Ettenheim Gottesdienstblätter, Hirtenfeuer und Lichtertüten

Ettenheims evangelische Pfarrerin Severine Plöse mit den Licht-Tüten, deren Inhalt zu Weihnachten eine Andacht zu Hause ermöglichen sollte. Foto: Masson

Ettenheim - In der Corona-Pandemie für die Gläubigen da sein, ist aufgrund der eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten auch für die Kirche nicht leicht. In Ettenheim hatte die evangelische Kirchengemeinde im Laufe des Jahres verschiedene Gottesdienstarten und Konzepte ausprobiert, um den Gemeindemitgliedern eine Anlaufstelle zu geben und mit ihnen gemeinsam zu feiern.

Schon früh habe man sich überlegt, was man anders und neu machen könne – auch, aber nicht nur wegen der Corona-Einschränkungen, berichtet Pfarrerin Severine Plöse. So wurden seit vorigen März Gottesdienstblätter unter dem Motto "Sonntags Zuhause" angeboten, in der Christuskirche selbst hingegen nur noch kurze Gottesdienste unter strengen Auflagen mit weiten Abständen und Gesichtsmasken abgehalten.

Kirchengemeinde hat versucht untereinander Verbindung zu halten

Dennoch habe man in der Kirchengemeinde versucht, untereinander Verbindung zu halten und wenigstens aneinander zu denken, etwa auch mit angebotenen weihnachtlichen "Licht-Tütchen" mit kleiner Papp-Krippe und besinnlichen Texten für zu Hause.

Dank vieler Helfer und peniblem Schutzkonzept konnte auch ein breites Angebot an realen Zusammenkommen realisiert werden. So hatte das Städtische Gymnasium zu Heiligabend gleich zweimal seinen Schulhof für vorangemeldete Gottesdienstbesucher geöffnet: An die hundert Gläubige nutzten diese Gelegenheit zur Andacht im regnerisch-kalten Freien – über die gleich fünf Viertelstunden-Kurzgottesdienste in der Christuskirche hinaus.

Das Fest sei auch dieses Jahr bunt und vielfältig gefeiert worden. Nur eben anders als sonst, schränkt Pfarrerin Plöse ein. Nämlich angesichts der Corona-Pandemie ohne Krippenspiele, Kirchenkonzerte, Chöre und große Gottesdienste mit Abendmahl.

Abstände wurden von den Besuchern stets eingehalten

Doch nicht nur zu Weihnachten war man in Ettenheim kreativ: Im Mai und später im adventlichem Dezember hatten die Freunde des Prinzengartens die weiträumige Anlage je zwei Mal zur Verfügung gestellt. Dort fand im Juli auch die seit Mai ausgesetzte Konfirmation der ersten Jugendgruppe unter freiem Himmel statt.

Die zweite wurde dann im September in der gastgebenden großräumigen Altdorfer katholischen Kirche gefeiert. Der Kirchengemeinde vorgestellt hatten sich die Konfirmanden dann Monats drauf abstandsgerecht im Freien auf dem Heuberg.

Zwei Mal trafen sich oben auf dem Heuberg auch Ettenheimer Gläubige von Jung bis Alt unter dem Dezember-kalten Abendhimmel zum Hirtenfeuer, überdies auch beim Ettenheimweilerer Weingut Jäger. "Die Leute haben auch das dankbar angenommen", berichtet die Pfarrerin im Rückblick.

Wenngleich der Abstand eingehalten werden musste und es kaum Gesprächsmöglichkeiten gab, sei man sich so nicht ganz allein vorgekommen und habe sich wenigstens zuwinken können. "Alle sind sehr vernünftig, hielten und halten sich stets an die vorgegebenen Regeln!", lobt Plöse die Gottesdienstbesucher.

Unglaublich engagiertes Helferteam

Sie dankt auch ihrem "unglaublich engagierten Helferteam" über den aktiven Kirchengemeinderat hinaus, ohne das die besondere Situation nicht zu meistern gewesen wäre: "Das war eine schöne Erfahrung des Zusammenhalts." Auch der neue Konfirmanden-Jahrgang habe sich sehr aktiv in das weihnachtliche Gottesdienst-Geschehen eingebracht.

Generell hatte die Pfarrerin besonders im vorigen Herbst reichlich zusätzliche administrative Arbeit mit der ungewohnten Pandemie-Lage zu bewältigen: "Alles ist aufwendiger geworden", so ihr Resümee. Das gelte auch für die seelsorgerische Arbeit mit eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten. Doch über Telefonate oder Briefe hinaus hätten wenigstens noch einige abstandsgerechte Haustür- oder Terrassenbesuche stattgefunden.

Auch bei Sterbefall-Gesprächen fände man immer eine Lösung: "Wir versuchen uns, der gegebenen Situation anzupassen!" Pfarrerin Plöses versprüht geistlichen Trost: "Gott kommt in die Welt und lässt sich von Widrigkeiten nicht abhalten!" Nun mögen, so ihr Segenswunsch, Körper und Seele gut durch den Winter kommen und alle gesund bleiben.

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