Ettenheim (red/jg). Vertreter der Projektpartner Enercon IPP Deutschland, der Ettenheimer Bürgerenergiegenossenschaft und von Ökostrom Freiburg haben den Genehmigungsantrag für drei Windenergieanlagen in der Ortenau am Mittwoch persönlich beim Landratsamt Ortenaukreis eingereicht. Das teilten die drei Projektpartner der Presse mit. Damit geht eine fast zwei Jahre währende Standortplanung zu Ende. In den kommenden Wochen haben die Träger öffentlicher Belange und sonstige Stellen Gelegenheit, das Windenergieprojekt zu prüfen und ihre Stellungnahme abzugeben. Kommt es zu keinen wesentlichen Verzögerungen, könnte der Windpark Schnürbuck in zwei bis drei Jahren in Betrieb genommen werden. Jeder der drei Projektpartner wird eine Anlage betreiben.nRotorblätter werden knapp 80 Meter Länge messen: Der neue Windpark ersetzt fünf Altanlagen und soll auf Ettenheimer und Kippenheimer Gemarkung errichtet werden. Die Türme der Anlagen werden bis zur Nabe der Gondel rund 166 Meter messen, ein Rotorblatt ist knapp 80 Meter lang. Jedes der Windräder des Typs Enercon E-160 hat eine Leistung von 4,6 Megawatt. "Auf Basis unserer Erfahrungen können wir mit einer Stromproduktion von über 27 Millionen Kilowattstunden rechnen", so Florian Bartsch vom Projektentwickler Enercon IPP. Dies sei vier Mal so viel Strom wie die bisherigen Anlagen produzierten und entspreche dem jährlichen Verbrauch von rund 9000 Haushalten.n Letzte Anlage wird 2022 abgebaut: Bevor der Windpark Schnürbuck in Betrieb geht, werden die fünf bestehenden Anlagen auf den Gemarkungen Ettenheim, Mahlberg und Kippenheim zurückgebaut. Sie haben rund 20 Jahre ihren Dienst getan, sind inzwischen aber technisch veraltet. "Vier der fünf Anlagen werden seit Februar dieses Jahres zurückgebaut. Bis Ende des Sommers werden sie vollständig, inklusive Fundamenten, beseitigt sein", berichtet Andreas Markowsky von Ökostrom. Der Abbau der letzten Anlage wird dann 2022 erfolgen.n Kletterkran soll Wald schonen: Der Eingriff in den Wald sei bei diesem Projekt besonders gering, da überwiegend die vorhandenen Waldwege genutzt werden könnten, erklären die drei Projektpartner. Zudem werde für den Bau der neuen Anlagen ein sogenannter Kletterkran eingesetzt. Dieser rutsche mit dem wachsenden Turm nach oben und brauche so sehr viel weniger Fläche als ein herkömmlicher Schwerlastkran – allein für dessen Ausleger würden rund 2000 Quadratmeter am Boden benötigt. Insgesamt müssten so nur 1,1 Hektar Wald für alle drei Anlagen gerodet werden. Durch den Rückbau der bisherigen Anlagenstandorte können im Gegenzug 0,7 Hektar wieder aufgeforstet werden. Aus Sicht des Naturschutzes gebe es aktuell keine Einwände.n Ausgleichsflächen für Fledermaus und Haselmaus sollen entstehen: Als Ausgleich für den Verlust an Waldfläche schlagen die Gutachter vor, rund 4,3 Hektar Wald auf der Gemarkung Ettenheim zu einem lockeren Mischwald zu entwickeln. Damit werde insbesondere der Verlust der für Fledermäuse wichtigen Lebens- und Nahrungsräume ausgeglichen. Außerdem sei geplant, weitere 2,3 Hektar Wald an verschiedenen Stellen im Ettenheimer Wald so umzugestalten, dass die Haselmaus optimale Lebensvoraussetzungen vorfindet. n Abstand zur Wohnbebauung wird erhöht: Die Reduktion der Anlagenanzahl von fünf auf drei bringt auch Vorteile für die Einwohner der betroffenen Gemeinden mit sich: Der Abstand zur Wohnbebauung in Wallburg, Münchweier, Ettenheimmünster und Schmieheim werde auf rund 2000 Meter erhöht und damit deutlich vergrößert, so die Pressemitteilung. Dadurch sei gewährleistet, dass trotz der höheren Türme weiterhin keine Gebäude in der Umgebung des Windparks von Schattenwurf betroffen sein werden. Auch werde von den Windenergieanlagen, wie bisher, wenig zu hören sein. Die Modellrechnung zeige, dass sich die Schallwerte aufgrund der geringeren Anlagenzahl und des größeren Abstands an vielen Stellen sogar verringern werden.n Ein Windrad ist Mitgliedseigentum der Ettenheimer Bürgerenergie: Jörg Bold, Vorsitzender der Ettenheimer Bürgerenergie, freut sich, dass das Projekt nun auf der Zielgeraden ist und die Genossenschaft eine der Anlage betreiben wird: "Damit bleibt die Wertschöpfung hier vor Ort. Denn das Windrad wird unseren 275 Mitgliedern gehören, die zum überwiegenden Teil aus Ettenheim und der näheren Umgebung kommen."