Ettenheim Einblicke ins Leben eines Storchs

Aktuell gibt es auf dem Kirchturm in Riegel sieben Storchennester. Foto: Hoffmann Foto: Lahrer Zeitung

Als Storchenbetreuer des Nabu hat Wolfgang Hoffmann viele Störche mit eigenen Augen gesehen. Und doch sind die Vögel schwer auseinanderzuhalten, hätten sie keine Ringe an ihren Beinen – diese geben interessante Einblicke ins Storchenleben.

Südliche Ortenau (red/aka). Die Nummern- und Buchstabenkombinationen an den Beinen lassen sich etwa mit einem Fernrohr ablesen. Neuerdings benutzt Hoffmann eine Kamera mit einem hochwertigen Teleobjektiv mit gutem Verwacklungsschutz. So gelingen ihm auch Aufnahmen von fliegenden Vögeln, von denen er am PC die Ringnummern ablesen kann.

 Beringung: Bei Störchen ist es Standard, dass die Jungvögel im Alter von etwa sechs Wochen beringt werden, wenn sie noch nicht fliegen können. In diesem Alter stellen sie sich auch noch tot, was ein Schutzreflex ist. Am 23. Juni dieses Jahres wurde in Bonstetten bei Zürich auch ein fliegender Storch fotografiert. Der Schweizer Fotograf konnte die Ringnummer ablesen und recherchierte im Internet. Dort fand er die richtige Ringnummer über die Homepage des Nabu Herbolzheim. Dieser Storch war 2004 auf dem Fabrikschornstein im jetzigen Vierseitengehöft in Herbolzheim geschlüpft und beringt worden.

 Sichtungen: Diese Nachricht ging auch an Wolfgang Hoffmann, der die Beringungszentrale in Radolfzell informierte. Drei Tage später schickte sie ihm die Lebensdaten des Vogels. So erfuhren alle Beteiligten: Der Storch tauchte erst 2007 wieder auf, nämlich von März bis Juni in Zürich. Ein Jahr später ist er wieder in Zürich, und zwar im dortigen Zoo. Anfang November wurde er in Castello d’Empuries Girona, in Spanien gesehen. Ende Februar 2009 war er wieder im Züricher Zoo und hatte eine erfolgreiche Brut mit zwei ausgeflogenen Jungen. Im Oktober 2010 wurde er in Dübendorf (auch bei Zürich) mit elf anderen Störchen gesehen, aber er blieb auch im Januar im Zoobereich. Eine weitere Meldung kam am 21. November aus dem schweizerischen Fällanden am Greifensee, was bedeutet, dass er nicht mehr vorhatte, ins Winterquartier nach Spanien oder Afrika zu fliegen, denn auch Anfang Februar konnte er in Zürich wieder entdeckt werden. Schließlich wurde er dann im Juni in Bonstetten fotografiert. Dieses Beispiel zeigt: Ein Weißstorch kann durchaus 14 Jahre alt werden, in Gefangenschaft aber auch mehr als 40 Jahre.

 Silberreiher: Bei Silberreihern ist es nicht Standard, dass sie beringt werden. Sie brüten nicht in der Nähe von Menschen, sondern versteckt im Schilf großer Feuchtgebiete am Boden. Auch die Hoffnung auf Wiederfunde ist gering, da sie sehr scheu sind. Auch Totfunde sind sehr selten.

 Glücklicher Zufall: Es war ein Glücksfall, dass Hoffmann im Naturschutzgebiet Taubergießen über ihm fliegende Silberreiher so gut fotografieren konnte, dass ein Ring abgelesen werden konnte. Die Rückmeldung der Beringungszentrale ergab, dass der Reiher ein Jahr zuvor in Weißrussland beringt worden war. Über die Koordinaten kann der genaue Standort im Internet gefunden werden. Die Meldung lieferte unerwartete Informationen. Bisher ging man davon aus, dass die meisten Silberreiher aus der Region Ungarn zu uns kommen. Die Fotografie lässt aber auch andere Details an Vögeln erkennen.  Storchennest: Da momentan auf der Kirche St. Martin in Riegel sieben Störche nisten, war es für den Storchenbetreuer interessant, zu fotografieren, als ein fremder Storch mitten auf dem Kirchenschiff landete. Erst zu Hause am Rechner erkannte er, dass der Storch einen Sender trug, denn eine Antenne schaute aus den Federn hervor.

  Vogel aus Kürzell: Über die Android-App "Animal Tracker" konnte gleich erkannt werden, wer der Vogel war. Es ist "Angela", ein 2016 in Kürzell (OG) beringter und mit einem Sender ausgestatterer Jungstorch, den man zuerst für ein Weibchen gehalten hatte. "Interessant bleibt, den Vogel über das Smartphone zu beobachten, aber auch gleichzeitig draußen in der Natur", sagt Hoffmann.  Peilsender: Senderstorch Angela kann man über die App "Animal Tracker" oder über im Internet unter www.movebank.org in Echtzeit verfolgen.

Die Entwicklung der Störche in Baden-Württemberg war dieses Jahr sehr gut, da die für die Storchenjungen todbringende Kombination aus Kälte und Nässe ausblieb. Da vergangenes Jahr die Zahl der Brutstörche die Tausendermarke überschritt, werden Aufwand und Kosten für die Ringe und Betreuung so hoch, dass ein Großteil nicht mehr beringt wird. Im Gebiet von Hoffmann wurden etwa 80 Prozent der Störche beringt.

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