Ettenheim Ettenheim hat Storchennachwuchs

Über die beim Nest angebrachte Kamera kann man auf dem Fernseher beim Seiteneingang des Rathauses die fünf frisch geschlüpften Storchenküken bewundern. Foto: Storchen-TV

Ettenheim - Fünf kleine Storchenkinder sind am Dienstag geschlüpft, meldet die Stadt Ettenheim. Nach rund 32-tägiger Brutzeit sind die kleinen Vögel auf dem Rathausdach auf die Welt gekommen.

Dank der Kamera, die beim Nest angebracht ist und Bilder vom Nest an den Fernseher beim Seiteneingang des Rathauses überträgt, kann die Kinderstube in luftiger Höhe gut von Kindern und interessierten Erwachsenen beobachtet werden, erklärt die Stadt Ettenheim.

"Wenn kein Kälteeinbruch in Kombination mit Regen kommt, sind die Überlebenschancen der Störche sehr gut. Aber auch unter guten Bedingungen werden trotzdem nicht alle Jungen überleben, da sie unterschiedlich alt und damit unterschiedlich kräftig und durchsetzungsstark sind, um sich das Futter zu holen", erklärt Wolfgang Hoffmann, Storchenbetreuer für die Region. "Das ist aber von der Natur so gewollt", betont er.

Die Nestlingszeit der Storchenküken dauert etwa 60 Tage. Damit man die Herkunft und Identität auch später ermitteln kann, werden die Störche nach sechs Wochen beringt. Schon nach sieben Wochen haben die Jungstörche die Größe der Eltern erreicht. Im Alter von drei Monaten trennen sie sich von den Elterntieren, heißt es in der Mitteilung der Stadt.

Der Vater des Storchen-Nachwuchses sei der langjährige Rathausstorch. Die Ringnummer seiner Partnerin ist aber so verdreckt, dass Hoffmann sie nicht sicher identifizieren konnte. Anhand dessen, was er erkennen könne, gehe aber davon aus, dass sie die Störchin sei, die bereits vergangenes Jahr mit dem Storch zusammen gebrütet hatte, erklärt Hoffmann der Lahrer Zeitung.

Storchenpopulation nimmt weiter zu

Seit fast 30 Jahren hat Ettenheim wieder Storchennester, den Anfang machte 1992 das Rathausnest. Auch die anderen drei Nester in der Ettenheimer Kernstadt – auf dem Palais Rohan, der Barockkirche St. Bartholomäus und dem Sendemast am Kaufland – sind aktuell mit Storchenpaaren besetzt, berichtet Hoffmann. Wie es mit deren Nachwuchs aussehe, könne er aber noch nicht sagen. Denn nur das Nest auf dem Rathausdach ist mit einer Kamera ausgestattet.

Um den fünften Nistplatz auf einer privaten Weide in der Altdorfer Römerstraße hätten sich einige Störche zuerst gestritten, nun sei er aber verwaist. Nur noch vereinzelt seien dort Störche zu sehen. "Ich gehe davon aus, dass es sich bei den interessierten Störchen um Jungstörche gehandelt hatte, die aber noch nicht geschlechtsreif waren", sagt Hoffmann.

Insgesamt nehme die Storchenpopulation in der Region zu, berichtet Hoffmann. "Es ist noch kein Knick in der Entwicklungskurve abzusehen", erklärt er. Grund dafür, dass der Storch sich nicht nur in der Region rund um Ettenheim, sondern überhaupt gut verbreiten könne, sei zum einen der Klimawandel und zum anderen die Umstellung der Nahrung von Fröschen auf Mäusen. Letztere seien für die Störche als Nahrung sogar geeigneter als Frösche, aber eben auch schwerer zu fangen. "Mittlerweile haben sie es aber gelernt und die Mäusepopulation nimmt ebenfalls zu", so Hoffmann.

Der Klimawandel sorge dafür, dass die Störche nicht mehr alle in den Süden fliegen würden – oder zumindest nicht mehr so weit. "Es ist zwar eigentlich in ihren Erbanlagen angelegt, dass sie fliegen, aber die Störche lernen dazu", hat Hoffmann beobachtet. In ihrem ersten Lebensjahr flögen die Störche meist noch, danach beobachteten sie dann aber, dass Ältere dablieben und flögen oft auch nicht mehr.

Über die App "Animal Tracker" kann jeder, der möchte, verschiedene registrierte Tiere und Vögel nachverfolgen. So sind bei ihr etwa zehn Störche aus Reute bei Freiburg mit Sendern registriert. "Durch diese Nachverfolgung kann man viel Neues über die Störche lernen, etwa wie weit sie aktuell im Winter noch nach Süden fliegen", freut sich Hoffmann.

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