keine Bebauung des Klosterareals: Viele Fragen zielten darauf ab, ob man die Badwiese als grüne Oase kultivieren statt bebauen könnte. Es gebe in und um Ettenheimmünster genug Naturerholungsraum, entgegneten Ohnemus und Metz. Zudem müsste ein solches Projekt jemand in die Hand nehmen – und da sei niemand bekannt. Außerdem setzte sich Metz mit der Frage auseinander, ob die Stadt langfristig plane auf dem Klosterareal oder anderswo in Ettenheimmünster zu bauen. "Nein, weitere Pläne gebe es nicht", machte er deutlich. Besonders das Kloster sei ein "Juwel für die Stadt, das es zu erhalten gilt", zudem bestehe dort Grabungsschutz.

"Sind Sie für den Erhalt der Badwiese als Freifläche und somit gegen die geplante Bebauung der Badwiese?", so lautete die Frage, über die die Ettenheimer am Sonntag, 1. August, entscheiden. Wer sich der Position der BI gegen die Bebbauung anschließt, muss mit "Ja" stimmen, wer für die Position der Stadt für eine Bebauung ist, muss mit "Nein" stimmen. Wichtig ist, dass möglichst viele zur Wahl gehen, denn nur wenn das sogeannte Quorum von mindestens 20 Prozent der Stimmberechtigten erreicht wird, ist der Entscheid auch gültig. Ansonsten entscheidet der Gemeinderat.

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