Ettenheim Bei der Lehrer-Fortbildung sieht Boser große Defizite

Sandra Boser (Mitte) wurde von Bürgermeister Bruno Metz (vorne links) sowie den Amtsleitern der Gemeindeverwaltung und Sprechern der Gemeinderatsfraktionen begrüßt. Foto: Stadt

Ettenheim - Dass Sandra Boser, auf ihre Assoziationen bei der Nennung der Stadt Ettenheim befragt, über viel Ortskenntnis verfügt, zeigte sie bei ihrem Gemeindebesuch am Montag überzeugend. "Schulstadt – sympathischer, sehr schöner Stadtkern – Aushängeschild im Bereich erneuerbarer Energie", so die spontane Rückmeldung auf die Frage des Pressevertreters beim Pressegespräch. Drei der von Bürgermeister Metz vorgetragenen Felder der Kommunalpolitik hatte Boser damit zielsicher getroffen.

Was der Stadt bei den Themen Kindergärten/Kinderbetreuung, Wohnbau, Digitalisierung, Halle Altdorf, Krankenhaus zusätzlich unter den Nägeln brennt, das zeigte Metz der Grünen-Landtagsabgeordneten in einer einstündigen Gesprächsrunde mit den Abteilungsleitern der Stadtverwaltung sowie den Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat auf.

"Ja, es ist mir wichtig zu hören, was die Gemeinden bewegt", betonte Boser. Ein großes Thema landesweit sei die finanzielle Unterstützung in den Kindergärten. Bei den unter Dreijährigen beteilige sich das Land bekanntlich mit 68 Prozent an den Kosten. Bei der Unterstützung der über Dreijährigen sei auf Grund der zunehmenden Kinderzahlen eine Korrektur der Landesbeteiligung nach oben erstrebenswert. Der allgemeine Fachkräftemangel auch in diesem Bereich – daneben beklagte Boser dieses Defizit bei den Schulen und bei der Polizei – müsse behoben werden.

"Jungen Lehrern fehlt es an Erfahrung"

Die Pressefrage nach dem Abrutschen baden-württembergischer Schulen im Vergleich mit andern Bundesländern spielte der Vorsitzenden des Arbeitskreises Bildung im Landtag in die Karten. Bezüglich der Lehrerfortbildung bewege sich das Land auf dem untersten Level. Eine überdurchschnittlich junge Lehrerschaft in Baden-Württemberg gehe zu Lasten der pädagogischen Erfahrung. In den verschiedenen, teilweise diskutierten Lernmethoden machte Boser weniger den Grund für das Abrutschen im Ländervergleich aus. Vielmehr umschrieb sie ihre Vorstellung von erfolgreicher Arbeit in den Schulen im Sinne der Weisheit, wonach das wichtigste Curriculum die Person des Lehrers darstellt.

In Sachen verlängerter Betreuungsformen besteht, so Metz, noch unterstützender Handlungsbedarf von Kommunen und Schulleitungen, was Boser nicht in Abrede stellte. Angedacht sei beispielsweise die Schaffung einer Verwaltungsassistenz, die den Schulleitungen mehr Raum für ihre pädagogischen Aufgaben schaffe.

Von Thomas Breyer-Mayländer auf die Defizite bei der erforderlichen Digitalisierung der Schulen angesprochen, räumte Boser ein, dass sich Bund und Land diesbezüglich noch den schwarzen Peter für die Kosten zuschieben.

"Ohne Flächenverbrauch geht es nicht"

Angesprochen auf den Konflikt der Schaffung neuen Wohnraums und damit verbundenem Verlust von Ackerflächen warnte die Grüne-Abgeordnete vor Schwarz-Weiß-Malerei. Wichtig sei die Priorisierung einer Innenent- wicklung vor Außenentwicklung. Das Postulat des Null-Flächen-Verbrauchs sei einfach nicht realisierbar. Auch die Schaffung von sozialem Wohnungsbau sei schließlich mit Versiegelung verbunden.

Metz skizzierte das seit zehn Jahren in Ettenheim bestehende Leerstandsmanagement. Aber selbst die heutigen infrastrukturellen Anforderungen an zeitgemäße öffentliche Einrichtungen – seien es Schulen oder Kindergärten – seien in aller Regel mit weiterer Versiegelung von Flächen verbunden.

Bei einer Rundfahrt zeigte Metz der Abgeordneten abschließend einige der angesprochenen Projekte.

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