Ettenheim Geschichte greifbar gemacht

Mit großem Interesse betrachteten die Besucher die Originaldokumente, die in der Ausstellung im Museum zu sehen sind. Foto: Birkle Foto: Lahrer Zeitung

Ettenheim (hpb). Mit einem denkwürdigen Gottesdienst hat die Pfarrgemeinde St. Bartholomäus am Sonntag 250 Jahre Grundsteinlegung ihrer Kirche gefeiert. Auch die anschließende thematische Ausstellung im Museum stieß auf großes Interesse.

Sehr viele Gläubige, auch aus den anderen Pfarrgemeinden der Seelsorgeeinheit, waren zum Festgottesdienst gekommen, den Pfarrer Martin Kalt zusammen mit Pfarrer Jörg Sieger und Thomas Dietrich feierte. Es war ein fröhlicher, aber auch mahnender Gottesdienst, mit vielen gemeinsam gesungenen Liedern. Für musikalische Unterhaltung sorgten zudem der Öse-Chor unter der Leitung von Karen Hahn, Reinhard Hahn (Keyboard) sowie Werner Veith (Orgel).

Seit 250 Jahren wird in der neuen Kirche der Glaube gefeiert. Pfarrer Kalt benannte vier Bausteine, die den Glauben ausmachten: offen, ansprechbar, spirituell und einladend sein. Im Anschluss an den Gottesdienst gab es Grußworte und Glückwünsche von Bürgermeister Bruno Metz, Pfarrerin Severine Plöse und Pfarrgemeinderatsvorsitzender Jürgen Bing.

Metz erinnerte daran, dass vor 250 Jahren 300 Familien in Ettenheim lebten, die entscheidend zum Bau beitrugen, sie gemeinsam mit der Stadt und der Spitalstiftung das nötige Geld aufbrachten, sodass nach wenigen Jahren alles bezahlt war. Heute lebten 20 mal mehr Familien in Ettenheim. Die Kirche sei Mittelpunkt im Leben der Menschen, von der Taufe bis zum Abschied.

Pfarrerin Plöse überbrachte die Glückwünsche der evangelischen Kirchengemeinde und überreichte Pfarrer Martin Kalt 250 Steinchen, die gleichzeitig an die Gemeinsamkeit im Beten und Singen erinnern sollen. "Möge die Kirche das Haus der lebendigen Steine in der Gemeinde sein", sagte Plöse. Auch die evangelische Kirchengemeinde soll weiterhin als Gast ein Stein der Kirche sein.

Jürgen Bing stellte fest, dass jeder Mensch zum Bauen der Gemeinde berufen sei – damals, heute und morgen. Glaube, Hoffnung und Liebe seien das Fundament der Kirche, würden Sicherheit und Schutz in der Kirche geben.

Nach den Grußworten eröffnete Pfarrer Kalt im Museum der Stadt unter sehr großem Besucherandrang die Ausstellung "Zeitdokumente Kirche St. Bartholomäus". Eine Vielzahl von Originaldokumenten aus verschiedenen Archiven der Erzdiözese, der Pfarrgemeinden Ettenheim und Kippenheim, aus Privatbesitz und aus dem Generallandesarchiv in Karlsruhe sind dort zu sehen. Zusammen geben sie mit dem eigenes dazu erstellten Ausstellungskatalog einen hervorragenden Einblick in die Zeitgeschichte von vor 250 Jahren. Pfarrer Kalt dankte dem Organisationsteam "Ausstellung" für die intensive Arbeit, die es möglich mache, Geschichte hautnah zu erleben.und ihre Dokumente zu sehen.

Die Ausstellung im Museum ist an folgenden Tagen im September geöffnet: Mittwoch, 12., von 16 bis 18 Uhr, Samstag, 15., von 15 bis 17 Uhr, Sonntag, 16., von 15 bis 17 Uhr, Donnerstag, 20., von 16 bis 18 Uhr und Sonntag, 23., von 15 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Ettenheim (hpb). Die Ettenheimer Pfarrgemeinde feiert am Sonntag, 9. September, 250 Jahre Grundsteinlegung der Kirche St. Bartholomäus. Ab 10 Uhr findet in der Pfarrkirche ein Festgottesdienst statt, ab 11.30 Uhr ist im Museum die Ausstellung "Zeitdokumente Kirche St. Bartholomäus Ettenheim" zu sehen.

Am 6. Mai 1762 gab es eine Visitation des Straßburger Generalvikars und Weihbischofs Tussanus Duvernin. Damals gehörte Ettenheim zur Diözese Straßburg, bis diese nach der französischen Revolution und dem Tod des nach Ettenheim geflüchteten Kardinals Rohan ihre rechtsrheinischen Gebiete abgeben musste. Duvernin stellte fest, dass sich die damalige St.-Martins-Kirche "in einem erbärmlichen Zustand" befand. Per bischöflichem Dekret legte er fest, dass die Ettenheimer Pfarrkirche "in allen Teilen neugebaut und erweitert" werden soll.

Nach erheblichen Schwierigkeiten zwischen Stadt und Kloster – dieses hatte als Zehntherr die Baupflicht für Chor und Turm – erfolgte der Abriss der alten Kirche und am 11. September 1768 die Grundsteinlegung für die neue. Dabei hatten die Ettenheimer Bürger eine Orientierung nach Süden durchgesetzt, entgegen der üblichen Ausrichtung der Kirchen nach Osten. Damit blieb das Gotteshaus mit ihrer prägnanten Fassade über der Stadt weithin sichtbar.

Die Bauplanung hatte Joseph Anton Budtinger aus Straßburg erstellt, die Bauausführung übernahm Franz Joseph Saltzmann. 1769 wurden Langschiff und Fassade errichtet und der Bau von Chor und Turm begonnen. 1771 wurde der erste Gottesdienst gefeiert, noch vor dem Innenausbau mit Gemälden von Johann Anton Morath. 1772 folgte der Hochaltar von Franz Anton Fuchs und das Hochaltarbild von Johann Pfunner, 1776 die Orgel von Ferdinand Stieffell. 1777 schuf Franz Joseph Stöber schließlich die Deckengemälde im Chorraum. Das "Heilige Grab", das dieses Jahr in der Kirche aufgestellt war, wurde 1778 von Johann Pfunner geschaffen. Am 27. August 1782 weihte Duvernin die Kirche.

Nach dem Festgottesdienst wird am Sonntag im Museum im Vereinshaus eine besondere Ausstellung eröffnet. Es werden vor allem Dokumente zur Kirche, zum Kirchenbau und aus der kirchlichen Verwaltung der Jahre 1762 bis 1803 sowie Dekrete und Visitationsberichte aus Straßburg gezeigt. Zu sehen sein werden das älteste Kirchenbuch von Ettenheim (ab 1583), Verordnungen des Bischofs Erasmus von Limburg (1542 bis 1568), Pläne der Kirche, das Mitgliedsbuch der Sebastiansbruderschaft von 1791, die Diarien des Chirurgen Conrad Machleid, das Taufbuch von 1767 bis 1791, das älteste noch vorhandene Kirchenbuch von 1585, Hirtenbriefe von Kardinal Rohan und viele weitere Originaldokumente jener Zeit. Auch Kultgegenstände wie zwei Mon­stranzen von 1837 und 1911, Messgewänder, Steinfiguren von Maria und Johannes (um 1500) werden gezeigt. Schautafeln erinnern über die Aktivitäten und Geschehnisse in neuerer Zeit vor und nach dem Zweiten Weltkrieg.

Zur Ausstellung erscheint eine Begleitbroschüre mit Erläuterungen und Übersetzungen der Originaldokumente.

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