Ettenheim Am Apostelsee herrscht dicke Luft

Baumfällungen am Apos­telsee haben im Netz eine hitzige Debatte ausgelöst. Die Verantwortlichen vom Ettenheimer Angelverein verteidigen die Maßnahme und fordern ihrerseits mit deutlichen Worten mehr Respekt von Badenden und Tauchern.

Ettenheim. Es ging heiß her am Wochenende auf Facebook: Warum am Apostelsee "gesunde Bäume abgehauen und Stroh ins Wasser geschmissen" würden, wollte eine Nutzerin wissen. Es sehe nicht nur "richtig wüst" aus, wegen Missachtung des Vogelschutzes überlege sie "ernsthaft", Anzeige gegen die Verursacher zu erstatten. Einige Kommentatoren auf der Seite "Netzwerk Ettenheim und Umgebung" pflichteten bei, andere widersprachen. Auch Martin Wienhöfer, Vorsitzender des Ettenheimer Angelvereins, der sich als Pächter um den Apostelsee kümmert, schaltete sich in die Diskussion ein – die erhitzten Internet-Gemüter gänzlich abzukühlen, vermochte er freilich nicht.

"Wir sehen uns leider immer wieder mit Vorwürfen von Leuten konfrontiert, die meinen, alles besser zu wissen", sagt ein hörbar frustrierten Anglerchef am Montag im Gespräch mit der LZ. Er stellt klar: "Was wir tun, dient ausschließlich dem Tier- und Naturschutz."

So auch das Fällen von etwa einem halben Dutzend Bäumen – vornehmlich Weiden – am Uferbereich des Sees. "Genau genommen haben wir die Bäume nicht gefällt, sondern nur angesägt, damit sie ins Wasser kippen und das Astwerk dort weiter austreibt." Eine Maßnahme, die notwendig sei, um den Fischen Unterschlupf und Laichplätze zu bieten, erklärt Wienhöfer. Das seit geraumer Zeit spärliche Pflanzenwachstum im See reiche dafür nicht mehr aus. Weiterer Effekt der "Unterwasserbäume": An ihnen entstehe Phytoplankton, das der Fischbrut als Futter diene. "Das Stroh, das wir beigeben, verstärkt die Bildung dieser pflanzlichen Mikroorganismen", erläutert Wienhöfer und betont, "dass die Aktion unter der Leitung eines ausgebildeten Forstwirts stattfand, und zwar bereits Ende Februar". Ab März ist das Fällen von Bäumen gesetzlich untersagt.

Der rund sechs Hektar große Apostelsee westlich von Ettenheim gehört wie der Großteil des umliegenden Geländes der Lahrer Firma Vogel-Bau, die Ufersüdseite liegt in städtischer Hand. Dort haben die Angler seit 2014 ihr Vereinsheim. Seit vielen Jahren kümmern sie sich um die Pflege des Gewässers und seiner Umgebung.

Dazu gehört auch eine große Putzaktion im Herbst. "Immer Ende Oktober beseitigen wir den Müll, den Badegäste im Sommer an Ufer und im See zurücklassen", sagt Wienhöfer. Der Anglerchef macht darauf aufmerksam, dass Schwimmen am Apostelsee grundsätzlich verboten sei. "Es wird in einem gewissen Rahmen geduldet, der nur leider immer wieder überschritten wird." Die eigentlich einfache Regel: Im Norden ist Baden okay, das Süd-, West- und Ostufer sind tabu (siehe Grafik).

"Trotzdem kommt es immer wieder zu Streitfällen, weil sich die Leute nicht daran halten", sagt Wienhöfer. Manche zeigten sich unwissend, manche provokativ. "Es wird mit dem Schlauchboot durch Seerosenfelder gepaddelt und in Bereichen geschwommen, wo Kies gefördert wird. Schilder, die auf die Lebensgefahr hinweisen, werden teilweise einfach entfernt", echauffiert sich der Vereinsvorsitzende.

Sorgen bereiten Wienhöfer zunehmend auch die sportlichen Aktivitäten im Apostelsee. Mit seiner Tiefe von bis zu 43 Metern ist er in den vergangenen Jahren zu einem wahren Mekka für Taucher aus Nah und Fern geworden. Die Folge: "Durch den großen Betrieb ist die Vegetation im Wasser stark zurückgegangen. Deshalb muss das Tauchen reglementiert werden, zeitlich und personell."

Verein fordert Eingreifen der Stadt

Dabei fordert der Angler mehr Unterstützung seitens der Stadt ("Da sind wir schon mehrfach vorstellig geworden"), ebenso wie beim Thema Parken: "Die Leute stellen ihre Autos an der Straße teilweise kreuz und quer ab, sodass die Landwirte mit ihren Traktoren kaum noch auf die Felder kommen."

Wienhöfer erhofft sich künftig mehr Respekt für die Vereinsarbeit der Angler und damit in der Konsequenz auch vor der Natur: "Statt sich von Halbwissen geleitet im Internet über unsere Aktivitäten zu beschweren, wäre es einmal angebracht, das eigene Handeln zu hinterfragen. Damit wäre allen geholfen."

Aufgrund der Corona-Pandemie ruhen die Aktivitäten des Ettenheimer Angelvereins, sowohl am Apostelsee als auch am Geppertsee und am Ettenbach. "Nach der aktuellen Gesetzgebung sind bis auf Weiteres alle Veranstaltungen abgesagt. Es finden keine Arbeitseinsätze statt", heißt es auf der Homepage. Zwar seien die Gewässer und Uferzonen nicht gesperrt. Doch gelte das Kontaktverbot auch für die Angler. Das habe die Polizei bei einem Besuch vor rund zwei Wochen auf dem Vereinsgelände deutlich gemacht. Der Appell des Vorstands: "Es liegt nun an jedem selbst, wie er sich auf dem Gelände verhält. Bitte haltet weitreichenden Abstand voneinander, steht nicht zusammen, um zu quatschen oder ein Bierchen zu trinken."

Weitere Informationen: www.av-ettenheim.de

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