Ettenheim Anfang 2022 könnte gestartet werden

Ettenheim - Wenn alles nach Plan läuft, können 2022 in Ettenheim die neuen Windräder in Betrieb genommen werden. Die Bestehenden werden zurückgebaut. Das Projekt wurde nun der Öffentlichkeit vorgestellt.

Es ist das große "Windpark-Repowering-Projekt" in der Ortenau, das die drei Projektpartner Ettenheimer Bürgerenergie, Enercon und Ökostrom derzeit auf den Weg bringen. Mit den Bürgermeistern Bruno Metz (Ettenheim) und Matthias Gutbrod (Kippenheim) wurde das ehrgeizige Projekt nun der Presse vorgestellt.

Der neu geplante "Windpark Schnürbuck" wird deutlich mehr Strom produzieren können als die alten Windräder. Jörg Bold, Vorstand der Bürgerenergie, rechnet mit einer maximalen Leistung von 13,8 Megawatt (derzeit 7,9) und einem Stromertrag von mehr als 25 Millionen Kilowattstunden pro Jahr (derzeit sechs Millionen). Das enstpricht einem Strombedarf von insgesamt 8000 Haushalten – deutlich mehr als die fünf bisherigen.

Möglich wird die Ertragssteigerung durch höhere Türme und einen größeren Rotordurchmesser. Neben mehr Windstrom bringt das Projekt noch andere Vorteile mit sich: Die neuen Anlagen werden in zweiter Reihe errichtet und haben zur Wohnbebauung in Wallburg, Ettenheimmünster und Münchweier einen Abstand von 2000 Metern – statt bisher 1000 Metern.

Die Anlage der Genossenschaft wird etwa 550 Meter östlich der Altdorfer Hütte entstehen, eine weitere nochmals 600 Meter weiter in Richtung Osten. Die dritte Anlage soll nach dem Abbau der Kippenheimer Anlage fast am selben Standort errichtet werden.

Infrastruktur muss nicht erneuert werden

Ein weiterer Vorteil ist die bestehende Infrastruktur: Die Erschließung erfolgt über den Brudergarten zur Altdorfer Hütte und verläuft genauso wie es beim Bürgerwindpark der Fall war. Es muss nirgendwo eine Wegstrecke verbreitert werden. Die Windräder werden auf einem 20 Meter langen Alpingestell an den Standort gebracht. Beim Errichten kommt ein Kletterkran zum Einsatz, der mit dem Rad in die Höhe wächst. Somit ist auch eine Kranauslegefläche nicht erforderlich.

Auch auf naturschutzrechtliche Aspekte wurde das Projekt geprüft. "Wir haben dieselbe Flora und Fauna wie vor 20 Jahren, als der erste Park gebaut wurde und auch dieselbe Häufigkeit von Tieren", versicherte Andreas Markowsky, Geschäftsführer der Ökostromgruppe Freiburg. Auch der Rückbau solle kein Problem sein. In fünf Jahren wird lediglich der Aussichtsturm an den derzeitigen Windpark erinnern.

Sollte die Genehmigung für den Bau des Windparks wie erhofft Mitte 2021 vorliegen, könnte bereits Anfang 2022 mit dem Bau begonnen und die Anlagen noch im selben Jahr in Betrieb genommen werden. Bis dahin werden alle fünf Altanlagen zurückgebaut sein. Die Anlage der Genossenschaft wird etwa 500 Meter östlich der Altdorfer Hütte entstehen und mehr als fünf Millionen Euro kosten. Es ist vorgesehen, dass jeder der drei Projektpartner eine Anlage betreibt. "Wenn Kommunen eine solche Fläche für Windkraft haben, sollte man die Chance auch wahrnehmen", so Ettenheims Bürgermeister Bruno Metz. Die Chance hat auch die Gemeinde Kippenheim ergriffen. "Ettenheim war die treibende Kraft und wir durften uns anschließen", so Bürgermeister Gutbrod.

 Die Enercon GmbH ist der größte deutsche Hersteller von Windenergieanlagen. Am Stammsitz in Aurich (Ostfriesland) befindet sich auch das größte Produktionswerk. Weltweit beschäftigt der Enercon-Verbund rund 18 000 Menschen und hat über 30 000 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von mehr als 52 Gigawatt errichtet.

Die Ettenheimer Bürgerenergie wurde 2011 gegründet und hat inzwischen mehr als 200 Mitglieder aus Ettenheim und der Region. Die Genossenschaft will dazu beitragen, die Nutzung erneuerbarer Energien in der Region auszubauen und die Energieeffizienz zu stärken. Sie hält ein Viertel der Anteile der Betreibergesellschaft des Bürgerwindparks Südliche Ortenau und betreibt einige Solarkraftwerke.

  Die Ökostromgruppe Freiburg hat in den vergangenen 20 Jahren zahlreiche Wind-, Wasser- und Solarprojekte in Baden-Württemberg entwickelt und ist für deren Betrieb verantwortlich. Eigentümer der Anlagen sind rund 2500 private Geldgeber, die sich über Kommanditgesellschaften an den Anlagen beteiligt haben.