Ettenheim Auch Ettenheim droht die Schließung

Das Ettenheimer Krankenhaus könnte im Zuge der Corona-Pandemie zugunsten der größeren Ortenauer Klinikstandorte vorübergehend geschlossen werden.Archivfoto: Decoux-Kone Foto: Lahrer Zeitung

Per Eilentscheidung hat Landrat Frank Scherer das Oberkircher Krankenhaus geschlossen. Ein Schicksal, das während der Corona-Pandemie weitere Kliniken ereilen könnte, auch Ettenheim. Bürgermeister Bruno Metz hofft, dass dieser Fall nicht eintritt.

Ettenheim. Das Ortenau-Klinikum in Oberkirch bleibt ab kommenden Montag bis mindestens 30. Mai zu. Darüber hat der Landrat die Kreisräte am Donnerstag informiert. Das frei werdende Personal soll den Betrieb einer zweiten Intensivstation in Achern ermöglichen. Aufgrund von Mitarbeiter-Ausfällen gebe es bereits Engpässe. Die aktuell neun Patienten in Oberkirch sollen auf umliegende Standorte verteilt werden.

Ein Beschluss, der in der Zukunft analog für die anderen kleineren Häuser des Klinikverbunds getroffen werden könnte. "Leider", so Scherer in dem Schreiben an die Kreistagsmitglieder abschließend, "kann ich im weiteren Verlauf auch nicht ausschließen, dass weitere Standorte wie Ettenheim, Kehl und Wolfach vorübergehend geschlossen werden müssen, um das dortige Personal an den anderen Standorten einsetzen zu können." In der Ortenau verfolgt man im Kampf gegen das Coronavirus mittlerweile die Strategie, die Spezialkapazitäten in den größeren Häusern in Achern, Lahr und Offenburg zu bündeln.

Rathauschef Bruno Metz sähe eine Schließung Ettenheims nicht gerne, wie er am Freitag auf LZ-Nachfrage deutlich machte: "Die Ettenheimer Klinik hat grundsätzlich ein sehr gutes Aufgabenspektrum und die Ärzte, Krankenschwestern und anderen Mitarbeiter leisten hervorragende Arbeit. Ich hoffe sehr, dass das Krankenhaus auch in diesen Zeiten diese Leistung für die Menschen der Region erbringen darf und kann."

Indes, Metz weiß auch um das Dilemma, in dem sich die Verantwortlichen aktuell befinden: "Der Krisenstab, der die Entscheidungen trifft, ist sicher unter Druck." Zum einen würden Mediziner bei einer Pandemie ein breites Angebot an Behandlungsmöglichkeiten empfehlen, mit Intensivbetten und – speziell für Corona-Patienten – Beatmungsplätzen. Zugleich brauche es aber auch adäquate Möglichkeiten für die weniger schweren Fälle, die nicht zu Hause oder in Pflegeheimen versorgt werden könnten. "Dafür halten viele gerade kleinere Kliniken für sehr geeignet", so Metz.

Der Ettenheimer Bürgermeister verweist in diesem Zusammenhang auf jüngste Aktivitäten des Landessozialministeriums: Die Regierung in Stuttgart halte Ausschau nach Ausweichquartieren für nicht intensivmedizinische Behandlungen. "Da sollen zum Beispiel Hotels, Jugendherbergen oder Tagungsstätten zur Patientenunterbringung und -behandlung herangezogen werden", berichtet Metz. Am Donnerstag seien die Kommunen aufgefordert worden, geeignete Liegenschaften zu ermitteln und mitzuteilen. "Überlegungen, kleine Kliniken zu schließen, passen sicher nicht zu dieser Aufforderung des Ministeriums", so der Rathauschef.

Die Geschäftsführung des Ortenau-Klinikums betonte am Freitag in einer Pressemitteilung, dass es sich bei der (möglichen) Schließung kleinerer Häuser lediglich um eine "vorübergehende" Maßnahme handele, "die der aktuellen Corona-Krise geschuldet und keine strategische Implikation im Hinblick auf die Agenda 2030 ist". Bekanntlich sieht die Klinikreform bis in zehn Jahren das Aus der Standorte Ettenheim, Kehl und Oberkirch vor. Einige Agenda-Gegner werten die aktuelle Situation indes als Argument pro Krankenhaus-Vielfalt. So schrieb der Ettenheimer Robert Krais von der Ortenauer ÖDP am Donnerstag in einem Brief an die Lahrer Zeitung: "Die derzeitige Pandemie beweist die Notwendigkeit und Wichtigkeit kleiner dezentraler Krankenhäuser, in denen differenzierter die Verbreitung von Viren bekämpft werden kann." Die Bürgermeister der drei betroffenen Städte müssten deshalb gemeinsam auf "die im Kreistag angesprochene ›Nachjustierung‹ der Klinikreform Agenda 2030 drängen", so Krais.

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