Ettenheim Bestechung, Beleidigung und Körperverletzung – mit 1,62 Promille

Ettenheim (mm). Sich volltrunken von einer Polizeistreife beim Autofahren erwischen zu lassen, mag schon reichen. Dann auch noch renitent zu werden, empfiehlt sich keinesfalls. Deshalb stand eine Frau diese Woche vor dem Ettenheimer Amtsgericht, wo sie zu einer empfindlichen Geldstrafe verurteilt wurde. Wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr, tätlichem Angriff auf Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit Körperverletzung und Beleidigung.

Es geschah im vergangenen August. Bei der Fahrt zu einer gemeldeten nächtlichen Ruhestörung in Rust fiel der Streife ein unbeleuchtetes Auto in einem Kreisverkehr auf. Kurz danach gestoppt, entstieg dem Fahrzeug eine 27-jährige Frau, die laut Aussage der beiden Polizisten große Schwierigkeiten hatte, sich alleine auf den Beinen zu halten. Dennoch habe sie versucht, weg zu laufen – und nicht etwa, wie sie bei der Verhandlung geltend machte, um ihre Handtasche aus dem Auto zu holen. Eingeholt und festgehalten habe sie einen der Polizisten am Arm gekratzt, bevor sie dann zu einer Blutprobenentnahme ins Lahrer Krankenhause gebracht wurde. Auf dem Weg dorthin bot die Dame den beiden Beamten, wie sie zugab, Veranstaltungskarten und freien Eintritt für einen großen Freizeitpark an. Vergeblich.

Nach Ankunft im Klinikum fiel die Frau hin – je nach Darstellung trunken gestolpert oder gezielt. Jedenfalls fielen in diesem Zuge auch einige Schimpfworte. Ergebnis der anschließenden Blutprobe: satte 1,62 Promille Alkohol. Zur Verblüffung des Richters sollen die angeblich allein durch vorherigen Bierkonsum erzielt worden sein. Übrigens bei jener Party, die die beiden Polizisten ursprünglich beruhigen sollten.

Ein entsprechender Strafbefehl hatte ursprünglich auf 160 Tagessätze à 30 Euro gelautet. Den wollte die in Russland geborene, seit mehreren Jahren regelmäßig hierzulande als Künstlerin tätige Dame allerdings nicht hinnehmen. Denn: Durch dessen Höhe wäre ihr bislang dauerhaft gewährtes Aufenthaltsrecht in Deutschland in Gefahr gewesen.

Die Frau gab sich mit Hilfe einer Dolmetscherin reuig und teils einsichtig. Die Polizistenbeleidigungen hätte sie sich besser verkniffen, die beiden Armkratzer keinesfalls gewollt. Richter Wolfram Wegmann fällte ein salomonisches Urteil, reduzierte den Strafbefehl auf 90 Tagessätze zu 30 Euro, punktgenau zur Nicht-Gefährdung des Aufenthaltsrechts. Ihren russischen Führerschein darf die Dame zwar mangels Beschlagnahmemöglichkeit behalten, jedoch damit in Deutschland nicht mehr fahren. Nach bislang sechs autolosen Monaten muss sie nun für weitere drei darauf verzichten. Und wenn sie ihren russischen Führerschein, wie geplant, zu einem deutschen umschreiben lassen will, wird sie höchst wahrscheinlich vorher noch mal eine komplette Fahrprüfung ablegen müssen.

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