Ettenheim Ein Dorf sucht nach Anschluss

Seit Jahren sucht Ettenheimmünster nach dem Zugang zum schnellen Internet. Nun hat die Telekom angekündigt, ihr Netz im Stadtgebiet auszubauen. Frohe Kunde? Nur bedingt. Das Dorf trägt eine Last aus der Vergangenheit auf den Schultern.

 

Ettenheimünster. Im Jahr 2014 schien es so weit: Ettenheimmünster bekommt endlich freie Fahrt auf der Datenautobahn. Vorbei sollte sie sein, die Zeit der Ladebalken und sich ewig drehender Sanduhren. Zumindest versprach das Reiner Trenkle, Inhaber von Ortenau-DSL. Was der Gigant Telekom wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit nicht zu leisten bereit war, wollte die kleine Meißenheimer Firma in wenigen Monaten erreichen: das Dorf mit schnellem Internet zu versorgen. Microtrenching lautete Trenkles Zauberwort. Bei dem Verfahren beißt sich eine große Fräse in den Boden und legt Kabel in die entstehenden Vertiefungen. Sie verbinden spezielle Datenübertragungspunkte mit den Verteilerkästen im Ort und bringen so Highspeed in die Haushalte. So weit die Theorie.

Heute, fast vier Jahre später, ist von der Aufbruchstimmung im Dorf nicht viel mehr geblieben als Enttäuschung und Frust. Kaum eine Ortschaftsratssitzung vergeht, ohne dass Bürger nachhaken. Immer wieder muss Rita Ohnemus sie vertrösten: nichts Neues zu berichten.

Das Problem: besetzte Verteilerkästen

Für die Lahrer Zeitung nimmt sich die Ortsvorsteherin noch einmal die Zeit zu erklären, was in den vergangenen Monaten und Jahren passiert ist, oder vielmehr nicht passiert ist. "Einmal gab es Probleme mit der Fräse, ein anderes Mal spielte das Wetter nicht mit, dann stockten die Verhandlungen mit den Eigentümern, über deren Grundstücke Herr Trenkle fahren musste." Kurzum: Nach all der Zeit ist man weit davon entfernt, ganz Ettenheimmünster mit Hochgeschwindigkeitsinternet zu versorgen. Ohnemus: "Für einen großen Teil der Haushalte ist das Netz von Ortenau-DSL unerreichbar. Immerhin: "Die, die einen Vertrag haben, sagen mir, sie seien zufrieden."

Die Gesamtsituation ist es aber längst nicht. Da scheint die Ansage der Telekom, nach und nach das Netz im gesamten 07822er-Vorwahlbereich auszubauen, wie Balsam für die geschundene Internet-Seele. Kappel-Grafenhausen, Ringsheim, Rust, Orsch­weier und auch Ettenheim sollen profitieren. Auf LZ-Nachfrage bestätigt der Bonner Telefonriese: In acht Wochen beginnt der Ausbau in der Rohanstadt. Allein: Ettenheimmünster könnte da außen vor bleiben. Ohnemus hat bereits interveniert. Per E-Mail hat sie bei der Telekom nachgefragt, warum ihr Ort als einziger Stadtteil auf der Ausbauliste fehlt. "Wir sind zwar weiter entfernt, haben aber mehr Einwohner als Wallburg und Ettenheimweiler. Ich kann nicht nachvollziehen, warum man kein Interesse hat, auch uns anzubinden."

Weil es nicht (nur) eine Frage der Wirtschaftlichkeit ist, wie Telekom-Regio-Manager Christopher Beußel gegenüber der LZ erklärt: "Grundsätzlich wollen wir überall da ausbauen, wo wir es dürfen." Genau das ist in Ettenheimmünster der springende Punkt – und genau da kommt wieder Ortenau-DSL ins Spiel. Mit dem Auftrag, das schnelle Netz ins Münstertal zu bringen, hat das Unternehmen zumindest für einen Teil der Verteilerkästen im Ort das alleinige Nutzungsrecht erhalten. Das aber bräuchte jetzt auch die Telekom, um den Ettenheimmünsterern per Vectoring-Verfahren (siehe Info) große Bandbreiten zu liefern. "Derzeit sind wir am Prüfen, wie viele Verteilerkästen durch Ortenau-DSL blockiert sind", erklärt Beußel und stellt klar: "Ohne die sind uns die Hände gebunden." Doch selbst wenn ein Kasten frei wäre, "müssen wir das Ganze immer noch unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit betrachten". Etwas überspitzt formuliert es Beußel so: "Wenn an dem einen Verteilerkasten nur drei Haushalte hängen, können wir nicht für 250 000 Euro ausbauen." Antwort auf die Frage, wie sich die Situation in Ettenheimmünster darstellt, könnte Ortenau-DSL-Chef Trenkle geben. Der war am Freitag bis Redaktionsschluss jedoch weder per Mail noch per Telefon zu erreichen.

Ortvorsteherin Ohnemus will die Flinte jedenfalls nicht ins Korn werfen: "Es muss eine Lösung geben", ist sie überzeugt. Als Nächstes wolle sie eine Anfrage an die Bundesnetzagentur auf die Reise schicken: "Ich will wissen, wie viel Zeit man einem Unternehmen einräumt, um einen Ort mit Internet zu versorgen." Oder anders ausgedrückt: Ob es die Möglichkeit gibt, Ortenau-DSL von den Verteilerkästen zu bekommen und so den Weg endlich freizumachen für schnelles Internet in Ettenheimmünster.

DSL: In Ettenheimmünster surfen Telekom-Kunden noch mit dem "alten" DSL. Die Vermittlungsstelle (sitzt in Ettenheim) und Verteilerkästen sind mit Kupferkabel verbunden. Auch vom Verteilerkasten geht’s per Kupfer weiter in die Haushalte. Damit sind zwar grundsätzlich Geschwindigkeiten bis zu 16 Mbit/s möglich. Allerdings machen sich bei den alten Kupferleitungen die weiten Entfernungen bemerkbar. Deshalb sind in Ettenheimmünster laut Telekom-Mann Beußel maximal 3 MBit/s möglich.

Vectoring: Das würde sich mit Vectoring ändern. Zwar bliebe es bei den Kupferleitungen zwischen Verteilerkästen und Häusern, allerdings würden Erstere per Glasfaser mit der Vermittlungsstelle verbunden. Ergebnis: konstant bis zu 100MBit/s.

  • Bewertung
    2