Ettenheim Gegenkandidat hat keine Chance

Sie bleibt weiterhin Vorsitzende des DIA Südbaden: Simone Schermann und ihr Stellvertreter Robert Krais. Foto: Decoux-Kone

Ettenheim - Fast einstimmig wiedergewählt wurde die bisherige Vorsitzende des Deutsch-Israelischen Arbeitskreises Südbaden (DIA) Simone Schermann auf der Hauptversammlung in Ettenheim. Nur ihr Gegenkandidat Bernhard Pilz stimmte dagegen.

Die Stimmung im Ettenheimer Bürgersaal machte es Bernhard Pilz, Gegenkandidat um den Vorsitz, nicht leicht sich vorzustellen. Schließlich gestand ihm die Vorsitzende Simone Schermann dann doch noch drei Minuten Redezeit zu, die allerdings mehrfach von DIA-Mitgliedern mit teils erregten Zwischenrufen gestört wurde.

Pilz wiederholte den öffentlich geäußerten Vorwurf, dass Schermann Gründungsmitglied der Juden in der AfD (JAfD) gewesen sei, laut ihm einer rechtspopulistischen Splitterorganisation der AfD als Sammelbecken von Ansichten mit rassistischem Ideengut und Islamophobie. Das sei mit den Satzungszielen des DIA nicht vereinbar, nämlich den deutsch-israelischen Dialog zu fördern, Geschichte aufzuarbeiten, Gedenk- und Erinnerungsarbeit zu leisten.

Dem DIA sei damit Schaden zugefügt worden: "Rechtspopulismus verträgt sich nicht mit unseren Idealen", wetterte der Herausforderer. Schermann verlange hingegen unbeirrt weiterhin uneingeschränkte Loyalität zum Staat Israel und meine damit nicht das Volk, sondern die derzeit im eigenen Land heftig kritisierte rechts-orthodoxe Netanjahu-Regierung.

Die Wahlen ergaben: Erste Vorsitzende: Simone Schermann, stellvertretende Vorsitzende: Nelli Parlow und Marc Ehret, Schriftführer: Ulrich Parlow, Kasse: Karl-Friedrich Bayer

Verlierer Pilz zeigte sich über das Wahlergebnis trotzdem nicht überrascht: "Ich habe das genau so erwartet." Die schweigende Mehrheit des DIA, die sich an dessen inhaltlicher Neuorientierung störe, sei leider zur Hauptversammlung schon gar nicht mehr erschienen. Pilz lässt offen, ob er nun ebenfalls aus dem Verein austreten wird, wie etwa schon die langjährigen prominenten Ettenheimer Mitglieder Achim Schwab oder Ehrenbürgerin Margret Oelhoff.

Schermann fühlt sich indessen bestätigt. Nach ihren Angaben seien im Vorjahr keine DIA-Mitglieder (außer durch Sterbefälle) ausgetreten, stattdessen "rund 30" neu gewonnen worden, wie sie auf Anfrage unserer Redaktion mitteilte. Zum Beginn ihrer vorigen Amtszeit habe man rund 70 Mitglieder (derzeit 102) des DIA gezählt.

Vor den Wahlen hatte Schermann im sehr ausführlichen Rechenschaftsbericht zahlreiche Veranstaltungen und auch viele eigene Besuchstermine der vergangenen zwei Jahre akribisch aufgezählt. Etwa über Angriffe auf deutsche jüdische Mitbürger oder eine israelische Ministerin. Kassierer Karl-Friedrich Bayer berichtete von Ausgaben – die Einnahmesumme hatte er allerdings noch nicht zusammengerechnet.

Demnach verfüge der gemeinnützige DIA derzeit über ein Gesamtvermögen von knapp 27 000 Euro. Pilz mahnte dazu eine von der Vorsitzenden "fast vergessene" Aussprache an und stellte die Frage nach rechtlich zulässiger Verwendung von Vereinsmitteln. Ein Mitglied antwortete darauf unter breitem Beifall, der DIA-Vorstand habe umfangreiche Arbeit geleistet, das könne nun mal finanziell nicht immer so transparent sein. Schließlich wurde der Gesamtvorstand einstimmig bei einer Enthaltung entlastet.

Neu für den bisherigen Schriftführer Markus Vögele wurde Ulrich Parlow gewählt. Die künftigen Beisitzer, deren Zahl offen ist, werden noch vom neuen Vorstand bestimmt. Da steht schon jetzt Damian Foitzik-Schermann fest, weitere werden noch gesucht. Robert Krais wurde zudem zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Krais ist seit 1974 Gründungsmitglied des DIA gewesen und hat laut der Vorsitzenden Simone Schermann dort im Vorstand auch als erster und stellvertretender Vorsitzender langjährig maßgeblich mit gewirkt.

Im Vorfeld der Abstimmung referierte der Düsseldorfer Völkerrechtsanwalt Thorsten Kraft.

**Dieser Text wurde nachträglich von der Redaktion verändert, da er inhaltlich nicht in allen Punkten korrekt war.

Vorstand reagiert

Der DIA-Vorstand reagiert in einem Schreiben an unsere Redaktion auf die Berichterstattung über die Versammlung und äußert seine Sicht zu folgenden Punkten:  

Finanzen: Der DIA-Vorstand reagiert außerdem auf den Punkt Finanzen: »Unser Kassenprüfer hat  die satzungsgemäße und ordnungsgemäße Verbuchung der Einnahmen und Ausgaben bestätigt. Die Ausgaben des Vereins wurden detailliert als Einzelpositionen vorgetragen.« Es sei  richtig, dass ein DIA-Mitglied daraufhin bescheinigte, dass das enorme Engagement des DIA sich nicht in Buchungswerten messen lasse. Der tatsächliche Aufwand des Engagements sei weitaus höher, berichtet der Vorstand in seiner Stellungnahme. 

Rederecht: Auch zum schärfsten Kritiker und DIA-Mitglied Bernhard Pilz erklärt sich der Vorstand.  Dieser habe während der Veranstaltung im Ettenheimer Bürgersaal »mehr als ausreichend Redezeit gehabt und diese auch vollumfänglich genutzt«, erklärt der DIA-Vorstand. Pilz sei  durch die Versammlungsleitung im Rahmen seiner Bewerbungsrede mehrfach aufgefordert worden, sich in Persona vorzustellen und seine Ideen für die zukünftige Gestaltung des DIA vorzutragen.  

»Da er es jedoch für opportun hielt, diese Redezeit andersartig zu nutzen, und zwar in der Gestalt, dass er die anwesenden Mitglieder diffamierte und zusätzlich strafrechtlich relevante, verleumderische, nicht erwiesene Vorwürfe gegen nicht Anwesende und nicht dem Verein zugehörige Personen vortrug, wurde ihm das Rederecht nach Ablauf der eingeräumten Redezeit entzogen«, erläutert  der Vorstand in seiner Erklärung zur Versammlung.

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