Ettenheim Bundesweite Aktion in der Corona-Krise: Weingut wird rot beleuchtet

Ettenheim - Mit einer bundesweiten Aktion will die Veranstaltungsbranche auf ihre "dramatische Situation" aufmerksam machen. Auch der Wallburger Eventtechniker Mario Friese ist dabei – er wird heute Abend das Weingut Weber in rotes Licht tauchen. "Rote Liste", "Alarmstufe Rot", "feuerrot": Wer eine Farbe sucht, um auf Not und Gefahr hinzuweisen, der hat eigentlich nur eine Wahl. Und so bedient sich auch die deutsche Interessengemeinschaft Veranstaltungswirtschaft (IGVW) bei ihrer "Night of Light", der Nacht des Lichts, am heutigen Montag dem typischen Signalkolorit. Von 22 bis 1 Uhr sollen in ganz Deutschland Gebäude und Bauwerke angestrahlt werden. Mehr als 4000 Event-Agenturen, Messegesellschaften, Caterer, Technikdienstleister und Dekofirmen machen nach Angaben der IGVW mit.

Sie alle verbindet ein gemeinsames Ziel: auf die Probleme aufmerksam machen, die die Corona-Krise ihrer Branche bereitet. Seit dem Lockdown Mitte März macht die Veranstaltungswirtschaft quasi keinen Umsatz mehr – und: ein Ende ist im Gegensatz zu vielen anderen Bereichen nicht in Sicht. Vergangene Woche haben sich Bund und Länder auf eine Verlängerung des Verbots von Großveranstaltungen bis mindestens Ende Oktober verständigt. "First in – last out", sagt man auf Neudeutsch: Als Erste rein in die Krise als Letzte raus. Betroffen sind laut IGVW rund eine Million Direktbeschäftigte, die normalerweise einen jährlichen Umsatz von rund 130 Milliarden Euro erwirtschaften.

Auch Mario Friese, Inhaber der Eventtechnik-Firma Megatron, ächzt unter der aktuellen Situation: "Von jetzt auf gleich ist unser komplettes Geschäft weggebrochen." Normalerweise sorgt der Wallburger auf Messen, privaten Partys und Geschäftstreffen für rechtes Licht und guten Ton. Seine Aussicht für den Rest des Jahres: "Nullkommanull." Der 42-Jährige rechnet 2020 mit Einbußen von 200 000 bis 300 000 Euro. "Ich lebe momentan von meinen Rücklagen", sagt der Familienvater. Was er sich in den vergangenen 20 Jahren angespart hat, auch fürs Alter, werde derzeit jeden Tag weniger.

Deshalb sieht auch Friese buchstäblich Rot: Gemeinsam mit befreundeten Kollegen des Teninger Studios Beinert wird Friese heute Abend das Weingut Weber im Ettenheimer Offental illuminieren. Das markante, preisgekrönte Gebäude soll zur Leinwand und so zum Mahnmal für eine "im höchsten Maße bedrohte Branche" werden. Mit der Familie Weber arbeitet Friese seit Jahren zusammen, etwa bei den bekannten Weißweinparty. Auch sie pausieren momentan coronabedingt.

"Das Schlimmste an der Situation ist die Perspektivlosigkeit", erklärt Friese. "Niemand kann uns sagen, wann und wie es weitergeht." Dass die Regierung zu Beginn der Krise vollmundig ankündigte, kein Unternehmen solle wegen der Pandemie schließen müssen, habe sich mittlerweile als Lippenbekenntnis entpuppt: "Hilfen wie sie die Gastronomie und der Einzelhandel mit der Senkung der Mehrwertsteuer erhalten haben, bringen uns nichts. Es findet ja nichts statt." Günstige Kredite gebe es zwar auch für seine Branche, sie müssten aber zur Deckung der Betriebskosten verwendet werden und seien deshalb nicht wertschöpfend. "Das sorgt am Ende nur für eine weitere Belastung", betont Friese.

Der Wallburger hat mit einer Elektrofirma noch ein zweites Standbein. Das Problem: Weil zu Jahresbeginn das Event-Auftragsbuch "so voll wie nie" gewesen sei, habe er wenige Arbeiten in diesem Bereich angenommen. "Normalerweise sind das nur Füller zwischen den einzelnen Veranstaltungen, jetzt ist es praktisch alles, was ich habe."

Letzte Hoffnung: Weihnachtsmärkte

Der Unternehmer hat kein Stammpersonal, holt sich bei großen Termine tageweise Hilfe an die Seite. So musste er jetzt wenigstens niemanden in Kurzarbeit schicken. Zu trösten vermag ihn das freilich wenig. "Was mir helfen würde, wären endlich wieder Veranstaltungen." Zwar sind private Feste unter 100 Personen mittlerweile wieder erlaubt. Wenn man dabei aber nicht singen und tanzen dürfe, seien die Dienste eines Eventexperten nicht gefragt. "Vor allem die Städte und Gemeinden müssten wieder loslegen, trauen sich aber leider nicht", sagt Friese. Tatsächlich hagelt es weiter eine Absage nach der anderen. Dorffeste werden ebenso gestrichen wie Klassikkonzerte. Er habe "viele Ideen auf Lager", wie man corona-konforme Events abhalten könne, sagt Friese. Er könne den Verwaltungen ihre Zurückhaltung jedoch nicht verübeln. "Von der Regierung bekommt man so gut wie keine Rückmeldung, was geht und was nicht, da lässt man es dann eben lieber bleiben."

Die letzte Hoffnung des Wallburgers für dieses Jahr sind die Weihnachtsmärkte. "Fallen die auch weg, sieht es ganz düster aus. Aber noch bin ich nicht so weit, die Flinte ins Korn zu werfen." Stattdessen versucht er es heute Abend mit einem rot-flammenden Appell.

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